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Wirtschaft Nach German-Pellets-Pleite: Leibold mischt wieder mit
Nachrichten Wirtschaft Nach German-Pellets-Pleite: Leibold mischt wieder mit
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00:00 16.07.2016

Die Fuggerstraße 1a in Leipzig. Dort steht der Fugger Business Park. Ein vierteiliger Gebäudekomplex mit begrüntem Innenhof, unweit der Autobahn Magdeburg – Dresden, gegenüber ein Vier-Sterne-Businesshotel. Hier befindet sich der offizielle Firmensitz von Peter Horst Leibold, der mit der Wismarer Gruppe German Pellets erst im Mai in die Insolvenz gegangen war. Die Neueintragung im Handelsregister heißt US Wood Service GmbH, als alleiniger Geschäftsführer ist Leibold vermerkt. Einziger Gesellschafter ist die Mitteldeutsche Pellet Vertrieb GmbH (MPV). Deren Geschäftsführerin ist Leibolds Tochter Kathrin Wiedmer, geborene Leibold. Mit der MPV war sie bis dahin allein in Erscheinung getreten. Ende Dezember übernahm Wiedmer mit dieser Firma den Vertrieb dreier Werke in Sachsen und Sachsen-Anhalt – der sogenannten Woodox-Werke.

Bild aus besseren Zeiten: Peter Leibold vor einem Pellet-Ofen Quelle: dpa

Peter H. Leibold hatte dafür noch kurz vor der Insolvenz von German Pellets Teile des Vertriebs auf seine Tochter übertragen. In einem Brief ließen beide Ende vergangenen Jahres Kunden und Händler wissen, dass die Lieferungen aus den Werken in Löbau (Sachsen), Oranienbaum und Osterfeld (beide Sachsen-Anhalt) von nun an über die MPV abzurechnen seien. Bis dahin war dafür die Woodox Management GmbH zuständig, eine Tochter von German Pellets.

Peter Leibold ist laut Wirtschaftsauskunftei Moneyhouse seit Anfang Januar als Geschäftsführer in der Firma tätig. Geschäftsadresse: Fugger Business Park in Leipzig. Inzwischen ist das Unternehmen eines von zehn, die Rechtsanwältin Bettina Schmudde in Insolvenz verwaltet. Die insolventen Woodox-Werke hingegen werden von Lucas Flöther verwaltet. Dem Rechtsanwalt, mit dem Leibold den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hatte. Das Amtsgericht in Schwerin lehnte den Antrag ab. In Branchenkreisen munkelt man, dass Leibold die Woodox-Werke zurückkaufen will. Auf Nachfrage der OZ ließ Leibold am Telefon wissen, dass er keine Auskunft gebe. Zu gegebener Zeit wolle er Stellung nehmen.

Wismar. Philosophenweg 3a. Ein DIN-A 4-Blatt an einer Bürotür verweist auf die Mitteldeutsche Pellet Vertrieb GmbH. Darunter ist die US Wood Service GmbH aufgeführt. Im Vorzimmer sehen zwei Mitarbeiter kurz von ihren Laptops auf. Die Tür zum Büro von Kathrin Wiedmer nebenan steht offen. Morgenkonferenz mit den Vertriebsleuten. Das Telefon ist laut gestellt. Die Namen oder Orte, die in der Telefonschalte mit den Vertrieblern fallen, gehören jenen, die einst Pellets von German Pellets gekauft haben. Kurz vor halb zehn betritt Leibold das Büro. Weißes Hemd, marineblaue Anzugshose.

Leibold sucht Verstärkung für seine US Wood Service GmbH. Bislang hat er laut Wirtschaftsauskunftei Creditreform einen Mitarbeiter. Zwei Stellen am Standort Wismar sind vakant. Künftige Mitarbeiter erwarten laut Stellenanzeige unter anderem „verantwortungsvolle Aufgaben und spannende Projekte in einem international agierenden Unternehmen“. Peter Horst Leibold – er scheint wieder im Geschäft.

Staatsanwälte ermitteln

In Rostock arbeiten sich seit Mitte März dieses Jahres zwei Staatsanwälte durch sämtliche Buchhaltungsunterlagen von German Pellets. Jeder Zahlungsfluss müsse kontrolliert werden, ein Ende der Ermittlungen sei vorerst nicht abzusehen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock, Harald Nowack. Bei einer Insolvenz in dieser Größenordnung sei es schwierig.

Gegen Peter H. Leibold und andere leitende Mitarbeiter seien 30 Anzeigen von Kapitalanlegern wegen Betruges eingegangen. Ein Zulieferer habe Anzeige erstattet wegen Insolvenzverschleppung und Betruges. Ermittelt werde zudem wegen Veruntreuung und Unterschlagung. Sollte Leibold Insolvenzverschleppung nachgewiesen werden, haftet er mit seinem Vermögen. Etwa 17000 Anleger hatten bei der Pleite 280 Millionen Euro verloren.

Nicole Buchmann

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