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Nach 10 Jahren: Bauernchef Tietböhl tritt ab

Nach 10 Jahren: Bauernchef Tietböhl tritt ab

Kein anderer Bauernpräsident war in Mecklenburg-Vorpommern so lange im Amt

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Rekord-Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl

Quelle: dpa

Demmin Rainer Tietböhl (63) war zehn Jahre Landesbauernpräsident, so lange wie keiner seiner drei Vorgänger. Morgen beim Wahlbauerntag in Neubrandenburg gibt er das Amt ab. Die OZ sprach mit ihm darüber, was er erreicht hat — und was er nun vorhat.

Bauernverband MV sucht neuen Präsidenten

Kandidaten für geschäftsführenden Vorstand: Detlef Kurrek (57, Bastorf);

Gerd Göldnitz (64, Dütschow);

Stefan Wille genannt Niebur (44, Plate);

Kurt Springorum (38, Roggenhagen);

Heike Müller (51, Gessin b. Malchin)

Manfred Leberecht (55, Grabow)

Bisherige Bauernpräsidenten: Harald Röpke, Albert Rudolphi, Gerd-Heinrich Kröchert, Rainer Tietböhl

Sie waren seit 2006 Landesbauernpräsident, was ist Ihnen gelungen? Tietböhl: Wir haben erreicht, dass der Bauernverband als Partner akzeptiert ist, wenn darüber diskutiert wird, wie sich die Landwirtschaft entwickeln soll. Wir wollen, dass in Mecklenburg-Vorpommern weiter Landwirtschaft betrieben werden kann. Denn das ist absolut nicht selbstverständlich.

Warum nicht?

Tietböhl: Die Politik bringt leider oft Gesetze auf den Weg, die nicht nur praxisfremd sind, sondern auch keineswegs landwirtschaftsfreundlich. Jedenfalls im ersten Entwurf. Dann bringen wir uns ein, damit das überarbeitet und so verändert wird, dass wir weiter für den Markt produzieren können. Aktuell geschieht das zum Beispiel bei der neuen Düngeverordnung.

Politik, Verbraucher und Umwelt- schützer haben doch aber Gründe dafür, dass sie von der Landwirtschaft verlangen, mit weniger Dünger auszukommen. Warum sieht Ihr Verband das anders?

Tietböhl: Natürlich muss man darüber reden, was wir tun können, damit Grundwasser und Umwelt nicht geschädigt werden. Doch wenn es nach den Vorstellungen der Politik geht, müssten wir die Stickstoffdüngung so stark reduzieren, dass hier nur noch Futtergetreide wachsen würde. Ohne Stickstoff können wir kein Brotgetreide produzieren.

Hätten Sie strengere Gesetze gern verhindert?

Tietböhl: Ja, das hätte ich gern. Denn es geht doch darum, wer bei der Produktion von Lebensmitteln verliert — und woher unsere Nahrungsmittel dann kommen. Ich war vor kurzem in Argentinien.

Da stehen Legehennen in Käfigen in sechs Etagen übereinander, alle mit gekürzten Schnäbeln. Die Eier können auf dem Markt verkauft werden und niemand findet etwas dabei. Oder das argentinische Rindfleisch, das so einen guten Ruf hat: Deutsche Verbraucher denken, dass das alles von Weide-Rindern aus der Pampa kommt. Dass in Argentinien aber viele Rinder mit genverändertem Soja gemästet werden, das wird verschwiegen.

Sie wollen damit eine Lanze für deutsche Lebensmittel brechen? Tietböhl: Genau. Bei uns können sich die Verbraucher davon überzeugen, wie wir Landwirtschaft machen. Wir sind bereit, ihnen unsere Betriebe zu zeigen.

Und wenn den Besuchern nicht gefällt, was sie dort sehen — Schweine in engen Buchten auf Betonböden, Kühe im Stall statt auf der Weide?

Tietböhl: Man kann sich ja wünschen, Kühe nur auf Stroh und auf der Weide zu halten. Betriebe mit 100 Kühen können das vielleicht auch leisten. Aber bei 1500 Kühen ist das nicht zu schaffen. Doch die Verbaucher können sich bei uns überzeugen, dass es diesen Tieren auch nicht schlechter geht als denen auf der Weide. Und so kostet die Milch auch deutlich weniger.

Bisher waren alle Bauernpräsidenten in MV Männer, nach Ihnen kandidiert mit Detlef Kurreck von der Agrargesellschaft Körchow bei Kröpelin wieder ein Mann. Haben Landwirte etwas gegen Frauen an der Spitze?

Tietböhl: In keiner Weise. Frauen sind willkommen. Wo Frauen sich zur Wahl stellen, sind sie meistens auch erfolgreich. Mit Roswitha Beu und Gertrud Züdel hatten wir viele Jahre schon Vizepräsidentinnen. Dieses Jahr ist Heike Müller, die Vorsitzende der Landfrauen, unter den sechs Kandidaten für den neuen Landesvorstand.

Welchen Kurs sollten Ihre Nachfolger einschlagen? Werden Sie Ratschläge geben?

Tietböhl: Wenn sie Ratschläge haben wollen, stehe ich parat (lacht). Es liegt auf der Hand, dass sich der Verband in den nächsten Wochen intensiv um die Milch- und Schweinehalter kümmern muss.

Die sind wegen des dramatischen Preisverfalls in einer schwierigen Situation.

Und Sie persönlich — welche Prioritäten setzen Sie ab jetzt?

Tietböhl: Politisch bin ich weiter in der Stadtvertretung Demmin und im Kreistag Mecklenburgische Seenplatte als Parteiloser auf der SPD-Liste aktiv. Und privat: Ich habe zwei Enkelkinder in einem wunderbaren Alter. Ida ist fünf, Lennard 2,5 Jahre. Das ist das Prägealter — da will ich dabei sein. 

Von Interview von Elke Ehlers

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