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Wirtschaft Nach Zukunftspreis: Prolupin plant Eigenmarke mit Pflanzeneiweiß
Nachrichten Wirtschaft Nach Zukunftspreis: Prolupin plant Eigenmarke mit Pflanzeneiweiß
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00:21 10.01.2015
Herstellung von Lupinen-Eiweiß in Grimmen: Anlagenfahrer Wolfgang Prochnow befüllt die Anlage mit Lupinenflocken. Quelle: Fotos: D. Lilienthal (2), F. Söllner
Grimmen

Mit neuer Geschäftsführung und großen Plänen startet die Prolupin GmbH Grimmen ins neue Geschäftsjahr. Die Firma, die im November von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Deutschen Zukunftspreis für Technik und Innovation geehrt wurde, wird seit 1. Januar von Malte Stampe (48), einem Vertriebs- und Marketingfachmann, geleitet. Der gebürtige Wolfsburger war zuvor unter anderem in Bremen und Leipzig tätig, vorrangig in der Lebensmittelbranche. Interims-Geschäftsführer Oliver Gollnick (46) wird künftig für Geschäftsentwicklung und Vertrieb zuständig sein.

Geschäftsführerin Katrin Petersen, die in Mecklenburg-Vorpommern zu den Wegbereitern der Zukunftstechnologie gehörte, verlässt zum 31. Januar die Firma.

Das neue Führungsteam äußerte sich gestern gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG erstmals zu seinen hochgesteckten Zielen. Innerhalb von drei Monaten will das Unternehmen mit „komplett neuem, innovativem Markenkonzept“ starten — beflügelt von der großen Aufmerksamkeit, die dem vorpommerschen Hersteller von Eiweiß aus der Blauen Süßlupine nach der Preisverleihung zuteil wird. „Die Marke soll national und international tragfähig sein“, sagt Stampe. Am neuen Markennamen werde noch getüftelt. Er solle innovativ sein und ausdrücken, dass „pflanzlich gut schmeckt und mit Liebe gemacht ist“. Den Schwerpunkt sollen künftig Molkereiprodukte auf pflanzlicher Basis bilden. Etwa 15 Erzeugnisse sollen entwickelt werden, von denen die Ersten bereits zu Beginn des zweiten Quartals 2015 in den Handel kommen.

„Der Preis öffnet Türen. Wir sind überzeugt, dass wir Partner finden, die unsere Strategie mittragen“, unterstreicht Vertriebschef Gollnick. Dazu soll das Grimmener Werk, das 13 Mitarbeiter beschäftigt, ausgebaut werden. 2013 war die Firma von Neubrandenburg nach Grimmen gezogen, um sich vergrößern zu können. In Grimmen sollen pro Jahr 500 Tonnen Lupineneiweiß als Rohstoff für andere Produkte hergestellt werden. Bisher waren es 50 bis 100 Tonnen pro Jahr. Unter dem Namen „Lupinesse“ produziert Prolupin seit 2011 bereits Eis auf Lupinenbasis. „Es ist schön cremig und hat einen natürlichen, unverfälschten Geschmack“, sagt Stampe. Allerdings: „Von Eis allein kann die Firma nicht überleben.“ Auch mehrere Wurstsorten, bei denen tierisches Eiweiß und Fett durch Lupine ersetzt werden, waren zur Produktreife geführt worden. Die Markteinführung gelang bisher jedoch nicht.

Zehn Agrarbetriebe in MV bauen für Prolupin den heimischen Eiweißspender an, dem gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt werden: Er soll den Blutdruck regulieren und den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen. Auch als Futterpflanze soll das „Soja des Nordens“ künftig wieder häufiger auf den Feldern zu finden sein soll.

Das Schweriner Agrarministerium fördert den Lupinenanbau über Netzwerk-Projekte — wie vor mehr als zehn Jahren einst das Blaue-Lupine-Projekt des Biocon-Valley-Verbundes im Agrobiotechnikum in Groß

Lüsewitz bei Rostock. Projektleiterin war damals Katrin Petersen, die bei Prolupin nun aufhört. Zu ihrem Ausscheiden will sie sich öffentlich nicht äußern. Sie verlasse die Firma „auf eigenen Wunsch“, sagt ihr Nachfolger.

Geehrt mit dem Deutschen Zukunftspreis
2009 entstand die Prolupin GmbH als Ausgründung des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising (Bayern). Das Unternehmen produziert Eiweiß
aus der Blauen Süßlupine (Lupinus angustifolius) nach einem patentierten Verfahren, das die Freisinger Forscher entwickelten. Prolupin liefert pflanzliches Eiweiß als Rohstoff für Nahrungsmittel.

Seit 2000 arbeiten Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts mit Lebensmitteltechnologen in MV zusammen. Zunächst wurden Eis- und Wurstsorten auf Lupinenbasis getestet, jetzt liegt der Fokus auf Milchprodukten.



2014 erhielten Prolupin und die Fraunhofer-Forscher für das innovative Verfahren den Deutschen Zukunftspreis.



Elke Ehlers

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