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Neue Scandlines-Fähre: Getauft, aber noch immer nicht in Fahrt

Rostock Neue Scandlines-Fähre: Getauft, aber noch immer nicht in Fahrt

Die „Berlin“ trägt jetzt offiziell ihren Namen / Bis sie in den Pendelverkehr zwischen Rostock und dem dänischen Gedser einsteigt, dauert es vermutlich einige Wochen

Rostock. Wie wird aus dem Projekt „H502“ offiziell die „Berlin“? Mit einer Champagnerflasche. Die zerschellte gestern Mittag auf der neuen Scandlines-Fähre. Nicht wie üblich an der Außenwand des Rumpfes, sondern an einem Pfeiler auf Deck 5. „Das machen die Dänen so“, tuschelten einige der 150 Gäste. Doch den Ausschlag gab wohl mehr, dass Regen angesagt war. Aber der kam nicht. So konnte Ines Rehberg, Ehefrau des CDU-Schifffahrtsexperten Eckhardt Rehberg, bei herrlichem Sonnenschein das Projekt „H502“ in die „Berlin“ verwandeln.

Scandlines-Chef Poulsgaard Jensen zeigte sich nach der Zeremonie „erleichtert und euphorisch“, dass ein langersehnter Meilenstein erreicht wurde. Denn eigentlich sollte die 169 Meter lange Fähre schon seit vier Jahren zwischen Rostock und Gedser pendeln. Doch Bauprobleme verzögerten die Indienststellung immer wieder aufs Neue. Auch jetzt kann das Schiff noch nicht in den Fahrplan integriert werden. „Es fehlen einige Stempel und Zertifikate von den Ämtern“, erklärte Jensen. Doch so bald wie möglich solle die „Berlin“ Deutschland und Dänemark verbinden. Vermutlich werden bis dahin noch einige Wochen vergehen. Auf der Brücke steht dann Hartmut Adam aus Neubukow (Landkreis Rostock). Der 51-Jährige ist erster Kapitän der „Berlin“ und Chef einer komplett deutschen Crew. Die besteht aus zwölf Seeleuten und bis zu 25 Service-Mitarbeitern. Bevor die aber Passagiere versorgen können, will Adam noch einige Probefahrten machen — auch mit schwerer Last an Bord. Denn das Schiff hat Platz für 460 Autos oder 96 Lastwagen und 1300 Menschen. Damit wird die Kapazität auf der Strecke Rostock-Gedser mehr als verdoppelt. „Ich freue mich darauf, das Schiff endlich in Fahrt zu bringen“, sagt der Kapitän. Sein künftiger Arbeitsrhythmus: eine Woche Einsatz, dann eine Woche frei.

Im Inneren des Neubaus wird der traditionelle Dieselantrieb mit einem elektrischen Batterieantrieb kombiniert. „Die Schifffahrt wird noch klimafreundlicher“, sagt Ralf Nagel vom Verband Deutscher Reeder. Mit effizienteren Motoren, weniger Abgasen und Flüssiggas als Brennstoff sei die Reederei Scandlines auf dem richtigen Kurs.

Vor einer Woche kam die „Berlin“ aus der dänischen Werft nach Rostock. Probefahrten wurden absolviert, die Laderampen des Überseehafens ans Schiff angepasst. Eigentlich sollte das 2012 passieren. Doch die P+S Werft in Stralsund, bei der die Reederei den Bau der Fähre und ihres Schwesterschiffs „Copenhagen“ in Auftrag gab, konnte das Projekt nicht wie geplant umsetzen. Die Fähren waren zu schwer und hätten bei Niedrigwasser nicht in den dänischen Hafen einlaufen können. Die Gewichtsprobleme läuteten die Pleite der P+S-Werften Stralsund und Wolgast ein. Ihnen kaufte Scandlines für 32 Millionen Euro statt der ursprünglich vereinbarten 184 Millionen Euro die Schiffe ab. Sie wurden in der dänischen Fayard-Werft abgespeckt und technisch aufgepeppt.

Gesamtinvestition: 140 Millionen Euro — pro Stück. Im September soll das neue Fähr-Duo komplett sein und viele Touristen nach MV bringen. Das hofft Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD):

„Die Zahl der dänischen Gäste ist 2015 gestiegen, wir hoffen, dass es noch mehr werden!“

Von Kerstin Schröder

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