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Wirtschaft Millionen-Umsatz mit Leiterplatten aus Greifswald
Nachrichten Wirtschaft Millionen-Umsatz mit Leiterplatten aus Greifswald
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00:01 02.06.2016

Weiße Kittel, dazu saubere Handschuhe – die Mitarbeiter der Greifswalder Firma ml&s sehen aus, als stünden sie gerade im Operationssaal. Doch ihr Arbeitsplatz ist eine riesige Halle. Die dürfen sie nur mit Schutzkleidung betreten und in Spezialschuhen. In Letzteren befinden sich Metallfäden, die Spannung abbauen. Denn: Jeder Körper hat eine elektronische Ladung. Funken könnten überspringen und die hochmodernen Anlagen beschädigen. Die bestücken sogenannte Leiterplatten mit elektronischen Bauteilen wie Prozessoren, Schaltern und Relais.

Welche Unternehmen ml&s beliefert, darf der geschäftsführende Gesellschafter Udo Possin nicht verraten: „In der Branche sind Verschwiegenheitserklärungen gängige Praxis.“ Doch die Geschäfte laufen gut: Die GmbH erwirtschaftet derzeit einen Jahresumsatz von rund 85 Millionen Euro, Tendenz steigend. Größter Umsatzbringer ist die Telekommunikationsbranche. Aber auch in Autos, Landmaschinen, Hybridfahrzeugen und in der Energietechnik werden die Träger elektronischer Bauteile eingesetzt.

2002 ist ml&s gegründet worden. Seither sind auf dem ehemaligen Siemens-Gelände rund 70 Millionen Euro in Immobilien und Anlagen auf der insgesamt 100 000 Quadratmeter großen Fläche investiert worden. Auch die Mitarbeiterzahl hat sich fast verdoppelt – von anfänglich 243 auf derzeit mehr als 500. Christine Giesa ist von Anfang an dabei. Die 62-jährige Greifswalderin arbeitet in der Endabnahme. Dort wird jedes Produkt noch einmal ganz genau geprüft – bevor es das Werk verlässt. „Ich kontrolliere zum Beispiel, ob alles sauber verklebt und verlötet wurde“, berichtet die Mitarbeiterin.

Schon die hochmodernen Anlagen des Fertigungsprozesses geben Alarm, sollten Fehler auftreten. Hinzu kommen verschiedene Kontrollstationen – wie ein Röntgen-Inspektionsgerät. Mit dem überprüft Mitarbeiter Denny Klatt, ob die winzigen Lötstellen auch alle gut verarbeitet sind. Der 31-Jährige trägt unter seinem Kittel eine kurze Hose. Denn die Anlagen erzeugen viel Wärme. Bis zu 100

000 Bauelemente können sie in einer Stunde verarbeiten. Jedes Teil hat einen eigenen Code, der in der Datenbank gespeichert wird. So wird die Fertigung lückenlos dokumentiert – was wichtig ist für eventuelle spätere Reklamationen. „Doch die gibt es so gut wie nie“, betont Udo Possin.

Was auffällt: In der Firma arbeiten viele junge Leute. Alle Lehrlinge, die bei ml&s zum Industrieelektroniker ausgebildet wurden, haben ein Übernahmeangebot erhalten. Und fast alle haben es angenommen. Auch bei den Absolventen der Fachhochschule Stralsund ist das Greifswalder Unternehmen ein beliebter Arbeitgeber – rund 30 sind dort mittlerweile beschäftigt. „Wir bieten interessante Jobs auf Weltniveau, wir haben Kunden in Asien, Europa und den USA“, begründet Possin die gute Nachfrage. Einen Fachkräftemangel wie in vielen Branchen gebe es bei ml&s nicht.

Die GmbH, deren weitere Gesellschafter die HNP-Gruppe und Bernd Odoj sind, kümmert sich neben der Fertigung auch um den Transport der Produkte. 2009 ist ein modernes Logistikzentrum in Betrieb genommen worden, welches die effiziente Steuerung vom Wareneingang der Einzelteile bis zum weltweiten Versand der Produkte sichert.

In den vergangenen Jahren haben sich wegen der guten Infrastruktur auf dem Gelände des ml&s-Technologieparks in der Siemensallee auch mehrere Fremdfirmen angesiedelt – zurzeit sind es knapp 20. Sie können unter anderem Kantine, Wachschutz, Reinigung und Technikservice nutzen – wenn sie es wollen.

Kerstin Schröder

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