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Wirtschaft Prozess: Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Sal. Oppenheim-Chefs
Nachrichten Wirtschaft Prozess: Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Sal. Oppenheim-Chefs
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09:16 28.02.2013
Die Richterin im Sal. Oppenheim-Prozess, Sabine Grobecker. Das Untreue-Verfahren gilt als einer der spektakulärsten Wirtschaftsstrafprozesse der vergangenen Jahrzehnte. Foto: Oliver Berg
Köln

Neben den vier ehemaligen persönlich haftenden Gesellschaftern musste auch der Immobilienunternehmer und Vermögensberater Josef Esch persönlich im Kölner Landgericht erscheinen. Ihnen wird Untreue in besonders schwerem Fall und Beihilfe dazu vorgeworfen, wofür eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren verhängt werden kann. Es geht um verlustreiche Immobiliengeschäfte, mit denen sie die einst größte europäische Privatbank um fast 150 Millionen Euro geschädigt haben sollen (Az: 116 KLs2/12).

Unter großem Medienandrang nahm das frühere Führungsquartett auf der Anklagebank Platz: Matthias Graf von Krockow (63), über zehn Jahre lang Sprecher der vier persönlich haftenden Gesellschafter, Christopher Freiherr von Oppenheim (47), Friedrich Carl Janssen (68) und Dieter Pfundt (60). Außerdem Esch, der mit den Privatbankiers zahlreiche Geschäfte abgeschlossen und Immobilienfonds aufgelegt hatte. Alle fünf beteuern - soweit sie sich bisher geäußert haben - ihre Unschuld.

Gleich nach der fast anderthalbstündigen Anklageverlesung preschten die Esch-Verteidiger vor und rügten die Besetzung des Gerichts. Es sei unzulässig, dass der Fall der 16. großen Strafkammer zugewiesen wurde. „Herrn Esch wird damit der gesetzliche Richter entzogen“, sagte sein Anwalt Heiko Lesch. Die Anwälte der vier anderen Angeklagten schlossen sich der Rüge an.

Am Donnerstag in der kommenden Woche will die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker die Entscheidung ihrer 16. Kammer mitteilen, ob sich diese selbst für ordnungsgemäß besetzt hält. Die beiden Termine davor sind gestrichen. Sollte Grobecker zu dem Schluss kommen, dass ihre Kammer nicht ordnungsgemäß besetzt ist - was als praktisch ausgeschlossen gilt - wäre der spektakuläre Prozess geplatzt.

In dem Verfahren, das sich bis ins nächste Jahr hinziehen wird, geht es um drei Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt. Die Angeklagten profitierten dabei nach Darstellung der Staatsanwaltschaft vom Aus- und Umbau einer Villa und zweier Bürokomplexe. In die laut Anklage aufwendig renovierte und dann zu billig vermietete Villa in Köln war Christopher von Oppenheims Mutter Jeane Freifrau von Oppenheim eingezogen. Schaden für die Bank hier: 8,6 Millionen Euro. Mit den zwei Bürokomplexen schädigten die Angeklagten Sal. Oppenheim den Vorwürfen zufolge um gut 59 Millionen Euro und mehr als 76 Millionen Euro.

„Ohne Nachfragen wurden die Kredite genehmigt“, sagte Oberstaatsanwalt Gunnar Greier. In dem Frankfurter Fall hätten die Angeklagten die überhöhten Kalkulationen verschleiert. Selbst 2008, als Sal. Oppenheim schon in einer ernsten finanziellen Krise steckte, habe die Bankspitze nicht von dem Recht Gebrauch gemacht, von dem teuren Grundstückskauf zurückzutreten.

Immer weiter wachsende Kosten wurden laut Anklageschrift stets Sal. Oppenheim in Rechnung gestellt. Hinweise von Mitarbeitern oder Sachverständigen, dass bestimmte Regelungen für die Bank doch recht unvorteilhaft seien, hätten die Chefs nicht weiter verfolgt. Oder es habe geheißen, „dass man ja eine Familie sei“.

Die damals größte europäische Privatbank gehörte jedoch nicht nur der Familie Oppenheim, sondern auch anderen Gesellschaftern. Einige von ihnen haben nach eigener Darstellung durch den Beinahe-Kollaps der Bank einen Großteil ihres Vermögens verloren. Die Traditionsbank war nach einem Milliardenverlust Anfang 2010 von der Deutschen Bank übernommen worden. Die Zahl der Mitarbeiter sank von einst über 4000 auf derzeit noch gut 850.

Für den Prozess waren zwei Anklagen zusammengefasst worden, gegen die fünf Beschuldigten ist aber gerade noch eine dritte Anklage erhoben worden, die am Dienstag veröffentlich wurde. Der Schaden für die Bank beläuft sich dabei laut Staatsanwaltschaft sogar auf 460 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft will die dritte Anklage mit dem gestarteten Prozess zusammenführen. Darüber will das Gericht in Kürze entscheiden.

Gegen die fünf Männer läuft auch ein Schadenersatzverfahren, in dem Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz 1,9 Milliarden Euro verlangt. Zum Auftakt des Zivilprozesses Ende 2012 hatte das Kölner Landgericht der Ex-Milliardärin wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht.

dpa

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