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Nachrichten Wirtschaft Nach sieben Wochen Sperre: Rheintalbahn wieder frei
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00:00 30.09.2017
Letzte Arbeiten auf der Baustelle des Bahntunnels Rastatt in Baden-Württemberg: Hier hatten sich Bahngleise abgesenkt. Quelle: Foto: Uli Deck/dpa

. Lärm sind die Anwohner gewohnt. Nur wenige Meter von ihren Häusern entfernt rattern hier in Rastatt-Niederbühl an der Ringstraße Tag und Nacht die Züge vorbei. Normalerweise. In den letzten sieben Wochen nicht. Eine Havarie an der benachbarten Tunnelbaustelle hat zum Stillstand an einer der wichtigsten Nord-Süd-Bahntrassen Europas geführt. Ruhig ist es dennoch nicht. Um die Strecke wieder flottzukriegen, ließ die Bahn rund um die Uhr arbeiten. Ab Montag soll die Rheintalbahn zwischen Rastatt und Baden-Baden wieder in Betrieb gehen. Die Erleichterung ist groß – der Schaden auch.

Zwei Jahre Verspätung

Die Tunnel-Havarie an der Rheintalbahn verzögert das Projekt bis 2024. Die bisherige Planung sieht vor, dass Züge ab 2022 durch den neuen Tunnel fahren können. Die Strecke zwischen Karlsruhe und Basel ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Europas.

Seit dem 12. August ist die hoch frequentierte Route lahmgelegt. Beim Bau eines Tunnels für das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz hatte sich ein Betonsegment in der Tunnelröhre verschoben, die knapp fünf Meter unter den Gleisen der Rheintalbahn durchführt. Wasser und Erdreich drangen ein, die Gleise senkten sich ab. Und das auf einer Strecke, die Tag für Tag sonst etwa 120 Personenzüge passieren sowie bis zu 200 Güterzüge. Bahnen mussten umgeleitet werden, etliche fielen aus. Der Güterverkehr staute sich zwischen Rotterdam und Genua. Reisende und Pendler – täglich an die 30 000 – mussten in Busse umsteigen. Sie waren damit etwa eine Stunde länger unterwegs. „Besonders negativ war und ist die Tatsache, dass es keinen ,Plan B’ für den Fall einer baubedingten Streckensperrung gab“, sagt Peter Westenberger, Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE), das vor allem die Güterbahn-Konkurrenten der Deutschen Bahn vertritt. Zwar lief der Güterverkehr nach einem totalen Stopp langsam wieder über Umleitungen wie die Gäubahn Stuttgart-Singen, den Brenner, Ulm-Friedrichshafen oder über Frankreich an. Aber nicht alle Ausweichrouten waren geeignet.

Allein die Eisenbahnverkehrsunternehmen rechnen mit Schäden „um die 100 Millionen Euro“. Inklusive der Schäden an der Infrastruktur und volkswirtschaftlichen Folgen schließt Westenberger „Gesamtkosten bis in Milliardenhöhe“ nicht aus. Mehr als zwei Dutzend deutsche und europäische Organisationen haben bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mehrfach Nothilfe angemahnt.

Sie bekamen keine Antwort. „Als wäre das Ministerium vom Erdboden verschluckt worden“, sagt Westenberger.

Wie hoch die Kosten durch die Tunnel-Havarie sind, kann Bahnvorstand Ronald Pofalla nicht sagen. Auch sei noch nicht entschieden, wie es mit dem Tunnelbau in der beschädigten Röhre weitergeht.

Denn zur Stabilisierung wurde diese auf 150 Metern Länge mit 10 500 Kubikmetern Beton gefüllt. Die Tunnelbohrmaschine wurde einbetoniert. Um langwierige Gerichtsprozesse zu vermeiden, will sich die Bahn mit der Baufirma bei einer Schlichtung verständigen.

Derweil hoffen Anwohner der Havarie-Stelle auf Entschädigung. Ein Rentner spricht von Rissen in der Hauswand, ein Garten ist durch die Baustelle zur Schlamm- und Schotterwüste geworden.

Nächtlicher Baustellenlärm und Erschütterungen haben viele um den Schlaf gebracht.

Susanne Kupke

Neue Partner für die Madsack Mediengruppe: Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) beliefert ab dem 1. Oktober das Redaktionsnetz Westfalen (u.a.

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