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Millionendeals beim Frühstück

Rostock Millionendeals beim Frühstück

Immer mehr Unternehmer vernetzen sich in Clubs und Organisationen, um ihre Auftragslage zu verbessern / In MV erfreut sich die BNI-Gruppe wachsender Beliebtheit

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Daniel Ziwanowic (38), Kaminbauer aus Bad Doberan

Rostock. Einmal in der Woche beginnt der Arbeitsalltag von Daniel Ziwanowic um 7 Uhr in einem Rostocker Restaurant. Der Ofen- und Kaminbauer aus Bad Doberan trifft sich dort mit Mitgliedern des Netzwerkes Business Network International (BNI) – um Geschäfte abzuschließen. Die lohnen sich. Innerhalb eines Jahres haben die Netzwerker der Regionalgruppe Rostock einen Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielt. „Die Einnahmen hätten sie ohne das Netzwerk nicht gehabt“, sagt Pressesprecherin Manuela Kuhlmann.

 

OZ-Bild

Marlis Brehmer (43), Heilpraktikerin aus Rostock

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Die guten Geschäfte haben sich herumgesprochen. Immer mehr Unternehmer wollen bei BNI mitmachen. In Rostock hat sich gerade ein zweites Team gegründet. In Stralsund, Greifswald, Neubrandenburg und Schwerin sind weitere Netzwerke geplant. Pro Gruppe darf jede Berufsbranche – vom Architekten über den Rechtsanwalt bis hin zum IT-Fachmann – nur einmal vertreten sein. „Damit sich die Angebote nicht ähneln“, erklärt Manuela Kuhlmann. 42 Mitglieder hat die erste Rostocker Gruppe, alle profitieren von den Kontakten der anderen. Bringt jeder Unternehmer 100 Kontakte mit, sind das insgesamt 4000, mit denen sie ins Geschäft kommen können. Dabei geht es richtig ums Geld. Neben kleinen Aufträgen sind größere Abschlüsse mit Hausverwaltern, Gebäudereinigern, Krankenkassen und Energieversorgern möglich.

Der Ablauf der Treffen ist klar geregelt: Nach Brötchen und Kaffee macht jedes Mitglied eine Minute lang Werbung in eigener Sache, stellt seine Dienstleistung oder ein Angebot vor. Eine Stoppuhr läuft mit und es werden nacheinander drei Karten in die Luft gehalten: „Noch 10 Sekunden“, „Danke“, „Applaus“. Dann ist der Nächste dran. Jane Radohs vom Bilse-Institut in Güstrow preist berufsbegleitende Kurse an, der Rostocker Roland Braun seinen Hausmeisterservice, Heilpraktikerin Marlis Brehmer stellt ihre Leidenschaft vor: den Bauchtanz. Nach den Präsentationen werden Kärtchen ausgefüllt – mit Aufträgen und Empfehlungen. Danach wird der so generierte Umsatz vom vergangenen Treffen verkündet – 15 000 Euro. „Oft ist es mehr“, sagt Manuela Kuhlmann. Basis der Netzwerkarbeit seien Vertrauen und Mundpropaganda.

Laut dem Marktforschungsinstitut AC Nielsen treffen 96 Prozent der Konsumenten Kaufentscheidungen aufgrund persönlicher Empfehlungen von Freunden und Geschäftspartnern. Das heißt: Ist der Bruder mit einem Produkt zufrieden, kauft es die Mutter vielleicht auch. Empfiehlt ein guter Geschäftspartner eine Versicherung, fruchtet das eher als Werbeflyer im Briefkasten. Auch Marlis Brehmer ist zufrieden: „Ich bekomme viele, gute Aufträge durch das Netzwerk“, erzählt sie. Die Jahresgebühr von 925 Euro sei hoch, aber die Investition lohne sich, auch weil die BNI-Gruppen untereinander Kontakte knüpfen können – national und international. Außerdem trainiere man seine rhetorischen Fähigkeiten.

In Deutschland sind im BNI derzeit mehr als 8000 Unternehmen organisiert, weltweit sind es 190 000. „Egal wo man auf der Welt unterwegs ist, unsere Mitglieder können an allen Treffen teilnehmen“, erklärt Manuela Kuhlmann. Während der Hanse Sail seien zum Beispiel Gäste aus ganz Deutschland nach Rostock gekommen.

Dass Unternehmer ihre Interessen in Netzwerken bündeln, ist in MV nicht neu. Unter anderem gibt es die „Zukunftsmacher MV“, in denen große Arbeitgeber Strategien entwickeln, um Fachkräfte für sich zu gewinnen. Das will auch die 2014 mit verschiedenen Unternehmen aus der Ernährungswirtschaft gegründete „Food Academy“. Der Verein setzt sich für Nachwuchskräfteförderung, Weiterbildungsmöglichkeiten für Quereinsteiger und die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Berufe in der Ernährungsbranche ein.

Rekordergebnis im ersten Halbjahr

8,6 Milliarden Euro – zu so viel Geld hat 2015 das Netzwerk Business Network International (BNI) weltweit rund 190 000 Unternehmern verholfen. Sie sind in 69 Ländern vertreten. Deutschland schafft für das erste Halbjahr 2016 mit einem Umsatz von 242 Millionen Euro (+ 27 Prozent zum Vorjahr) einen neuen Rekord.

Gegründet wurde BNI 1985 von Unternehmensberater Dr. Ivan Misner in den USA.

Kerstin Schröder

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