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Nach Unfall im Windpark: Alle Räder stehen still

Süderholz/Greifswald Nach Unfall im Windpark: Alle Räder stehen still

Die Windmühlen bei Rakow dürfen vorerst nicht mehr laufen. Eine Klage des Betreibers wurde abgewiesen.

Süderholz/Greifswald. Alle Räder stehen still. Obwohl es ganz ordentlich weht – im Windpark bei Rakow (Vorpommern-Rügen). Anfang Dezember war hier ein Windrad umgestürzt (die OZ berichtete). Jetzt dreht sich kein einziges mehr. Grund: die amtliche Verfügung des Staatlichen Umweltamtes in Stralsund. Es hatte die Abschaltung Ende Januar aus Sicherheitsgründen gefordert, erklärt Christian Herz, Geschäftsführer der Betreiberfirma Ökofair Energie GmbH mit Sitz in Mettmann (Nordrhein-Westfalen).

Das Verwaltungsgericht Greifswald hat jetzt eine Klage der Firma auf einstweiligen Rechtsschutz, mit der ein Aufschub erreicht werden sollte, zurückgewiesen, wie ein Sprecher gestern sagte. Grund:

Das Amt sehe „Gefahr für Leib und Leben“. Gegen diese Entscheidung kann der Betreiber innerhalb von zwei Wochen Rechtsmittel einlegen, so dass das Oberverwaltungsgericht sich damit befassen müsste.

Man prüfe diesen Schritt gerade, erklärt Christian Herz. Das Amt will die 20 Windräder erst dann wieder ans Netz lassen, wenn Gutachter nachgewiesen haben, dass die Anlagen sicher stehen.

Hintergrund: In dem 16 Jahre alten Windpark bei Rakow/Grischow war Mitte Dezember ein 70 Meter hohes Windrad in 25 Metern Höhe abgebrochen. Tonnenschwere Maschinenteile stürzten auf ein Feld.

Verletzt wurde niemand. Warum der Turm abbrach, ist noch nicht endgültig geklärt, erklärt Herz. Die 80 Bolzen, mit denen das erste und zweite Segment des Turms miteinander verschraubt waren, seien jedenfalls nicht gerissen. Im Prinzip sähen die Bolzen „fast wie neu aus“, betont Betreiber Herz.

Die Folge: „Wir müssen weiter nach der Ursache suchen.“ Problem: Die Platine, auf der wichtige Betriebsdaten, wie Umdrehungen und Stellung der Flügel, aufgezeichnet werden, ist nicht mehr auslesbar.

Herz: „Tonnenschwere Bauteile sind darauf gestürzt.“

Durch die Stilllegung entstehe dem Betreiber ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro im Monat, erklärt Herz. Da der Windpark aus vier verschiedenen Masttypen besteht, sei die Abschaltung des ganzen Parks nicht verständlich. Die Firma hatte die Leistung der Windräder zuvor aus Sicherheitsgründen um 50 Prozent reduziert. Den Vorwurf des Umweltamtes, die Windparkbetreiber würden ihren Profit über den Schutz des Lebens stellen, weist Herz empört zurück: „Das hat mit einem objektiven Behördenvorgehen nichts zu tun.“ Man habe selbst Mitarbeiter, die an den Anlagen arbeiten, und sorge für deren Sicherheit.

Das Verwaltungsgericht hatte in dem Rechtsschutzverfahren auch zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen der Windpark wieder ans Netz dürfe. Das Umweltamt wollte dies nur erlauben, wenn es schriftlich zugestimmt habe. Dem habe das Gericht nicht zugestimmt, so der Gerichtssprecher.

Derweil betont Geschäftsführer Herz, dass man die Anlagen auch für weitere Untersuchungen zur Ermittlung der Unfallursache betreiben müsse. Zudem sei unklar, welche Schäden auftreten, wenn Windräder längere Zeit außer Betrieb blieben.

Winfried Wagner und Thomas Luczak

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