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Wirtschaft Müllofen: Anwohner fürchten „Spiel auf Zeit“
Nachrichten Wirtschaft Müllofen: Anwohner fürchten „Spiel auf Zeit“
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11:14 23.04.2016

Grübelnd blickt Eckhard Schiemann auf die Erklärung des Greifswalder Oberverwaltungsgerichtes. Nach gut sechs Jahren Rechtsstreit entzogen die Richter dem größten Müllofen des Landes — im Rostocker Seehafen gelegen — die Betriebserlaubnis. Betreiber ist der Energie-Konzern Vattenfall.

„Bis die Anlage stillgelegt ist, wird es wohl Jahre dauern“, sagt Schiemann, Mitglied der Anwohner-Initiative in Rostock-Nienhagen. Das „Sekundärbrennstoff-Heizkraftwerk“ liegt neben dem Stadtdorf.

Als Vertreter der aufgebrachten Bürger hatte der Nienhäger Heiko Stepanek schon 2009 gegen die Anlage geklagt.

Das Gericht betonte, dass das Vorhaben einer „Neuerrichtungsgenehmigung bedurft hätte“. Die dafür nötige Umweltverträglichkeitsprüfung unterblieb ebenso wie die Öffentlichkeitsbeteiligung.

Es wurde also eine komplette Neuplanung ohne Umweltprüfung genehmigt. Statt für 170000 Tonnen Kommunal-Abfall ist das Müllkraftwerk zudem für 230000 Tonnen ausgelegt worden.

Verbrannt wurden am Ufer der Warnow 2015 rund 144000 Tonnen, so Vattenfall-Sprecher Steffen Herrmann. Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus beziffert die Menge, die aus der Hansestadt stammt, auf 50000 Tonnen. Der „Rest“ wird vor allem aus den Landkreisen Rostock, Vorpommern-Rügen und aus Lübeck herangekarrt.

„Tausende von Müll-Lastern rumpeln durch unser Dorf. Das ist Mülltourismus und die Lärmbelastung unerträglich“, empört sich der Nienhäger Prof. Jan Gimsa. Der Biophysiker von der Uni Rostock erinnert daran, dass die „Schornsteinhöhe der ursprünglichen, mit Bevölkerungsbeteiligung genehmigten Anlage 60 Meter betrug. Der Neubau hat eine 50 Meter hohe Esse“.

Wie Schiemann befürchtet Prof. Gimsa ein „Spiel auf Zeit“. Vattenfall will vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen. Der Chef des Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu), Jean Weiß, sagt: „Wir haben als Behörde einen Fehler bei der Anwendung der EU-Umweltverträglichkeitsrichtlinie gemacht und müssen schauen, wie wir ihn heilen können.“

„Müllverbrennungsanlagen setzen Feinstäube und Giftstoffe frei, die kaum durch Filter zu stoppen sind“, weiß Prof. Gimsa. Bereits 2004 warnte der Kieler Toxikologe Prof. Otmar Wassermann vor Feinstpartikeln, die von Müllöfen freigesetzt werden. Diese sind kleiner als 10 µm (1 Mikrometer ist ein Tausendstel Millimeter). Sie gelangen bis ins Blut. Die Folgen: Störungen des Immunsystems sowie ein erhöhtes Infarkt- und Krebsrisiko.

„Derartige Bedenken nehmen wir sehr ernst“, versichert Stalu-Chef Weiß. Vattenfall-Sprecher Herrmann verweist auf „kontinuierliche Messungen“.

„Die Freisetzung von Feinstäuben und Giftstoffen durch den Müllofen ist ein Risiko für alle Rostocker und Bewohner, etwa der Ostseebäder Graal-Müritz und Kühlungsborn“, sind sich der Biologe Dr.

Günter Hering und der Mediziner Dr. Marcus von Stenglin sicher. Die Mitglieder der „Rostocker Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung“ wissen, dass Brüsseler Experten das Verfahren verfolgen. „Es geht um Verstöße Deutschlands gegen EU-Richtlinien“, so von Stenglin.

Von Volker Penne

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