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Papenburg brennt für Aida

Papenburg/Warnemünde Papenburg brennt für Aida

Mit 2500 Kabinen, die bis zu 6000 Passagieren Platz bieten, wird das neue Schiff der größte Spross der Aida-Flotte.

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Ein Plasma-Brenner auf der Meyer Werft in Papenburg brannte gestern das erste Bauelement aus einer Stahlplatte für das neue Aida-Schiff.

Quelle: Foto: J. Carstensen

Papenburg/Warnemünde. Symbolischer Knopfdruck: Gut gelaunt legen Aida-Chef Felix Eichhorn (36) und die beiden Werft-Geschäftsführer Bernard (68) und Tim Meyer (35) ihre Hände übereinander. Mit vereinter Kraft drücken sie den roten Buzzer und setzen damit die computergesteuerte Brennmaschine in Gang. Die erste Stahlplatte für den neuen Kreuzliner setzt sich in Bewegung. Es ist der Start für eine neue, besonders umweltfreundliche Schiffsgeneration. Mit 2500 Kabinen, die bis zu 6000 Passagieren Platz bieten, wird der Neuling außerdem der größte Spross der Kussmund-Flotte.

OZ-Bild

Mit 2500 Kabinen, die bis zu 6000 Passagieren Platz bieten, wird das neue Schiff der größte Spross der Aida-Flotte.

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Jana (42) und Olaf Eichhorst (49) drängeln sich nach vorn. Sie wollen genau sehen, was sich dort tut. Die beiden Rostocker sind begeisterte Aida-Urlauber und machen bei einem Fan-Projekt mit. Für andere Gäste beantworten sie Fragen zu den Touren und betreiben auch selbst eine Kreuzfahrt-Homepage. 14 Aida-Reisen haben sie selbst schon gemacht, die letzte im November mit der „Aidaprima“. Ihr Maskottchen „Felix Urlaubär“, ein kleiner weißer Teddy, berichtete gestern sozusagen live vom Festakt, zu dem Aida Cruises rund 150 Gäste eingeladen hatte: neben Fans auch Geschäftspartner, Mitarbeiter der Werft und von Reisebüros sowie viele Journalisten. Die kamen nicht nur aus Deutschland, wo die Rostocker Reederei Marktführer im Kreuzfahrtgeschäft ist, sondern auch aus Österreich, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz. Das neue Schiff wird der 13. Aida-Kreuzliner. Sind die Verantwortlichen abergläubisch? Felix Eichhorn lacht. „Wir wollten nicht bei zwölf Schiffen aufhören.

Und es kommt ja bald das 14. nach.“ Ein baugleiches Schiff ist bereits in Papenburg bestellt.

Wie die beiden Neulinge heißen sollen, ist noch nicht bekannt. Eichhorn: „Wir sammeln schon Ideen. Sie müssen ja zu uns passen.“ Doch wohin die erste Reise geht, wurde während der Präsentation in der gestern im Besucherzentrum der Meyer Werft eingeweihten Aida-Lounge schon stimmungsvoll vorgeführt. Rund um Madeira und die Kanarischen Inseln soll die siebentägige Fahrt führen. Aber eine andere Überraschung teilte der Aida-Präsident mit: Nicht wie bisher bekannt 2019, sondern schon im Dezember 2018 wird der Luxusliner seine erste Fahrt antreten. Eichhorn: „Wer möchte, kann sich heute schon dafür vormerken lassen.“

Schiffbau ist eine Hightech-Branche, das wurde gestern in Papenburg besonders deutlich. Kreuzliner werden auch längst nicht mehr in einem Stück gebaut. Die einzelnen Komponenten werden zeitlich parallel an mehreren Standorten gefertigt und später in Papenburg zusammengefügt. In Warnemünde wirken zum Beispiel die Schiffbauer der Neptun Werft und die Motorenbauer von Caterpillar daran mit.

„Die neuen Maschinenraum-Schwimmteile sind so breit, dass wir unser Hallentor dafür aufsägen müssen“, sagt Neptun-Geschäftsführer Raimon Strunck. Eine Übergangslösung, wie Strunck versichert. Denn Neptun baut für den neuen Schiffstyp eine größere Schiffbauhalle. Strunck: „Im März beginnen wir mit der Vorbereitung des Geländes.“

Im Caterpillar-Werk an der Warnow wird ebenfalls bereits für den neuen Auftrag aus Papenburg gearbeitet. Vier 16-Zylinder-Motoren entstehen für den Neuling, der ausschließlich mit Flüssig-Erdgas (LNG) betrieben werden soll. Geschäftsführer Hans-Ulrich Hölk verrät ein Geheimnis: „Der erste Motor ist so gut wie fertig.“ Der Vorlauf sei nötig, denn ein Serien-Erstling müsse besonders viele Testläufe bestehen.

Mit den beiden neuen Ozeanriesen setzen Aida und die Meyer Werft eine lange Zusammenarbeit fort. Die war zwar unterbrochen wurde, als die Rostocker Reederei zwei Schiffe in Japan bestellte. Gestern aber war Werftenchef Bernard Meyer ausgesprochen positiv gestimmt. „Ich bin Aida so dankbar, dass das Unternehmen die strategische Entscheidung für das emissionsärmere Flüssiggas als Treibstoff getroffen hat“, sagte er. Der Widerstand bei anderen Reedereien sei noch groß. Die beiden Aida-Neulinge erhalten drei LNG-Tanks, zusätzlich aber auch Reservetanks für Diesel.

Meyer appellierte an die Häfen, jetzt auch ausreichend LNG-Tankmöglichkeiten zu schaffen. Die 1795 gegründete Werft ist bereits in siebenter Generation in Familienbesitz. 1985 baute sie ihr erstes Kreuzfahrtschiff und entwickelte sich seitdem zum Spezialisten in diesem Segment. Seit 1997 gehören die Warnemünder Neptun Werft, seit 2014 der finnische Standort in Turku zur Meyer-Gruppe.

Die Herkunft der Aida-Schiffe

11 Kussmundschiffe kreuzen bereits auf den Weltmeeren. Als zwölftes kommt im Juni die „Aidaperla“ dazu, die derzeit in Nagasaki (Japan) in der Endfertigung ist. Sieben Aida-Schiffe wurden in Papenburg gebaut, zuletzt 2013 die „Aidastella“. Der erste Aida-Neubau, die „Aidacara“, war 1996 in Turku (Finnland) entstanden.

2002/2003 lieferten Schiffbauer aus Wismar und Warnemünde die „Aidavita“ und die „Aidaaura“ ab. 2011 vergab die Rostocker Reederei erstmals einen Auftrag nach Asien. Die Mitsubishi-Werft in Nagasaki (Japan) baute die „Aidaprima“ (2016) und „Aidaperla“, die allerdings mit je einem Jahr Verspätung in Fahrt kamen.Zwei weitere Schiffe entstehen jetzt auf der Meyer Werft in Papenburg. Sie sollen 2018 bzw. 2021 fertig sein. Mit je rund 2500 Kabinen haben sie rund 900 mehr als die in Japan gebauten Schiffe.

Erste Animationen zeigen, dass die beiden Neubauten der „Prima“ stark ähneln. Der Bug jedoch fällt nicht ganz so steil ab.

Elke Ehlers

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