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Nicht vor 9 Uhr: Schlafforscher fordern späteren Schulbeginn

Für bessere Leistungen Nicht vor 9 Uhr: Schlafforscher fordern späteren Schulbeginn

„Ich komme mit vier Stunden Schlaf aus“ - das hört man öfter und bewundert dann vielleicht denjenigen, der so viel Power zu haben scheint. Völlig falsch, sagen Forscher dazu. Sie fordern eine neue Schlafkultur.

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Frühes Aufstehen ist nicht für alle gut.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Köln. Schlafforscher fordern einen späteren Schulbeginn. Neun Uhr wäre eine gute Zeit, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Alfred Wiater.

Ein Unterrichtsbeginn noch vor acht Uhr sei „sicherlich problematisch“. Und wenn schon, dann solle der Schultag mit Fächern wie Sport, Kunst oder Musik anfangen und nicht gerade mit Mathe oder Physik.

Der im europäischen Vergleich eher frühe Schulbeginn in Deutschland mache insbesondere Schülern ab der Pubertät zu schaffen, sagte Wiater. Es setze dann ein „Time-Shifting zum Spät-Typen“ ein. Dementsprechend kämen viele Jugendliche unausgeschlafen zur Schule.

Eine Studie der Universität Leipzig vom vergangenen Jahr habe jedoch gezeigt, dass schon eine halbe Stunde weniger Schlaf die Leistungsfähigkeit in der Schule um 30 Prozent reduziere. „Wenn wir über eine Bildungsoffensive nachdenken, dann sollte auch der frühe Schulbeginn zur Diskussion stehen“, forderte Wiater. 

Deutschland brauche eine „neue Schlafkultur“, in der es nicht mehr als bewundernswert gelte, wenn jemand behaupte, mit vier Stunden Schlaf auszukommen. Ein völlig unterschätztes Thema sei auch der Sekundenschlaf am Steuer. Wie oft lese man, dass zum Beispiel ein Lastwagenfahrer ungebremst auf ein Stauende aufgefahren sei.

Studien in den USA hätten ergeben, dass Schläfrigkeit doppelt so viele tödliche Verkehrsunfälle verursache wie Alkohol. In der deutschen Unfallstatistik tauche Schläfrigkeit dagegen nur mit einem Anteil von 0,5 Prozent auf. Dies habe damit zu tun, dass man Schläfrigkeit anders als Alkohol nicht messen könne - der Adrenalin-Pegel schnelle nach einem Unfall natürlich hoch, sagte der Schlafforscher Hans-Günter Weeß.

Seine Empfehlung: Wenn man merkt, dass man müde wird, muss man anhalten und entweder eine Viertelstunde schlafen oder Sport treiben, damit der Kreislauf in Schwung kommt. Was dagegen nicht hilft: Fenster runterkurbeln, Cola trinken oder Musik lauter machen. Die Forscher äußerten sich zum „Aktionstag erholsamer Schlaf“ am 21. Juni.

dpa

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