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Offshore-Industrie fordert klares Bekenntnis zur Windkraft

Cuxhaven/Schwerin Offshore-Industrie fordert klares Bekenntnis zur Windkraft

„Cuxhavener Appell“: Politiker, Firmen und Gewerkschafter verlangen schnelles Handeln, um Arbeitsplätze zu sichern.

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Gestern offiziell in Betrieb genommen: der Windpark Bard Offshore 1 in der Nordsee nordwestlich von Borkum.

Quelle: dpa

Cuxhaven. Die fünf norddeutschen Bundesländer fordern von der Bundesregierung schnelles Handeln zur Rettung von Investitionen und Arbeitsplätzen in der Offshore-Branche. Gemeinsam mit Unternehmen, Bürgermeistern und der Gewerkschaft IG Metall unterschrieben die Wirtschafts- und Energieminister gestern den „Cuxhavener Appell“ zur Offshore-Industrie.

Für die Projekte bis 2020 müsse Sicherheit über die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geschaffen werden, heißt es in dem Appell. „Die Anlagenbauer und Lieferanten von Komponenten für Generatoren und anderen technische Bauteilen sitzen überwiegend in West- und Süddeutschland“, erklärte Volker Schlotmann (SPD), Minister für Energie in Mecklenburg-Vorpommern. „Somit entfaltet der Ausbau der Windkraft vor den deutschen Küsten Wertschöpfung in ganz Deutschland.“ Das müsse die Bundesregierung endlich erkennen, forderte Schlotmann.

„Wenn Unternehmen Millionen investieren sollen, dann brauchen sie Verlässlichkeit. Wir brauchen verlässliche Aussagen zur Vergütung und zum Netzausbau.“

Die Bundesregierung will, dass bis zum Jahr 2020 Windmühlen mit zusammen 10 000 Megawatt Leistung im Meer stehen. Doch die Industrie hat viele Projekte auf Eis gelegt, weil es Probleme mit den Netzanschlüssen gibt. Auch besteht Verunsicherung über die wirtschaftlichen Grundlagen. Das politische Infragestellen des Gesetzes für erneuerbare Energien habe potenzielle Investoren bereits geplanter und genehmigter Windparks massiv verunsichert.

Die Offshore-Windenergie und die Energiewende befänden sich am Scheideweg, heißt es im „Cuxhavener Appell“. Deutschland verfüge als einziges europäisches Land über die gesamte Wertschöpfungskette beim Bau von Windenergieanlagen im Meer. Dieser industriepolitische Vorteil müsse auch im Hinblick auf die Arbeitsplatzsicherung und Export möglichkeiten erhalten und ausgebaut werden.

„Bei vielen Investoren besteht völlige Verunsicherung“, beklagte auch Heiko Messerschmidt, Sprecher der Gewerkschaft IG Metall Küste. Betriebe wie Nordic Yards in Wismar und Warnemünde oder die Volkswerft in Stralsund „brauchen Planungssicherheit“. Das betonte auch Jürgen Kräplin, Betriebsratschef der P+S-Werft am Strelasund. Das Projekt Energiewende dürfe „nicht allein an den Landesregierungen im Norden hängenbleiben“, so Kräplin. Denn auch Betriebe im Süden Deutschlands profitierten von der Energiewende.

Derweil eröffnete Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in der Nordsee den größten deutschen Meereswindpark — Bard Offshore 1. Für das kommerzielle Projekt wurden rund 100 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum 80 Anlagen installiert. Die Leistung von 400 Megawatt entspricht ungefähr dem Jahresstrombedarf von mehr als 400 000 Haushalten.

Die erste Anlage speist bereits seit Ende 2010 Strom ins Netz ein. Inzwischen liefert der Windpark 75 Prozent des deutschen Offshore-Stroms. Mit weit über zwei Milliarden Euro Investitionskosten ist der Park deutlich teurer geworden als geplant.

Bard Offshore 1 ist Deutschlands größter Meereswindpark
80 Windräder drehen sich im größten deutsche Meereswindpark Bard Offshore 1. Im April 2010 setzte die Bard-Gruppe (Emden/Bremen) das erste Fundament, Ende 2010 floss der erste Strom ins Netz. Ursprünglich sollten alle Anlagen bis Ende 2011 aufgestellt sein. Doch Wetter, technische Probleme und schwierige Bedingungen in dem Baugebiet nordwestlich von Borkum mit 40 Metern Wassertiefe sorgten für Verzögerungen.

 

Sönke Möhl und Thomas Luczak

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