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Wirtschaft Nordmetall-Chef Lambusch: Viele Firmen leiden unter Auftragsrückgängen
Nachrichten Wirtschaft Nordmetall-Chef Lambusch: Viele Firmen leiden unter Auftragsrückgängen
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01:30 28.04.2016
Thomas Lambusch, Chef Nordmetall Quelle: dpa

Rostock Heute steigt in Lübeck die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie im Norden. OZ sprach mit Nordmetall-Chef Thomas Lambusch, zugleich Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände für MV und Geschäftsführender Gesellschafter der SEAR GmbH in Rostock.

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn. Das Angebot der Arbeitgeberseite — 1,2 Prozent mehr — hatte die Gewerkschaft als Provokation bezeichnet und abgelehnt. Wie geht es jetzt weiter?

Thomas Lambusch: Die IG Metall hat sich mit ihrer überhöhten Fünf-Prozent-Forderung festgefahren. In der Beurteilung der wirtschaftlichen Situation trennen uns Welten. Fakt ist: In den letzten Jahren sind die Einkommen überproportional gestiegen, seit 2012 im Jahresschnitt um mehr als 1400 Euro. Aber vor allem im letzten Jahr ist die Produktivität kaum gewachsen. Diese Schere darf sich nicht noch weiter öffnen.

Wie könnte die Lösung aussehen?

Lambusch: Bei den derzeitigen großen Diskrepanzen sehe ich wenig Chancen auf ein schnelles Zusammenkommen. Denkbar wären natürlich Differenzierungen für unterschiedlich dastehende Betriebe und eine Verlängerung der Laufzeit. Fakt ist jedoch: Unsere Möglichkeiten sind begrenzt.

2015 war doch aber ein gutes Jahr für die Branche!

Lambusch: Das Jahr war nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut: Viele Firmen leiden unter Auftragsrückgängen, aus China, Russland und den Schwellenländern wird weniger geordert. Dazu kommt: Die Arbeitskosten sind mit über 37 Euro pro Stunde nirgends höher als in Deutschland. Und weil viele Firmen mehr Beschäftigte an Bord haben, als für aktuelle Aufgaben nötig wären, steigen die Kosten immens.

Wie steht es um den Nachwuchs?

Lambusch: Wir arbeiten hart daran, mehr junge Leute für Technik zu begeistern: Etwa mit Wettbewerben wie dem Nordmetall-Cup, mit Tüftler-Börsen wie nordbord oder Schul-Initiativen wie Mint-Ing. Wir sind jedes Jahr beim Girls Day dabei. Und: Keine Branche zahlt ihren Lehrlingen mehr.

Könnten Flüchtlinge für Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sorgen?

Lambusch: Ja und Nein. Integration heißt nicht allein, die deutsche Sprache zu lernen, sondern auch Integration in den Arbeitsmarkt. Der Qualifikationsgrad vieler Flüchtlinge ist jedoch niedrig, ihre Berufsausbildung nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Der Prozess wird sehr viel länger dauern als in der ersten Euphorie gehofft.

Was wünschen Sie sich von der

Politik?

Lambusch: Wir brauchen eine Politik, die weiß, was in den Märkten los ist. In MV läuft das, hier gibt es eine ganz gute Kommunikation, keine Politik aus dem Elfenbeinturm. Leider entscheidet man in Schwerin gelegentlich anders als wir uns das wünschen, aber zumindest erklärt uns die Landesregierung ihre Gründe dafür.

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