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Nächste Pleite für Ex-Minister Günther Krause

Potsdam/Rostock Nächste Pleite für Ex-Minister Günther Krause

Seine Brandenburger Firma schuldet Gläubigern 800000 Euro / Insolvenzverwalter bestellt

Potsdam/Rostock. Der ehemalige Bundesverkehrsminister Günther Krause – einer der Väter des Einheitsvertrags – rutscht in die nächste Pleite. Das Amtsgericht Potsdam hat einen vorläufigen Insolvenzverwalter für Krauses Firma „Information – Beratung – Projektentwicklung GmbH“ (IBP) bestellt, die im Brandenburger Ortsteil Kirchmöser sitzt. Das Verfahren soll in diesen Tagen eröffnet werden, erklärte ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Den Insolvenzantrag hat nicht Krause selbstgestellt, sondern seine Gläubiger. Es geht dabei offenbar um ausstehende Zahlungen an Krankenkassen und das Finanzamt. Die Verbindlichkeiten belaufen sich laut Insolvenzverwalter auf etwa 800000 Euro.

„Jetzt beginnt die Suche nach einem möglichen Investor“, sagte Moritz Sponagel, der als vorläufiger Insolvenzverwalter berufen wurde. Er habe sich inzwischen einen Überblick verschafft, der Geschäftsbetrieb könne zunächst aufrechterhalten werden, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, zu dem auch die OZ gehört. Viele Mitarbeiter gibt es aber nicht in der Firma, die in einer alten Villa residiert. „Die Firma besteht im Wesentlichen aus Günther Krause selbst“, so Sponagel.

Möglicherweise hat die Firmenpleite weitergehende juristische Konsequenzen für Krause. Laut Insolvenzverwalter liegen erste Anhaltspunkte für eine Insolvenzverschleppung vor. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ist allerdings noch nicht aktiv geworden, das Verfahren ist noch ganz frisch.

Krause war gestern nicht zu erreichen. Der 62-Jährige ist gelernter Ingenieur. Vor einigen Jahren war er mit seiner Firma von Rostock nach Brandenburg/Havel gezogen. Mit der Firma IBP hatte er nach eigenen Angaben ein Verfahren erfunden, mit dem aus Hausmüll und Stroh Rohöl hergestellt werden soll. Außerdem wollte er aus alten Autoreifen Carbon gewinnen. Auch im Ausland warb Krause damit, so eröffnete er in Kiew ein Büro.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ex-Minister Krause in eine wirtschaftliche Schieflage gerät. In den 90er Jahren war seine Rostocker „Aufbau Invest GmbH“ zahlungsunfähig geworden – Krause landete wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht. Er musste einen Offenbarungseid leisten, es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, der schließlich vor dem Bundesgerichtshof landete. Der hob 2009 ein Urteil gegen Krause wegen „Bankrottvergehens“ teilweise auf, bestätigte aber eine Bewährungsstrafe.

Krause war 1990 unter DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière Verhandlungsführer beim deutsch-deutschen Einigungsvertrag, handelte auch die Währungsunion mit aus. Von 1991 bis 1993 war er Bundesverkehrsminister. Ihm ist es vor allem zu verdanken, dass die A 20 in Rekordzeit projektiert und gebaut worden ist. Krause sorgte in seiner Amtszeit nämlich für stark verkürzte Planungsverfahren. Er trat im Zusammenhang mit der sogenannten Putzfrauen-Affäre zurück. Seine Frau hatte eine Hausangestellte vom Arbeitsamt unterstützen und er sich einen Umzug erstatten lassen.

Torsten Gellner

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