Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Middelhoff steht wegen Anstiftung zur Untreue vor Gericht
Nachrichten Wirtschaft Middelhoff steht wegen Anstiftung zur Untreue vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:52 11.05.2017
Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff steht wegen Untreue und Anstiftung zur Untreue vor Gericht. Quelle: Ina Fassbender
Anzeige
Essen

Noch kurz vor der Pleite gewährte der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor Ende 2008 zwei Topmanagern millionenschwere Erfolgsprämien: Deshalb müssen sich Ex-Konzernchef Thomas Middelhoff und sechs Aufsichtsratsmitglieder vor dem Essener Landgericht verantworten.

Unter den Mitangeklagten sind auch der frühere Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen und der Ehemann der Quelle Erbin und früheren Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz, Leo Herl.

Staatsanwältin Daniela Friese warf Middelhoff zum Prozessauftakt Anstiftung zur Untreue vor. Den sechs ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedern legt sie Untreue zur Last. Insgesamt geht es um Bonuszahlungen in Höhe von 3,8 Millionen Euro, die der Aufsichtsrat laut Anklage bewilligte, obwohl es keinen Anspruch der Manager auf das Geld gab und der Konzern auch in Zukunft keine Vorteile durch die Zahlung zu erwarten hatte, da beide Manager auf dem Absprung waren.

Den Aufsichtsräten seien die wirtschaftlichen Nachteile für den ohnehin angeschlagenen Konzern gleichgültig gewesen. Ihr Ziel sei es gewesen, das Gehaltsgefüge trotz der Turbulenzen, in denen sich Arcandor befand, auf gleichmäßigem Niveau zu halten. Dabei hätten sie „Vermögensverluste großen Ausmaßes“ für das Unternehmen in Kauf genommen und damit ihre Pflichten verletzt, heißt es in der Anklage.

Hauptnutznießer der Zahlungen war Middelhoff, der rund 2,3 Millionen Euro erhielt. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft wegen seiner Mitwirkung an der Entscheidungsfindung Anstiftung zur Untreue vor.

Middelhoffs Verteidigerin Anne Wehner wies die Vorwürfe jedoch am ersten Verhandlungstag entschieden zurück. Zwar habe Middelhoff mit Janssen über einen Bonus verhandelt. Daraus den Vorwurf einer Anstiftung zur Untreue zu konstruieren, sei aber nicht haltbar.

Janssen habe bei dem Aufsichtsratsbeschluss weder die von Middelhoff vorgeschlagene Prämiensumme von 3,8 Millionen Euro akzeptiert, noch habe er dessen Begründung für die Sonderprämie für den Aufsichtsratsbeschluss übernommen. „An der Anklage ist nichts dran. Man rätselt, was Herrn Middelhoff überhaupt vorgeworfen wird“, sagte Wehnert später am Rande des Verfahrens.

Auch Janssen und Herl wiesen in Erklärungen ihrer Verteidiger die Vorwürfe zurück. Der Aufsichtsrat habe nach pflichtgemäßem Ermessen gehandelt, betonte Janssens Anwalt. Herls Anwalt betonte, die Familie Herl-Schickedanz habe durch die Arcandor Insolvenz einen Großteil ihres Privatvermögens verloren. Für seinen Mandanten hätte es nach seinen Worten keinerlei Sinn gemacht, vorsätzlich Nachteile für das Unternehmen in Kauf zu nehmen. Die anderen Angeklagten wollen sich erst am kommenden Montag zu den Vorwürfen äußern.

Für den Prozess sind insgesamt 34 Verhandlungstage bis zum 21. Dezember 2017 vorgesehen. Middelhoff war bereits im November 2014 vom Landgericht Essen unter anderem wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden.

dpa

Mehr zum Thema

Seit der Jahrtausendwende ging es bergab mit der Drogeriemarktkette. Die Verluste häuften sich, das Geld wurde knapp. Hätte Anton Schlecker das früher erkennen müssen? Ja – sagt ein Zeuge im Bankrottprozess.

08.05.2017

Den Parlamentariern muss die Bundesregierung Rede und Antwort stehen. Aber gilt das auch, wenn es um heikle Unternehmensinterna geht? Ja, meinen die Grünen - und klagen in Karlsruhe. Die Verfassungsrichter sehen das Verfahren als „Operation nahe am Herzen der Demokratie“.

09.05.2017

Noch wenige Monate vor seiner Pleite zahlte der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor millionenschwere Erfolgsboni an den damaligen Konzernchef Thomas Middelhoff und einen weiteren Manager aus.

11.05.2017

Das Geschäft mit Sendern, Druckereien, Zeitschriften und Dienstleistungen wird für Bertelsmann immer profitabler. Im ersten Quartal 2017 gab es einen deutlichen Gewinnzuwachs, obwohl es beim Umsatz wegen des fehlenden Ostergeschäfts knirschte.

11.05.2017

Uber bietet eine Alternative zum klassischen Taxi. Ein paar Klicks und das Auto ist bestellt. Doch welche Regeln gelten für den Fahrdienstvermittler?

11.05.2017
Wirtschaft EU hebt Konjunkturprognose an - Europa entwächst der Krise langsam

Den Wachstumsraten der Weltwirtschaft hinkt die Europäische Union immer noch hinterher. Aber langsam erholt sich die Konjunktur zwischen Nikosia und Stockholm.

11.05.2017
Anzeige