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Wirtschaft Neue Korvetten: Werften buhlen um Milliarden-Auftrag
Nachrichten Wirtschaft Neue Korvetten: Werften buhlen um Milliarden-Auftrag
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00:01 12.11.2016
Die Korvette „Braunschweig“ der Deutschen Marine vor dem Stützpunkt Warnemünde-Hohe Düne. Quelle: Norbert Fellechner

Gute Nachrichten für den Schiffbau: Der Bund investiert 1,5 Milliarden Euro für den Bau von fünf neuen Korvetten vom Typ K130 („Braunschweig“-Klasse) für die Marine. Donnerstagnacht gab der Haushaltsausschuss grünes Licht und nahm das Vorhaben in seinen Finanzplan auf. „Auf allen Werften herrscht großes Interesse an diesem Auftrag“, sagt Heiko Messerschmidt, Schiffbauexperte bei der IG Metall Küste.

Heiko Messerschmidt, IG Metall Küste. Quelle: OZ

Eckhardt Rehberg (CDU), Bundestagsabgeordneter aus Rostock und Mitglied des Haushaltsausschusses, hält es für realistisch, dass die Lürssen-Werft in Wolgast ein Stück vom großen Kuchen abbekommen könnte. „Die Werft hat sich im Marineschiffbau einen guten Namen gemacht“, sagt der Politiker, der sich für die Bewilligung der neuen Korvetten einsetzte.

Die Bremer Lürssen-Gruppe gehörte wie Blohm & Voss aus Hamburg zu dem Konsortium, das die ersten fünf Korvetten baute. Inzwischen hat Lürssen die Hamburger geschluckt. Für Wolgast wären die Kriegsschiffe ein willkommener Anschlussauftrag, nachdem die Küstenschutzboote für Saudi-Arabien voraussichtlich 2019 ausgeliefert sind. Die Fertigstellung der Korvetten ist nach jetzigem Stand von 2020 bis 2023 vorgesehen. Lürssen wäre bereit: „Zur Umsetzung dieses Projektes stehen wir mit unserem Know-how und unseren Erfahrungen gerne zur Verfügung“, sagt Sprecher Oliver Grün.

Auch die Kieler Gruppe German Naval Yards (GNY) bekundete Interesse. GNY-Chefin Susanne Wiegand drängt auf Transparenz bei der Vergabe. Ihr Unternehmen könne „ein nicht nur in Nuancen überarbeitetes 20 Jahre altes Modell, sondern ein aktuelles, modernes Schiff ausliefern“, sagte sie der „Welt“. Das Unternehmen baut derzeit vier Korvetten – eine verbesserte K130-Version – für Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) im Auftrag der israelischen Marine. TKMS hatte die „Braunschweig“-Korvette mitentwickelt. Wegen vieler Mängel haftete ihnen lange der Ruf eines Pannenschiffes an. Die Kinderkrankheiten wurden mittlerweile abgestellt.

Die Aufträge sollen ohne Ausschreibung vergeben werden, weil es sich um ein „zweites Los“ der ersten fünf Korvetten handelt, die 2008 bis 2013 in Rostock-Hohe Düne in Dienst gestellt wurden. Die IG Metall unterstützt den Ausschreibungs-Verzicht. Begründung: Könnten Werften europaweit mitbieten, wären Unternehmen aus Italien und Frankreich im Vorteil, so Messerschmidt, weil sie massiv vom Staat gestützt werden. Fairer Wettbewerb wäre das nicht.

Bei der Opposition im Bundestag stößt der geplante Ausschreibungsverzicht auf Kritik, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) missachte ihre eigenen Prinzipien.

Rehberg und dem Hamburger Haushaltspolitiker Johannes Kahrs (SPD) wird vorgeworfen, ihr Einsatz für die Korvetten solle vor allem ihren Wahlkreisen Rostock und Hamburg helfen, tatsächlich bestehe kein Bedarf für die Schiffe. Das weist Rehberg zurück: „Es gibt die klare Aussage der Verteidigungsministerin, dass die Schiffe gebraucht werden.“ Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigt das: Die Zahl der Einsätze steige immer mehr an. Laut einem internen Papier, aus dem Agentur „Reuter“ gestern zitierte, braucht die Marine eine Flotte von zehn Korvetten, um vier davon ständig im Einsatz zu halten – wie es die Nato verlange.

Das Rostocker Korvettengeschwader würde sich mit den neuen Schiffen verdoppeln, Rehberg rechnet mit gut 500 zusätzlichen Dienstposten. In den Kommentarspalten des Verteidigungsblogs „augengeradeaus.net“ fragen sich viele Schreiber, wo die vielen neuen Marine-Seeleute denn herkommen sollen. „Die Marine hat drastischen Schiffs- und Personalmangel“ heißt es dort. Man werde alles Nötige tun, sagt dazu der Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Maritimes Zentrum entsteht in Hamburg

9 Millionen Euro bewilligte der Haushaltsausschuss für ein Deutsches Maritimes Zentrum. Die Einrichtung entsteht in Hamburg und soll Kompetenzen von Industrie und Forschung bündeln. Das Pilotprojekt ist vorerst auf drei Jahre angelegt. Die IG Metall und der Schiffbauverband VSM hatten ein solches Zentrum gefordert. Es soll Wissen und neue Entwicklungen der Schiffbranche sammeln. Als großes Vorbild dient das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

OZ

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