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Opel: Neues Zittern um die Jobs

Rüsselsheim/Paris Opel: Neues Zittern um die Jobs

Mutter-Konzern General Motors erwägt den Verkauf des Autobauers an den französischen PSA-Konzern. Was heißt das für den Standort hier?

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Die Unsicherheit der Arbeitnehmer ist groß – ein Opel Corsa rollt im Eisenacher Werk vom Band.

Quelle: Foto: Martin Schutt/dpa

Rüsselsheim/Paris. In Rüsselsheim geht wieder die Angst um. Trennt sich der US-Konzern General Motors doch von Verlustbringer Opel?

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Mutter-Konzern General Motors erwägt den Verkauf des Autobauers an den französischen PSA-Konzern. Was heißt das für den Standort hier?

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, fragt man sich bang in der Industriestadt, die wie sonst nur Wolfsburg allein am Auto hängt. Aus Paris hat gestern die Nachricht überrascht, dass Konkurrent und Kooperationspartner PSA Peugeot Citroën über eine Opel-Übernahme mit GM verhandelt.

Opel ist bereits seit 1929 fester Bestandteil des US-Konzerns und bildet mit der britischen Schwestermarke Vauxhall dessen Europasparte, die im Vorjahr 1,16 Millionen Autos verkauft hat. Zuletzt hatte es 2009 nach Scheidung ausgesehen, als GM in der Finanz- und Wirtschaftskrise selbst ins Schlingern geraten war und von der US- Regierung mit Milliarden gerettet werden musste. Opelaner, IG Metall und Politik hatten sich bereits so weit von der Konzernmutter entfremdet, dass sie eine Übernahme durch den Zulieferer Magna für die bessere Option hielten.

Doch die Amerikaner nahmen die Zügel in letzter Sekunde wieder in die Hand, schlossen gegen scharfe Proteste die Werke in Antwerpen und Bochum, investierten an den anderen Standorten Milliardensummen. Auch ins Entwicklungszentrum am Stammsitz Rüsselsheim, das mit fast 8000 Ingenieuren stets als technologieführend im Konzern gepriesen wurde.

Zum Sanierungsplan gehörte auch eine engere Kooperation mit PSA, mit denen man erst vier, dann noch drei Modelle gemeinsam bauen und entwickeln wollte. Die ersten Autos rollen gerade von den Bändern in Saragossa und Vigo (Spanien) sowie im französischen Sochaux. Allzu gedeihlich entwickelte sich die Partnerschaft wohl nicht, denn zum Jahreswechsel 2013/14 stieg GM als PSA-Aktionär wieder aus. Die Synergien seien nicht so hoch wie erwartet ausgefallen, hieß es. Statt jährlich 2 Milliarden Dollar Einsparungen seien nur 1,2 Milliarden möglich.

Was beständig ausblieb, waren Gewinne. Seit 1999 hat Opel in Detroit keinen positiven Beitrag mehr abgeliefert. Auch 2016 verpasste Opel-Chef Karl Thomas Neumann die schwarze Null, machte den Brexit und das scharf abwertende britische Pfund für den nächsten Verlust von nun 241 Millionen Euro verantwortlich. Denkbar, dass die GM-Bosse trotz positiver Entwicklungen nicht mehr ans Europageschäft glauben.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht PSA-Chef Carlo Tavares als treibende Kraft hinter den Übernahmeplänen. Er habe bei Renault-Nissan eine erfolgreiche Fusion erlebt und wolle nun zusätzliche Skaleneffekte mit Opel/Vauxhall realisieren. PSA würde vor allem auf dem hart umkämpften Markt Europa an Größe gewinnen. Derzeit sind die Franzosen Nummer drei – hinter dem VW-Konzern, unangefochtener Branchenprimus in Europa. Nummer zwei ist, knapp vor PSA, der französische Erzrivale Renault. Opel und Vauxhall folgen auf Rang sechs.

Allerdings wäre das Unternehmen auch nach Opel-Übernahme in den Wachstumsmärkten China und Südamerika viel zu schwach vertreten, warnt Dudenhöffer.

Dudenhöffer stellt auch die globale Bedeutung der Opel-Entwickler für den GM-Konzern infrage. Schließlich gelinge es dem Konkurrenten Ford auch, in den USA gute Produkte zu entwickeln und für die globalen Märkte anzupassen. „Man könnte sich in Detroit angesichts der dauerhaften roten Zahlen die Frage stellen: ’Was ist in Europa überhaupt noch zu gewinnen?’“ GM hatte immerhin die globale Marke Chevrolet vom europäischen Markt genommen, mit der man nach einem Opel-Abgang jederzeit wieder an den Start gehen könnte, etwa wenn sich der russische Markt wieder öffnet.

Große Wachstumszahlen sind aber auf dem europäischen Automarkt erst einmal nicht zu erwarten. Zwar stiegen die Pkw-Neuzulassungen 2016 auf 14,6 Millionen Stück – der höchste Absatz seit neun Jahren. Für 2017 aber erwartet der Branchenverband Acea ein deutlich schwächeres Wachstum.

An den europäischen Opel/Vauxhall-Standorten geht das Zittern um die 38 200 Arbeitsplätze wieder los. „PSA würde natürlich die Kapazitäten überprüfen. Standorte wie Eisenach oder Kaiserslautern wären dann gefährdet“, sagt Dudenhöffer.

Ein Unternehmen mit Tradition

35 600 Mitarbeiter zählt Opel in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. 2016 hat Opel rund 1,16 Millionen Autos verkauft. Das Traditionsunternehmen wurde 1862 in Rüsselsheim bei Frankfurt gegründet und 1929 vom US-Konzern General Motors (GM) übernommen. Zusammen mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall ist Opel im Wesentlichen auf den europäischen Markt beschränkt. 2016 betrug ihr Marktanteil an Pkw-Neuzulassungen in der Europäischen Union 6,7 Prozent. 2016 hatte es Opel nach einer harten Sanierung nicht wie geplant aus den roten Zahlen geschafft.

Christian Ebner und Andreas Hoenig

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