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Neue US-Klagen und Dieselgate-Kosten setzen VW weiter zu

Wolfsburg Neue US-Klagen und Dieselgate-Kosten setzen VW weiter zu

Ende Juni schien eine Etappe im Abgas-Skandal genommen: Mit einem Milliardenvergleich könnte Volkswagen viele Rechtsstreitigkeiten in den USA befrieden. Doch nun wird klar: Die Affäre nagt weiter an der Gewinnkraft und neue Anschuldigungen aus den USA treffen Top-Manager.

Wolfsburg. Neue Vorwürfe aus den USA bringen Volkswagen im Diesel-Skandal abermals in Bedrängnis. Auch nach dem ausgehandelten Milliardenvergleich in den USA fahren mehrere Bundesstaaten mit weiteren Klagen schwere Geschütze auf.

Zahlreiche Manager hätten jahrelang von den Abgas-Manipulationen gewusst und Behörden hinters Licht geführt. Außerdem nehmen die Staatsanwälte auch den früheren Vorstandschef Martin Winterkorn und dessen Nachfolger Matthias Müller ins Visier. Der Konzern hält die Vorwürfe für unbegründet. An der Börse gaben vorläufige Zahlen Volkswagen dagegen am Mittwoch Auftrieb. Im operativen Geschäft lief es zur Jahresmitte besser als erwartet.

Ohne Sonderposten, zum Beispiel durch Rechtstreitigkeiten in der Dieselkrise, legte der operative Gewinn im ersten Halbjahr um gut 7 Prozent im Jahresvergleich auf 7,5 Milliarden Euro zu. Vor allem im zweiten Quartal lief es außerordentlich rund, vor allem bei der VW-Kernmarke.

Rechnet man die Kosten für den Abgasskandal und andere Sonderbelastungen allerdings ein, ergibt sich ein anderes Bild: dann sackt der operative Gewinn nämlich um gut ein Fünftel ab.

Am 28. Juli will der Konzern seine gesamte Halbjahresbilanz vorlegen. Dann wird sich auch zeigen, wie viel Substanz im operativen Gewinn steckt. Bisher haben die Wolfsburger zum Beispiel noch keine Umsatzzahlen genannt und auch der Nachsteuergewinn ist unbekannt.

NordLB-Analyst Frank Schwope vermutet, dass der Konzern die Last aus dem Skandal noch lange mit sich herumtragen wird. „Es werden vermutlich auch in anderen Ländern noch Kläger aus der Reserve kommen“, sagte er. Unter anderem nach den neuen US-Klagen hob er seine Schätzung für die Gesamtkosten des Skandal um fünf Milliarden Euro auf 25 bis 35 Milliarden Euro an. Aus den Klagen der Bundesstaaten könnten sich nach den Worten des Generalstaatsanwaltes von Maryland Kosten für VW in Höhe von hunderten Milliarden Dollar ergeben. In der Praxis werden in den USA bei solchen Auseinandersetzungen allerding meist deutlich günstigere Vergleiche geschlossen.

Die neuerlichen Klagen in den USA erlauben aber auch einen weiteren Einblick in die Ermittlungen gegen Volkswagen. Dazu ist bisher kaum etwas bekannt. Der Autobauer hat die US-Kanzlei Jones Day beauftragt, das Geschehene intern aufzuarbeiten. Doch einen versprochenen Zwischenstand verschoben die Wolfsburger mehrmals, jüngst bis Jahresende. Sie begründeten das mit Rücksicht auf die USA. Mit den jüngsten Klagen mehrerer US-Bundesstaaten dort, darunter Maryland, New York und Massachusetts, zeigt sich erstmals ein frisches Bild der Vorwürfe, die aus den bisherigen Untersuchungen seit dem Ausbruch der Abgas-Affäre im September 2015 resultieren.

„Wir haben für unsere Untersuchung etwa eine Million Dokumente erhalten“, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in New York. Ein Großteil davon stamme direkt vom Konzern.

Volkswagen hatte sich zur Schuldfrage zuletzt im März dieses Jahres in einer Erwiderung auf Anlegerklagen hierzulande geäußert - auch mit Bezug auf die Arbeit von Jones Day. Die Linie darin: keine Hinweise auf eine Mitschuld des Vorstandes. Der Einsatz der illegalen Software sei das Werk von „Mitarbeitern unterhalb der Vorstandsebene auf nachgeordneten Arbeitsebenen“. Das stützte das Bild, das der Konzern Ende September ausgegeben hatte: Es gehe um „Fehler einiger Weniger“.

Die neu klagenden US-Bundesstaaten sehen das ganz anders: Manager und Ingenieure hätten die US-Behörden über Jahre an der Nase herumgeführt und die Betrugs-Software verfeinert „als Teil ihres ganz normalen Tagesgeschäfts“. Das Thema habe über Jahre „Dutzende Führungskräfte, Abteilungsleiter und Ingenieure“ beschäftigt. Bereits 2006 sollen zudem Winterkorn und Müller über Ungereimtheiten informiert gewesen sein. Dabei geht es um zu kleine Tanks im Abgasreinigungssystem. Im Mai 2014 habe zudem ein Top-Manager der Konzern-Qualitätssicherung Winterkorn schriftlich und unmissverständlich von der Tragweite der Probleme informiert und vor dem Argwohn der US-Behörden gewarnt.

Volkswagen hatte bereits Dienstagabend, als die Klagen öffentlich wurden, erwidert, die Vorwürfe seien „im Wesentlichen nicht neu“. Der Konzern erklärte auch, die neuen Klagen seien „bedauerlich“. Ende Juni hatte der VW-Konzern mit einem milliardenschweren Vergleich den Weg freigemacht für eine zentrale Einigung mit US-Klägern. Dazu zählt auch der Kompromiss, 44 US-Staaten 603 Millionen Dollar zu zahlen.

dpa

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