Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Milchbauern in MV enttäuscht: „Hilfspaket ist keine Lösung“
Nachrichten Wirtschaft Milchbauern in MV enttäuscht: „Hilfspaket ist keine Lösung“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 31.05.2016

/Berlin. Millionenhilfe für den Kampf gegen deutsche Billig- Milch: Wegen der drastisch gesunkenen Milch-Preise erhalten Landwirte Soforthilfen von mindestens 100 Millionen Euro. Das hat Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) gestern in Berlin angekündigt. Das Hilfspaket enthält unter anderem zusätzliche Bürgschaften und steuerliche Entlastungen.

Nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) löst ein finanzielles Hilfspaket das Problem nicht: „Wir wollen kein Geld vom Staat, sondern mit unserem Produkt Geld verdienen“, sagt der Landesvorsitzende für Mecklenburg-Vorpommern, Christian Karp. Europaweit sei zu viel Milch auf dem Markt. Diese Überproduktion lässt die Preise purzeln und „muss eingedämmt werden“, fordert Karp. Möglich sei das nur mit einer „flankierenden Gesetzgebung“. Sonst müssten noch mehr Betriebe aufgeben. Mindestens 60 Landwirte haben 2015 ihre Höfe in MV geschlossen, in diesem Jahr sind es bereits mehr als 20. Den Verlust, der für 2016 erwartet wird, beziffert Karp auf 260 Millionen Euro.

Auch MVs Agrarminister Till Backhaus (SPD) plädiert für eine europäische Lösung. Die EU-Kommission verfüge über Kriseninstrumente, „um eine zeitlich befristete Mengenreduzierung anzuordnen“. Für den BDM sind auch finanzielle Förderungen für Bauern denkbar, um weniger zu produzieren.

Deutschlandweit fürchten Tausende Milchbauern um ihre Existenz: Sie bekommen derzeit rund 20 Cent je Liter. Um ihre Kosten decken zu können, brauchen sie aber mindestens 35 Cent. Nur elf Cent mehr kostet eine Packung Vollmilch in vielen Supermärkten. Einen Liter Cola gibt es für 69 Cent, einen Liter Mineralwasser für 38 Cent. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt findet, auch die Verbraucher könnten etwas gegen den Preisverfall der Milch tun – indem sie nicht immer zum billigsten Produkt greifen würden. Doch ein aktueller Marktcheck der Verbraucherorganisation Foodwatch zeigt: Egal, ob ein Liter 46 Cent oder für ein Marken-Produkt 1,15 Euro kostet – die Landwirte kriegen von den Molkereien den gleichen Preis. „Die Kunden können nichts für die Krise“, sagt Uta Nehls von der Verbraucherzentrale MV. Die Branche sei intransparent. Niemand wisse, wie viel Geld der Bauer von der Molkerei bekommt, und ob die Milch tatsächlich aus der Region stammt. Letzteres stehe oft nicht auf den Packungen: „Viele Verbraucher würden für regionale Produkte mehr bezahlen“, ergänzt Uta Nehls.

Monatelang haben Bauern bundesweit protestiert, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Vor dem gestrigen Milch-Gipfel in Berlin gab es weitere Aktionen – ein Mahnfeuer und Hunderte Gummistiefel vor dem Brandenburger Tor.

Kerstin Schröder

/Rostock. Die Rückflaggung des Autotransporters „Patara“ von der Flagge Gibraltars zu Schwarz-Rot-Gold soll Symbol für eine Trendwende sein (die OZ berichtete).

31.05.2016

Im Iran geben sich Wirtschaftsdelegationen die Klinke in die Hand – auch aus MV

31.05.2016

. Nach dem Fund von gesundheitsgefährdenden Bakterien hat die bayerische Fleischwarenfirma Sieber eine Rückrufaktion für ihre gesamte Ware gestartet.

31.05.2016
Anzeige