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Nach Krise: Biopark-Bauern wollen neu durchstarten

Dalwitz Nach Krise: Biopark-Bauern wollen neu durchstarten

Fest zum 25-jährigen Jubiläum auf Gut Dalwitz / Stellenwert der Marke soll steigen

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Jens Rasim (49), der auf dem Öko-Gut Gallin bei Hagenow 400 Rinder und 150 Schweine hält, ist Vorstands-Vize im Biopark-Verband.

Quelle: Elke Ehlers

Dalwitz. Wer ein Jubiläum feiert, spricht gern über Positives. „Das tun wir auch, aber nicht nur“, sagt Carsten Niemann, der seit ein paar Wochen an der Spitze des Biopark-Verbandes steht. Der Verein, dem bundesweit rund 600 Öko-Betriebe angehören, begeht morgen auf Gut Dalwitz (Landkreis Rostock) sein 25-jähriges Bestehen.

Doch Biopark hat zwei schwierige Jahre hinter sich. Außerplanmäßig wählten die Mitglieder im April einen neuen Vorstand, obwohl die Amtszeit des alten eigentlich bis 2017 lief. „Der Vorstand war tief gespalten, das schadete dem Verband“, sagt Niemann, der in Ritzleben (Sachsen-Anhalt) einen 400-Hektar-Hof betreibt. „Bundesweit boomt der Biobereich, aber wir verlieren Mitglieder und Fläche – ein Unding.“ Dem 56-Jährigen ist der Ärger anzumerken.

Während Verbände wie Bioland und Naturland kräftig zulegten und ihre Flächen auf 300000 bzw. 150000 Hektar (ha) ausdehnen konnten, ging bei Biopark die Anbaufläche von 142000 ha (2013) auf 103000 ha zurück. Auch Jens Rasim, neuer Vorstands-Vize, nimmt kein Blatt vor den Mund. „Natürlich haben uns die Negativ-Schlagzeilen um den Eier-Vermarkter Fürstenhof und die beiden Schweine-Betrüger geschadet.“

Bei Bio-Hühnerfarmen hatten Kontrolleure 2014 Unregelmäßigkeiten im Auslauf der Tiere festgestellt. Gegen zwei Höfe bei Ueckermünde und Lübtheen, die konventionelles Borstenvieh als Bio-Ware vermarkteten, ermittelt seit 2015 die Staatsanwaltschaft.

Doch der Verband hat auch viel Positives zu berichten. Eine erfolgreiche Umsatzentwicklung der Biopark Markt GmbH zum Beispiel, die in Malchin (Mecklenburgische Seenplatte) für viele Mitglieder den überregionalen Vertrieb der Bioprodukte organisiert. Bei Bio-Rindfleisch wachse der Umsatz zweistellig, berichtet Geschäftsführer Torsten Hein. Im Jubiläumsjahr kann er sogar mit einer Neuheit aufwarten: „Wir bringen Bio-Zwiebeln auf den Markt.“ Drei Millionen ÖkoZwiebeln seien in der Region gesteckt worden. Hein: „Wir hoffen auf eine gute erste Ernte.“

Pluspunkte bei Naturschützern sammeln Biopark-Bauern insbesondere mit ihrem Projekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“, das sie 2015 mit der Handelskette Edeka und der Umweltstiftung WWF ins Leben riefen. Die Landwirte nehmen auf ihren Flächen Rücksicht auf seltene Tier- und Pflanzenarten. Edeka honoriert ihnen dieses Engagement mit höheren Aufkaufpreisen für Rind- und Schweinefleisch. Auch Landes-Agrarminister Till Backhaus (SPD), dessen Ministerium für das Vorhaben die Anschubfinanzierung übernahm, ist stolz auf das Projekt. MV sei damit „bundesweit Vorreiter, andere Bundesländer wollen da von uns lernen“. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der beteiligten Biopark-Höfe von 40 auf 52. Einer der ersten Demonstrationsbetriebe ist Gut Dalwitz, dessen Chef Heinrich Graf von Bassewitz die deutschen Biobauern auch auf europäischer Ebene vertritt.

Vorreiter waren Mecklenburger Biopark-Bauern auch bei der Gründung gentechnikfreier Regionen. „Gentechnik gehört nicht auf die Teller der Verbraucher“, bekräftigte Bassewitz erst kürzlich bei einem Treffen von Vertretern dieser Regionen in Dalwitz. 2003 waren Bassewitz und sein Nachbar Gottfried Marth in Walkendorf im Bereich Warbel-Recknitz Mitbegründer der ersten genrechnikfreien Zone Deutschlands. Bassewitz ist übrigens auch Mitglied im neuen Biopark-Vorstand.

Die neue Führungsriege schaut nach vorn: Die Marke Biopark solle wieder „den Stellenwert erhalten, den sie verdient“, meint Vorstandschef Carsten Niemann. Schwammige Formulierungen in den Richtlinien seien dazu präzisiert worden. Den zwei Schweinebetrieben bei Ueckermünde und Lübtheen, die falsche Bioware auf den Markt brachten, wurde das Zertifikat entzogen. Auch gegenüber der Fürstenhof-Erzeugergemeinschaft bezieht der Vorstand eine klare Position: „Wir möchten mit Fürstenhof weiter zusammenarbeiten, aber der Verbund muss sich an unsere Richtlinien halten“, sagt Vorstands-Vize Rasim. Was zum Beispiel bedeutet: Bei Stallneubauten maximal 6000 Hühner unter einem Dach, mehr Hühnerfutter aus deutschem Anbau, weniger Billig-Bio aus Osteuropa. „Es gibt auf dem deutschen Markt genug Biofutter“, ist Rasim überzeugt, der auf Gut Gallin (Ludwigslust-Parchim) auch selbst Öko-Getreide anbaut.

Ohne Gentechnik und Glyphosat

25 Jahre besteht der Öko-Verband Biopark mit Sitz in Güstrow. Der Verband hat bundesweit rund 600 Mitglieder, die meisten in MV und Brandenburg. Biopark ist eine geschützte Marke, die Öko-Lebensmittel kennzeichnet. Das Label entspricht international gültigen Zertifizierungskriterien im ökologischen Landbau. Biopark heißt: keine Gentechnik, kein Glyphosat, Verzicht auf synthetischen Stickstoffdünger, mehr Platz für Tiere, Freilandhaltung.

Neben 103000 Hektar Acker und Grünland bewirtschaften Biopark-Bauern große Tierbestände: 30000 Mutterkühe, 5000 Milchkühe, 10000 Mutterschafe, 500000 Legehennen.

Elke Ehlers

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