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Piloten brechen Gespräche mit Lufthansa ab

Vorerst keine Streiks Piloten brechen Gespräche mit Lufthansa ab

Bei der Lufthansa ist eine friedliche Tarifeinigung mit den Konzernpiloten wieder ein Stück in die Ferne gerückt. Eigentlich wollte Kranich-Chef Spohr das Problem bis zum Jahresende abräumen.

Frankfurt/Main. Bei der Lufthansa ist die Gefahr neuer Pilotenstreiks wieder gestiegen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat am Freitag die seit Jahresbeginn laufenden Tarif-Sondierungsgespräche mit dem Lufthansa-Vorstand für gescheitert erklärt und die entsprechende Gesprächsvereinbarung aufgekündigt.

„Trotz aller anderslautender Bekundungen scheint der Lufthansa-Vorstand offensichtlich kein Interesse an einer Lösung mit seinen Konzerntarifvertrags-Piloten zu haben“, erklärte VC-Sprecher Markus Wahl laut einer Mitteilung.

Ein erneuter Streik der rund 5400 Konzernpiloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings steht aber zumindest nicht unmittelbar bevor. In den kommenden zwei Wochen will die VC nach eigenen Angaben bei Pilotentreffen ihre Mitglieder informieren und ein Stimmungsbild einholen. Über das weitere Vorgehen der Gewerkschaft machte Wahl keine Aussage.

Die Lufthansa betonte ihren Einigungswillen und bot eine Fortsetzung der Sondierung an. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Lufthansa unterstellt werde, kein Interesse an einer Lösung zu haben, sagte ein Unternehmenssprecher. „Die Tarifabschlüsse mit den anderen Berufsgruppen in der Kabine und am Boden belegen unseren Einigungswillen.“

Tatsächlich hat Lufthansa mit den Gewerkschaften Verdi und Ufo Vereinbarungen unter anderem zur Umstellung des Betriebsrentensystems erreicht, das auch zu den Streitpunkten mit den Piloten gehört. Chef Carsten Spohr hatte sich kürzlich optimistisch gezeigt, den Tarifkonflikt mit den Piloten noch in diesem Jahr lösen zu können.

Ein erneuter Streik wäre der 14. Ausstand in dieser seit vier Jahren schwelenden Auseinandersetzung, in der die Piloten erstmals im April 2014 gestreikt hatten. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte die VC erklärt, dass vor einem weiteren Ausstand zunächst wieder offizielle Tarifverhandlungen geführt werden müssten. Das war bislang mit den nun aufgekündigten internen Gesprächen bewusst vermieden worden, um über ein breiteres Themenspektrum sprechen zu können.

Die VC-Piloten waren im vergangenen Herbst in ihrer 13. Streikrunde vom hessischen Landesarbeitsgericht gestoppt worden, weil sie nach Ansicht des Gerichts Streikziele verfolgten, die nicht mit einem Tarifvertrag zu erfüllen gewesen wären. Insbesondere ging es dabei um die Arbeitsverträge bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings, deren Piloten nach dem Willen der VC ebenfalls vom lukrativen Lufthansa-Konzerntarifvertrag erfasst werden sollten. Das Unternehmen lehnt das als zu kostspielig ab.

Das Platzen der Gespräche dürften auch die Bedenken der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hinsichtlich der finanziellen Lage der Lufthansa verstärken. Am Donnerstagabend haben die Experten ihren Ausblick für die Bonität der Lufthansa am Donnerstagabend von „Stabil“ auf „Negativ“ gesenkt. Damit droht Europas größter Fluggesellschaft binnen der nächsten ein bis zwei Jahre eine Abstufung seines Ratings von „BBB-/A-3“ auf „BB+“ und damit von Investmentgrade- auf Ramsch-Niveau. Die Papiere des Dax-Konzerns würden dann nicht mehr als solide, sondern als spekulativ gelten.

S&P begründete den Schritt sowohl mit der gesunkenen Ticketnachfrage und einem Preiskampf nach den Terroranschlägen in Europa als auch mit den hohen Pensionsverpflichtungen der Lufthansa. Diese lasten wegen der anhaltenden Niedrigzinsen immer stärker auf der Konzernbilanz.

dpa

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