Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° stark bewölkt

Navigation:
Ministerium: „Unzulässige“ Abschalteinrichtungen bei Fiat

Berlin Ministerium: „Unzulässige“ Abschalteinrichtungen bei Fiat

Nachtests ergeben aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums den Nachweis: Fiat verwende in Dieselautos eine „unzulässige“ Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung. Das Unternehmen wehrt sich - doch manch einer sieht den Gipfel der „Dreistigkeit“ erreicht.

Berlin. Einige Diesel-Modelle des italienischen Autobauers Fiat stoßen aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums mit Hilfe „unzulässiger“ Abschalteinrichtungen deutlich zu viel schädliche Abgase aus.

Dies geht aus einem Schreiben des Ressorts von Alexander Dobrindt (CSU) an die EU-Kommission hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Zuerst hatte die „Wirtschaftswoche“ darüber berichtet.

Fiat wehrte sich gegen die Vorwürfe. Es handele sich um ein internes Schreiben, das dem Unternehmen selbst nicht vorliege, sagte eine Sprecherin der Deutschland-Niederlassung. „Wir bleiben dabei, dass unsere Fahrzeuge die Anforderungen erfüllen und keine Abschalteinrichtung besitzen“, hieß es. Im übrigen wolle man sich in die Arbeit der Behörden nicht einmischen.

Nach Informationen des Magazins ist es das erste Mal nach dem Fall Volkswagen, dass eine Behörde bei einem Autobauer eine solche mutmaßlich gezielte Manipulation bei der Abgasbehandlung beanstandet. Bisher hatte nur VW eingeräumt, bei Abgastests getäuscht zu haben - dies hatte die Diesel-Affäre mit Milliarden-Rückstellungen bei Deutschlands größtem Konzern und millionenfachen Rückrufen ausgelöst.

Nach Untersuchungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hatte es im Frühjahr bei 22 von 53 getesteten Dieselwagen Zweifel daran gegeben, ob das Herunterregeln der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen wirklich nur mit dem Schutz von Motorbauteilen zu tun hat. Betroffen davon war auch Fiat Chrysler.

Einen Termin mit der von Dobrindt infolge des VW-Abgas-Skandals eingesetzten Untersuchungskommission ließ das Unternehmen im Mai platzen. Kurz darauf schaltete das Ministerium italienische Behörden und die EU-Kommission ein - verbunden mit dem Aufruf, eigene Maßnahmen zu ergreifen.

Anschließend führte das KBA Untersuchungen an weiteren vier Fahrzeugen des Fiat-Chrysler-Konzerns durch, wie es nun in dem Schreiben des Verkehrsministeriums hieß. Die Ergebnisse zeigten ein „qualitativ ähnliches Verhalten im Anstieg von NOx-Emissionen“ - also dem Ausstoß von gesundheitsschädlichen Stickoxiden.

Die Werte seien bis auf das 9- bis 15-Fache des Grenzwerts gestiegen. Das liege unter anderem an einer Abschaltung der Abgasrückführung nach 22 Minuten. „Damit ist aus unserer Sicht der Nachweis des Einsatzes einer unzulässigen Abschalteinrichtung erbracht“, hieß es in dem Papier. Und: „Die Ansicht der italienischen Typengenehmigungsbehörde, die Abschalteinrichtung werde aus Gründen des Motorschutzes verwendet, kann Deutschland nicht teilen.“

Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup erklärte: „Damit ist endlich amtlich, was Beobachter längst vermuteten. Der VW-Skandal ist ein Branchenskandal.“ Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum Abgas-Skandal im Bundestag, Herbert Behrens (Linke): „Es ist längst klar, dass es sich um ein Branchenproblem und nicht um ein VW-Problem handelt.“

Von daher reiche es nicht aus, „dass Verkehrsminister Dobrindt nach Gutsherrenart einige Hersteller an den Pranger stellt und andere letztlich unbehelligt lässt“. Behrens ergänzte: „Fiat markiert jedoch die Spitze der Dreistigkeit, denn hier wurde nicht nur bei der Abgasnachbehandlung gespart, sondern auch noch billige Betrugssoftware verwendet.“ Der Autobauer äußerte sich dazu nicht.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Wolfsburg

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen treibt die Kosten für den Alltag der Menschen in vielen deutschen VW-Standorten in die Höhe.

mehr
Mehr aus Wirtschaft
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.