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00:05 12.01.2017
Jarmo Laakso, Geschäftsführer MV Werften. Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Lockruf des neuen Sterns am Wirtschaftshimmel des Landes: Die MV Werften mit ihren Standorten in Wismar, Warnemünde und Stralsund suchen händeringend Zulieferer und Fachkräfte für den Bau von Kreuzfahrtschiffen. 2017 werde das strategisch entscheidende Jahr für das Unternehmen, sagt Geschäftsführer Jarmo Laakso. Hunderte neue Mitarbeiter sollen eingestellt, zwei Flusskreuzfahrtschiffe gebaut – und Verträge geschlossen werden. Bis zu 200 Millionen Euro sollen künftig pro Schiff bei anderen Firmen in MV bleiben. In vielen Segmenten fehle es aber an Potenzial.

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Werften-Chef Laakso: Aufgabe fürs ganze Land / Gründerzuschuss möglich

Wenn er jung wäre, „würde ich eine Balkon-Firma in MV gründen“, erklärt Laakso schmunzelnd vor Vertretern der Unternehmensverbände MV (VUMV) und Landtagsmitgliedern in Schwerin. Denn Balkone werde es viele brauchen, wenn die MV Werften ab 2020 gigantische Kreuzliner der „Global Class“-Serie mit 342 Metern Länge bauen. „Sechs Kilometer Balkone jedes Jahr“, sagt Laakso. Diese sollten möglichst aus dem Land kommen, derzeit seien Finnen und Italiener darauf spezialisiert. „Ich will jemanden haben, der das liefert“, so Laakso. Das Beispiel solle verdeutlichen, wie die Werften auf Hilfe aus Politik und Wirtschaft angewiesen sind, das Schiffbauprogramm sei „eine Herausforderung für die gesamte Region“.

Vor knapp einem Jahr kaufte der Konzern Genting aus Malaysia die drei angeschlagenen Werften auf und brachte die Aufträge für den Kreuzfahrtmarkt in Asien gleich mit. Innerhalb von zehn Jahren sollen 23 Schiffe gebaut werden. 2017 und 2018 vier Flusskreuzer (135 Meter lang), 2019 bis 2021 drei Endeavor-Yachten für Arktis-Reisen (161 Meter), 2020/21 zwei der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, Global Class, für jeweils 12000 Passagiere. Ziel sei es, einmal zwei dieser Pötte pro Jahr in Wismar, Stralsund und Warnemünde zu fertigen. Dazu würden 160 Millionen Euro investiert, der Personalbestand von 1500 auf 3100 aufgestockt. 2100 Bewerbungen lägen bereits vor. Laakso macht kein Hehl daraus, dass er Experten von Mitbewerbern „sofort“ nehme.

600 Lieferanten brauchen die MV Werften, denn rund 70 Prozent des Schiffbaus müssten extern erfolgen. Ziel sei, dass davon ein Viertel in MV bleibt. Und hier liege das Problem, erklärt Laakso den Firmenschefs der Unternehmensverbände MV und reicht die Telefonnummer seines Einkäufers gleich mit. „Wir brauchen 7000 Kabinen pro Jahr.“ Es gebe viel Arbeit – in vielen Bereichen.

Zulieferer in MV seien startklar, erklärt Antje Abert vom Zulieferer- Netzwerk Maza, das gut 30 Firmen vertritt. Noch gebe es aber für Schiffskabinen der MV Werften keine Anfrage. Ob das reicht?

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) verweist auf Zuschüsse für Gründer und Qualifizierung von Fachkräften (siehe Interview). Eine Forderung weist er jedoch zurück: Die Abwerbung von Mitarbeitern werde die Politik nicht unterstützen, da dies anderen Firmen schade. Seine Botschaft: „Wer qualifizierte Fachkräfte haben will, muss sie auch gut bezahlen.“

Thomas Lambusch, Präsident des UVMV, fordert mehr Akzeptanz für Sorgen von Unternehmen. Er legt der Politik fünf gute Vorsätze nahe: mehr Wertschöpfung, mehr Wertschätzung, bessere Bildung, besseres Image und vor allem weniger Bürokratie.

Wirtschaftsminister hilft mit Geld

In welcher Weise unterstützt das Land die MV Werften bei Qualifizierung und Gewinnung von Fachkräften?

Harry Glawe: Es wird ein neues Programm für Qualifizierung aufgelegt. Ein Schwerpunkt bildet die berufsbegleitende Qualifizierung von Mitarbeitern der maritimen Industrie und ihrer Zulieferer.

Außerdem fördert das Land die Einstellung von Personal mit Hochschulabschluss in maritimen Zulieferunternehmen mit einer bis zu zweijährigen Anschubfinanzierung.

Wie wäre Hilfe zum Ausbau eines Zulieferer-Netzwerks möglich? Wäre etwa eine Gründeroffensive denkbar?

Bei der IHK zu Rostock wird mit Unterstützung des Landes eine Geschäftsstelle des alle fünf Küstenbundesländer umfassenden Netzwerkes „Maritimes Cluster Norddeutschland e.V.“ eingerichtet.

Ziel ist es, die bestehenden Kompetenzen und Kapazitäten im Bereich der Schiffbauzulieferer auch für

Kooperationen zu nutzen. Darüber hinaus fördert mein Haus die Neuansiedlung von Zuliefern in MV

mit Investitionszuschüssen, Darlehen und Bürgschaften. Auch Gründer werden vielfältig im Land unterstützt. An dieser Stelle seien nur das Gründerstipendium und die Unterstützung innovativer Firmen durch Risikokaptial genannt.

Unter Unternehmern gibt es die Forderung nach einer Umstellung der Wirtschaftsförderung im Land: hin zur Freisetzung von Mitarbeitern, die dann für die Werften einsetzbar wären. Wie beurteilen Sie dies?

Die Mittel der Wirtschaftsförderung werden zielgerichtet für Maßnahmen der Qualifizierung und Neueinstellung eingesetzt. Die gegenseitige Abwerbung von Mitarbeitern aus Betrieben ist damit nicht bezweckt. Das würde die Frage des Fachkräftebedarfs auch nicht lösen.

Frank Pubantz

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