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Wirtschaft Messerscharf: Junge Schmiede formen edlen Stahl
Nachrichten Wirtschaft Messerscharf: Junge Schmiede formen edlen Stahl
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00:05 12.05.2017
Heiß und scharf: Stefan Weber (38) betreibt eine Schmiede in Klein Trebbow. Seine Spezialität: superscharfe Damastmesser. Quelle: Foto: Grit Büttner

/Kalkhorst. Stefan Weber (38) setzt die Schutzbrille auf, bevor er sich dem rotglühenden Ofenloch zuwendet. „Sicherheit geht vor“, sagt er. Der gebürtige Neustrelitzer machte sich vor einem Jahr mit einer Schmiede im Ortsteil Klein Trebbow selbstständig. „Eine Neugründung: Ich wusste von Anfang an, dass ich einen langen Atem brauchen werde.“ Die Kunst des Feuerschweißens, eine der ältesten Bearbeitungsmethoden für Eisen, habe ihn schon als Kind fasziniert. Wenn andere Jungs Lokführer werden wollten, interessierte er sich brennend für das Verfahren, hölleheißen Stahl per Muskelkraft zu formen.

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Metallbauer Stefan Weber hat sich bei Neustrelitz mit einer Schmiede selbstständig gemacht / In Kalkhorst fertigt Michael Schimmel Damastmesser

Kunst aus der Fachwerkschmiede

Metallgestalter Michael Schimmel schmiedet in Kalkhorst bei Klütz (Nordwestmecklenburg) in einer Fachwerkschmiede individuell designte Einzelstücke auf Bestellung, etwa für Köche. Seine Damastmesser sind Unikate, die Metallmischung hinterlässt auf der Klinge eine einmalige Zeichnung, weiß der freischaffende Kunsthandwerker. Er stellt auch Schmuck, Beschläge und Leuchten her.

Was ist ein Damastmesser?

Ein Damast- oder Damaszenermesser verfügt über eine Klinge aus mehrlagig gefaltetem Stahl. Durch dieses spezielle Verfahren entsteht ein wellenlinienförmiges feines Muster auf der Messerklinge, das einen Beweis für die traditionelle Qualität darstellt. Neben der exklusiven Optik beeindruckt die langanhaltende Klingenschärfe. Der Begriff selbst ist nicht geschützt.

Webers Spezialität: superscharfe Damastmesser aus mehrlagig gefaltetem Stahl, wie sie aus Japans Sushi-Küchen, auch von Sterne-Köchen bekannt sind. Der gelernte Metallbauer, der die praktische Ausbildung bei einem Schmied in Penzlin (Mecklenburgische Seenplatte) absolvierte, denkt weiter: Seit März nimmt der Jungunternehmer an der Freien Universität Berlin im Fach Veterinärmedizin an der Fortbildung zum staatlich anerkannten Hufbeschlagschmied teil. „Der Boom im Pferdesport hält an, ich hoffe auf ein weiteres Standbein für meine Schmiede.“ Qualität beim Hufbeschlag sei extrem wichtig, um die Gesundheit der Vierbeiner nicht zu gefährden.

Schmiede sind nach Auskunft der Handwerkskammern in MV rar. In der Handwerksrolle sind sie nicht mal extra aufgeführt, sondern laufen in der Gruppe der Metallbauer mit, erklärt eine Sprecherin in Schwerin. Da werde zwischen kleiner Dorfschmiede und hochmodernem Stahlbau-Unternehmen nicht unterschieden.

Schmiede an der Ostseeküste gibt es nur wenige. Einer ist Michael Schimmel. In Kalkhorst bei Klütz (Nordwestmecklenburg) fertigt der Metallgestalter in einer Fachwerkschmiede Einzelstücke nach eigenem Design und auf Bestellung an. In Klütz hat der Kunsthandwerker mit seiner Frau Catrin Freuschle Anfang Mai eine Galerie für Handwerkskunst eröffnet. Dort verkauft er von ihm gestaltete Damaszenermesser mit prächtigen Griffen aus Holz oder Horn, aber auch Schmuck, Leuchten oder kostbare Beschläge.

Zurück zur Messerschmiederei bei Neustrelitz. Derweil stimmt die Temperatur im selbstgebauten Ofen, der es auf 1800 Grad Celsius bringen kann. Schutzbrille auf, Handschuhe an, dann schiebt Weber den Block aus neun Stahlschichten ins Ofenloch. Ist das Eisen heiß, wird es geschmiedet – per Handhammer auf dem Amboss und, um Kräfte zu schonen, auch per elektrischem Federhammer. Das bearbeitete Stück wird abgebürstet und mit einem Flussmittel überpudert. „Das verhindert das Einbinden von Luftsauerstoff.“

Schließlich bereitet Weber das Zusammenfalten des länglichen Blocks vor, schneidet ihn ein, Funken sprühen. Er klappt das Teil, klopft es mit Wucht zusammen, steckt es ins Schmiedefeuer.

„Geschwindigkeit ist alles, abkühlen soll das Eisen nicht.“ Einige Schläge später sieht das Schicht-Metall aus wie ein Stück Baumkuchen mit feinem Linienmuster – sichtbares Merkmal edler Damaszener- oder kurz: Damast-Klingen. Am Ende besteht so ein Messer aus rund 300 Stahllagen. Vorlagen gebe es nicht. Das Design habe er im Kopf, sagt der Schmied. Durch langes Bearbeiten und zigfaches Falten sei eine Klinge von besonderer Homogenität und Reinheit entstanden. „Eine Wissenschaft für sich!“, sagt er.

Wenn er mit seinem Produkt nach Tagen kraftzehrenden Feuerschweißens zufrieden ist und die Klinge nicht nur wunderschön gemustert schillert, sondern auch in Schärfe und Stabilität einem „High-End-Messer“ genügt, nur dann bekomme sie sein Qualitätssiegel „S.W.“ aufgeprägt, erklärt Stefan Weber. Das erste Damastmesser mit seinen Initialen kaufte ein Hobbykoch der Region.

Grit Büttner

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