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Neptun Werft: Neuer Chef baut auf schwimmende Stahlkolosse

Neptun Werft: Neuer Chef baut auf schwimmende Stahlkolosse

Raimon Strunck will Fertigung komplexer Schwimmteile als zweites Standbein etablieren

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Erst kürzlich hat ein in Rostock konstruierter Schiffsrumpf die Schleuse Kiel-Holtenau durchquert. Für den Mutterkonzern Meyer in Papenburg (Niedersachsen) will die Neptun Werft künftig viele solcher Stahlkolosse bauen.

Quelle: Fotos: Frank Söllner/ Neptun-Werft

Rostock Chefwechsel in der Rostocker Neptun Werft: Geschäftsführer Manfred Müller-Fahrenholz verabschiedet sich nach 15 Jahren an der Unternehmensspitze in den Ruhestand. Das Ruder übernimmt Raimon Strunck (50). Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit ihm über Vorhaben und Herausforderungen.

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Raimon Strunck will Fertigung komplexer Schwimmteile als zweites Standbein etablieren

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Herr Strunck, welche Pläne haben Sie für die Neptun Werft?

Raimon Strunck: Flusskreuzfahrtschiffe sind für uns ein wichtiges Segment und werden es weiterhin sein. Aber wir werden uns in den nächsten Jahren noch viel stärker als bisher darauf fokussieren, große Schwimmteile für die Meyer-Werften in Papenburg und Turku (Finnland, Anm.d.R.) zu liefern. Das ist eine Herausforderung, denn dabei handelt es sich um hochkomplexe, schwimmende Maschinenräume.

Sie haben ein Stahlgewicht von je 4500 Tonnen. Dazu kommt die Ausrüstung mit circa 3000 Tonnen. In so einer Sektion stecken allein schon bis zu 9000 Rohre. Da muss qualitativ und terminlich alles passen, so dass die Meyer Werft die Schwimmteile direkt in ihren eigenen Bau integrieren kann.

Wie wirkt sich der Sektionsbau auf die Auftragslage aus?

Mit den aktuellen Projekten haben wir eine Vollauslastung bis Ende 2019.

Welche Projekte setzt die Werft aktuell und in naher Zukunft um?

Wir arbeiten gerade an zwei Flusskreuzfahrtschiffen für Viking River Cruises. Sie werden Mitte des Jahres fertig. Ab Herbst bauen wir den Gastanker für die niederländische Reederei Anthony Veder. Den werden wir 2017 liefern. Danach bauen wir eine Doppelendfähre für die Wyker Dampfschiffs-Reederei. Sie soll Anfang 2018 fertig sein.

49 Schiffe hat die Neptun Werft schon für Viking gebaut.

Ja, Viking hat in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum hingelegt. So wird es nicht weitergehen. In der Größenordnung wie bisher werden wir für die Reederei nicht weiterbauen. Wir schauen trotzdem positiv in die Zukunft mit unserem Kunden Viking, arbeiten aber auch an anderen Projekten im Flusskreuzfahrtbereich.

Was bedeutet das für Ihre 525 Mitarbeiter?

Ihre Jobs sind sicher und sie haben auf der Neptun Werft langfristig Perspektive. Neueinstellungen planen wir zur Zeit nicht, wir wollen aber noch produktiver werden.

Wie soll das gelingen?

Wir investieren in unsere Mitarbeiter und Anlagen. Zum Beispiel erweitern wir dieses Jahr die große Schiffbauhalle und planen einen Anbau für die Verwaltung. Wir haben zudem ein Werftentwicklungsprogramm gestartet.

Welche Zukunft sehen Sie für die deutsche Werftlandschaft?

Wir werden uns auf hochwertige Schiffe und Nischenprodukte fokussieren müssen. Nur dann haben wir gute Chancen, wettbewerbsfähig zu sein. Gerade in Hinblick auf die Konkurrenz aus Asien. Die plant, bis cirka Mitte 2025 in den Kreuzfahrtschiffbau einzusteigen. Das wird die Situation für uns deutlich verändern. Wir sind gefordert, den Kunden einen Mehrwert zu bieten. Für uns in Deutschland gilt:

Wir müssen so viel besser sein, wie wir teurer sind. Auch in der Forschung und Entwicklung müssen wir uns stetig weiterentwickeln. Insgesamt sehen wir uns gut aufgestellt, dürfen uns aber nicht zurücklehnen.

Apropos zurücklehnen: Sind Sie eigentlich schon in Ihrer neuen Heimat Rostock angekommen?

So halb, und ab Sommer ganz. Ich bin gerade auf Wohnungssuche. Meine Frau und die Kinder wohnen noch in Flensburg. Deshalb pendle ich vorübergehend. Meine beiden Söhne machen gerade Abi, die wollte ich nicht im letzten Jahr aus der Schule zerren. Sobald sie den Abschluss haben, ziehen meine Frau und meine Tochter zu mir nach Rostock.

Raimon Strunck

Der gebürtige Dortmunder studierte Maschinenbau und begann seine Karriere als Ingenieur bei der Preussag AG (heute Tui). Für deren Tochterfirmen arbeitete er in Oman und Frankreich. Mitte der 90er wechselte er zur Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH in Kiel (heute ThyssenKrupp Marine Systems), war auch in Portugal tätig. Zuletzt arbeitete er für die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft in der Vertriebsleitung. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Von Antje Bernstein

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