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Wirtschaft Meisterbrief soll Qualität wieder sichern
Nachrichten Wirtschaft Meisterbrief soll Qualität wieder sichern
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00:25 04.05.2018
Rostock

In die Diskussion um die Meisterpflicht kommt Bewegung. Die CDU-SPD-Koalition in Berlin hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Meisterpflicht wieder einzuführen. Wirtschaft und Politik in Mecklenburg-Vorpommern begrüßen das Vorhaben. Es sei erfreulich, „dass sich die neue Bundesregierung klar zum Meisterbrief bekennt, und dass unsere bewährten Qualifikationsstandards erhalten bleiben“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Axel Hochschild, selbst Maler- und Lackierermeister.

Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer OstmecklenburgVorpommern

Bei der Reform der Handwerksordnung im Jahr 2004 war die Zahl der meisterpflichtigen Handwerke von 94 auf 41 reduziert worden. 53 Berufe sind damit zulassungsfrei – darunter: Schuhmacher, Brauer und Fliesenleger. Die damalige rot-grüne Bundesregierung wollte im Zuge ihrer „Agenda 2010“ Anreize schaffen, Firmen zu gründen und somit mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Was sich offensichtlich als Trugschluss erwies.

Als Negativbeispiel gilt das Fliesenlegerhandwerk. Seit der Aufhebung der Meisterpflicht sei die Zahl der Fliesenlegerbetriebe zwar stark gestiegen, heißt es beim Bauverband MV. Die Ausbildungszahlen seien jedoch zugleich „drastisch“ gesunken. Laut Handwerkskammer gab es bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern im Jahr 2004 noch 110 Lehrlinge, 2017 seien es nur noch 16 gewesen. Auch generell haben zulassungsfreie Berufe einen deutlich geringeren Azubi-Anteil: Im Bereich der Handwerkskammer gibt es derzeit insgesamt rund 2770 Lehrlinge, davon nur 200 in den von der Meisterpflicht befreiten Gewerken.

„Durch die fehlende Meisterqualifikation arbeiten auf den Baustellen viele Ein- Mann-Fliesenlegerbetriebe ohne jegliche Ausbildung“, so der Bauverband. Weil diese Klein-Betriebe nicht an den Mindestlohn gebunden seien, würden sie „ihre Leistungen zu niedrigen Preisen“ anbieten. Sachverständige monieren zudem sinkende Qualität und „vielerorts unsachgemäße Ausführungen dieser Handwerksleistung“.

Bundesweit seien nach fünf Jahren die Hälfte der Fliesenlegerbetriebe, die sich ohne Meisterbrief selbstständig machen, vom Markt wieder verschwunden, erklärte der Vize-Vorsitzende der CDU- Fraktion im Bundestag, Carsten Linnemann, kürzlich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Linnemann kündigte an, dass die Koalition die zulassungsfreien Handwerksbereiche auf den Prüfstand stellen werde.

Zuvor hatten Baugewerbe und Gewerkschaft IG Bau die Wiedereinführung der Meisterpflicht gefordert.

Die SPD, einst Motor hinter der Reform, rudert inzwischen wieder zurück: Die Wiedereinführung der Meisterpflicht in manchen Handwerksberufen könne „ein richtiger Schritt“ sein, um diese Berufe und die duale Ausbildung zu stärken, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der Schweriner SPD-Fraktion, Jochen Schulte.

Auch der Schweriner Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) betont: „Der Meisterbrief ist und bleibt ein Qualitätssiegel für die Arbeit der Handwerksbetriebe und die Ausbildung des Nachwuchses.“ Die Qualifikation sei „die ideale Basis für ein nachhaltiges und erfolgreiches Unternehmertum“. Das Ministerium honoriert erfolgreiche Meisterabschlüsse seit diesem Jahr mit 2000 Euro, zuvor waren 1000 Euro. Vor zwei Jahren sei die Prämie an 247 Absolventen ausgezahlt worden, im vergangenen Jahr an 287 Meister. Zudem unterstützt das Ministerium Firmenübernahmen durch Meister mit einer Prämie von 7500 Euro.

Förderung für Meisteranwärter

Der Meisterbrief – auch „Großer Befähigungsnachweis“ genannt – berechtigt zum Führen eines Handwerksbetriebs zum Ausbilden des Handwerksnachwuchses.

Seit 2004 besteht die Meisterpflicht in 41 Gewerken (vorher: 94 Gewerke), die in der Anlage A zur Handwerksordnung aufgeführt werden. Wesentliche Kriterien für die Meisterpflicht sind laut Schweriner Wirtschaftsministerium Arbeiten mit höheren Schadensgefahren (etwa Elektrotechniker und Kraftfahrzeugtechniker), sowie Verbraucherschutz (etwa Bäcker, Konditor und Fleischer) und Ausbildungsleistung (etwa Frisöre und Maler).

Teilnehmer einer Meisterfortbildung können ein Aufstiegs-BAföG nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz erhalten.

Axel Meyer

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