Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Ostprodukte von Wolgast aus in die ganze Welt
Nachrichten Wirtschaft Ostprodukte von Wolgast aus in die ganze Welt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:49 29.08.2013
Christian Hoge mit einem ganzen Korb voller Ostprodukte, die er in seinem Versand verkauft. Quelle: dpa

Als der aus Vorpommern stammende Christian Hoge vor zehn Jahren in Hamburg arbeitete, war sein Kofferraum voll mit Ostprodukten — weil es die im Westen nicht gab.

Neben Senf aus Tutow brachte der gelernte Zweiradmechaniker Vita-Cola oder Bambina-Schokolade an die Elbe. Nicht nur er deckte sich bei seinen Heimatbesuchen mit den Nachfolgern der DDR-Produkte ein, auch westdeutsche Freunde und Bekannte von Hoge verlangten nach den Waren. „Grabower Küsschen waren der Renner“, sagt Hoge, der seit 2006 von seiner alten Heimat aus ein Internetportal für den Handel mit Ostprodukten betreibt.

Der Osten schmeckt für Hoge nach Kindheitserinnerungen. Als die Mauer fiel, war er gerade elf Jahre alt. Viele Ostprodukte-Käufer bleiben der Marke treu, die sie von früher kennen. Doch heute haben viele Hersteller ein Problem: Ihre Kunden sterben weg. Lediglich zwei Ostmarken, Rotkäppchen und Spee, haben laut einer Studie den Sprung unter die Top 10 der bekannten Marken im Westen geschafft.

Entscheidend ist das Alter der Kunden: Marken wie Eberswalder Würstchen, Burger Knäcke oder Rügenfisch sind über 80 Prozent der über 50-Jährigen im Osten bekannt. Von den unter 40-Jährigen kennt nur jeder Zweite Würstchen aus Eberswalde; jeder Dritte weiß mit Burger Knäcke und Rügenfisch etwas anzufangen.

Die Marken haben den Generationenwechsel zu wenig beachtet, meint der Medienwissenschaftler Felix Haak vom Erfurter Institut für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung. „Die Ostprodukte-Hersteller setzten in der Imagewerbung teilweise in großem Maße auf ihre Markentradition in DDR-Zeiten. Doch mit dieser Tradition können junge Leute kaum noch etwas anfangen.“ Auch auf Ostprodukte spezialisierte Läden leiden unter dem Trend. In Rostock schloss beispielsweise im April 2013 der Markt Heros.

Neben dem bröckelnden Heimatmarkt haben die meisten Ostmarken aber auch im Westen Probleme: Sie sind zu wenig bekannt. Selbst das weit bekannte Radeberger Bier bleibt oft in den Regalen stehen. Zudem leiden Ostmarken im Westen unter dem weitgehend auf den Preis reduzierten Image, wie Haak sagt. Chancen gerade für kleinere und finanzschwache Ostprodukte-Hersteller und Händler sehen Experten im Internet.

Hoge versendet von Wolgast aus den „Osten“ in Paketen. Jetzt eröffnet er einen Lagerverkauf. Pro Arbeitstag gehen drei bis fünf Pakete auf Reisen, gefüllt mit Badusan-Schaumbad, Pfefferminzlikör aus Nordhausen oder Mocca-Perle, einem schaumweinhaltigen Getränk mit Kaffeegeschmack. „99,8 Prozent der Kunden kaufen für den privaten Bedarf“, berichtet der 34-Jährige. Einmal habe ein Radiosender aus Sachsen eine ganze Palette Hühnereierbecher für ein Gewinnspiel bestellt. Das sei aber eher die Ausnahme.

„Wir müssen uns nichts vormachen. Die Anzahl derer, die die Ostalgie voll ausleben, nimmt ab“, meint Hoge. Sollten sich in zehn Jahren mit dem Label „Ost“ nicht mehr genügend Käufer finden, will er seinen Internetladen auf Regionalprodukte umstellen. Schon jetzt bastelt Hoge an einer neuen Idee: Spezialpakete mit Produkten aus MV, Sachsen oder Brandenburg.

Ostmarken
Bekanntheit (in %) Ost   West

Rotkäppchen 99,2 92,8

Radeberger Bier* 95,9 83,1

Hasseröder Bier 94,2 79,9

Köstritzer Bier 87,9 67,6

Nordhäuser Korn 87,8 54,6

Wernesgrüner 94,6 52,6

Spee 92,5 49,6

Leckermäulchen 82,5 40,9

Lübzer Bier 74,1 41,7

Florena 93,2 31,5

*Radeberger ist sogar in den USA

bekannt: Schauspieler Charlie Sheen trank das Bier regelmäßig in der beliebten Sitcom „Two and a half men“.

Martina Rathke

Durch Wirtschaftsspionage entsteht in Deutschland nach Schätzung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) jährlich ein Schaden von 50 Milliarden Euro.

29.08.2013

Die Verunsicherung der Verbraucher über die Konjunkturaussichten in Deutschland hat dem Konsumklima im Spätsommer einen leichten Dämpfer versetzt.

29.08.2013

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) drängt die Länder im Streit um die künftige Verteilung der EU-Agrargelder zu einem schnellen Kompromiss.

29.08.2013
Anzeige