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Wirtschaft Mieterbund: Vermieter modernisieren sich reich Wohnkonzern wegen zu teurer Sanierungen attackiert
Nachrichten Wirtschaft Mieterbund: Vermieter modernisieren sich reich Wohnkonzern wegen zu teurer Sanierungen attackiert
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00:25 05.05.2018
Firmenzentrale der Vonovia in Bochum. Der Mieterbund kritisiert den Konzern. Quelle: Foto: Dpa

Berlin. Neue Fenster, Balkon, Dämmung: Ist das Haus modernisiert, wohnt es sich für Mieter meist besser – jedoch nicht unbedingt günstiger. Große Vermieter in Deutschland verdienen sich mit Modernisierungsumlagen aus Sicht des Deutschen Mieterbunds eine goldene Nase. Für viele Mieter seien die Mieterhöhungen nicht tragbar, sie würden aus ihren Wohnungen verdrängt oder abhängig von Sozialleistungen, kritisierte der Verband am Freitag anhand von Beispielen aus Häusern des größten deutschen Vermieters, des Bochumer Vonovia-Konzerns.

„Vonovia verdient gut an der Modernisierung“, sagte Mieterbund-Geschäftsführer Ulrich Ropertz. In der Regel steige die Miete drei Mal so stark, wie im Gegenzug die Energiekosten für die Mieter sänken. Bei Vonovia spiegele sich ein branchenweites Problem.

Das Unternehmen wies den Vorwurf zurück. „Unsere durchschnittliche Modernisierungsumlage bewegt sich zwischen 1,60 bis 1,70 Euro pro Quadratmeter“, teilte Vonovia mit. „Das ist für uns sozial verträglich.“ Der Konzern modernisiert jährlich jede zwanzigste seiner 350 000 Wohnungen, häufig geht es um Dämmungen und Fenster, oft auch um Balkone.

Rund 100 000 Vonovia-Wohnungen liegen im Ruhrgebiet und im Rheinland, mehr als 40 000 in Berlin, knapp 39 000 in Dresden. Oft sind es frühere Werkswohnungen oder einstige Häuser der öffentlichen Hand.

Vorstandsmitglied Klaus Freiberg sagte der dpa, man wolle Mieter vorab künftig verständlicher informieren. Das Unternehmen suche auch Lösungen, um Härtefälle besser zu erkennen. Im Durchschnitt aller Wohnungen seien die Mieten bei Vonovia 2017 aber lediglich um 2 bis 2,6 Prozent durch Modernisierung und um 1,6 Prozent nach dem Mietspiegel gestiegen.

Im Einzelfall müssten Mieter nach der Modernisierung bis zu 80 Prozent mehr bezahlen, kritisierte dagegen der Immobilienwirtschafter Stefan Kofner von der Hochschule Zittau/Görlitz mit dem Mieterbund. „Der Mieterhöhungshebel Modernisierung wird bis zum Anschlag ausgereizt.“ Der börsennotierte Konzern steigere damit den Wert seiner Häuser und die Rendite der Aktionäre.

Vermieter können Modernisierungskosten mit 11 Prozent auf die Monatsmiete umlegen – unabhängig von der Gesamthöhe der Kosten. Union und SPD haben vereinbart, die Umlage auf acht

Prozent zu senken und den Mietaufschlag auf 3 Euro je Quadratmeter zu begrenzen.

Der Mieterbund verlangt, das Limit bei 1,50 Euro einzuziehen, die Erhöhung am Mietspiegel auszurichten und klarzustellen, welche Arbeiten Instandhaltungen sind und welche Modernisierungen –

denn nur die dürfen umgelegt werden. Mieter, Vermieter und öffentliche Hand sollten sich die Kosten von Energieeffizienz und Klimaschutz teilen.

Vonovia widersprach dem Vorwurf, über die Modernisierungsumlage auch Arbeiten abzurechnen, die eigentlich der Instandhaltung dienten. 2017 habe der Konzern rund 780 Millionen Euro für Modernisierung, Neubau und Quartiersentwicklung ausgegeben. Davon entfielen 500 Millionen Euro auf Modernisierung, wovon in der Regel etwas mehr als die Hälfte angerechnet werde. Für die Instandhaltung gebe man zusätzlich rund 350 Millionen Euro im Jahr aus.

Burkhard Fraune

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