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Neue Nord-Stream-Pipeline: MV wird Erdgas-Drehkreuz

Lubmin Neue Nord-Stream-Pipeline: MV wird Erdgas-Drehkreuz

Gazprom-Tochter rechnet fest mit Genehmigung der deutsch-russischen Erdgasröhre / Auch die Verbindungsröhre Opal bekommt einen Zwilling / Projekt politisch umstritten

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Lubmin. Mit der neuen Pipeline Nord Stream 2 könnte Mecklenburg-Vorpommern zum Drehkreuz des europäischen Erdgasmarkts werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Auswärtigen Amtes. Kritiker warnen dagegen vor einer Investionsruine, die auch deutsche Steuerzahler belasten könnte.

Der russische Staatskonzern Gazprom will ab 2019 die zweite Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 in Betrieb nehmen – parallel zur bereits vorhandenen Doppelröhre Nord Stream, durch die seit 2011 russisches Erdgas nach Lubmin bei Greifswald strömt. Die zweite Pipeline würde die jährliche Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter auf einen Schlag verdoppeln.

„In Lubmin werden dann gigantische Mengen an Erdgas anlanden, die zum Teil bis nach Italien weitergeleitet werden“, sagt Harald Hecking, Geschäftsführer des Kölner Forschungsinstituts EWI Energy Research, der die Studie für das Außenministerium zusammen mit dem Londoner King’s College verfasst hat. Um das Gas weiterzuleiten, wird die vorhandene Südanbindungsröhre Opal ebenfalls erweitert – die Verteilerpipeline, die von Lubmin über die brandenburgische Uckermark bis nach Sachsen zur tschechischen Grenze führt, bekommt mit der Europäischen Gas-Anbindungsleitung, kurz Eugal, ebenfalls einen Zwilling. Gebaut wird die 485 Kilometer lange Leitung von der Firma Gascade, an der neben BASF Gazprom beteiligt ist. Für Anwohner gibt es Informationsveranstaltungen, am 14. November in Lubmin und am 15. November in Anklam.

Den Bau der mit 1224 Kilometern zweieinhalb Mal so langen Nord Stream 2 müssen insgesamt fünf Länder genehmigen. Neben Deutschland und Russland, wo die Röhren anlanden, verläuft sie streckenweise in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen der Ostsee der Länder Dänemark, Schweden und Finnland. Nord Stream geht von acht Milliarden Euro Baukosten aus, die Schweriner Landesregierung unterstützt das Projekt. In MV ist das Stralsunder Bergamt für die Genehmigung zuständig. „Wir rechnen nicht mit Problemen“, sagt Nord-Stream-Sprecher Jens Müller. „Wird sind uns aber bewusst, dass „wir Gegenstand politischer Debatten sind“. Politisch tobt in der EU ein regelrechter Streit um Nord Stream 2, die vor allem von Polen und den baltischen Staaten abgelehnt wird.

„Wer beim fossilen Energieträger Erdgas eine große Rolle spielen will, hat den Schuss nicht gehört“, kritisiert EU-Abgeordneter Reinhard Bütikofer (Grüne). Es gebe überhaupt keinen Bedarf für mehr Erdgas, die Pipeline sei eine künftige Investionsruine. „Und die gibt es nicht umsonst“, meint Bütikofer. Auch deutsches Steuergeld werde mitverbaut, für Anlande- und Verdichterstationen.

„Der Bau ist gut, weil dadurch Jobs in MV enstehen“, sagt der Zingster EU-Abgeordnete Werner Kuhn . Allerdings müsse man aufpassen, sich nicht von russischem Erdgas abhängig zu machen. Diese Gefahr sei „sehr gering“, argumentiert Energieforscher Hecking. Es gebe genügend Alternativen. Würde russisches Gas eines Tages zu teuer, ließe sich Deutschland auch über LNG-Häfen in den Nachbarländern versorgen.

Gerald Kleine Wördemann

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