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05:30 21.04.2016
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Essen

Der wankende Stromriese RWE ruft angesichts der Einbrüche wegen der Energiewende die Politik um Hilfe.

„Weitere, massive Verluste unseres Kraftwerksgeschäftes können wir uns auf Dauer nicht leisten“, sagte Vorstandschef Peter Terium bei der Hauptversammlung des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns in Essen. „Wir haben nicht viel Zeit. Unsere finanzielle Situation ist angespannt“, sagte er. Börsenstrompreise von nur noch rund 20 Euro pro Megawattstunde bedeuteten den Ausnahmezustand. Damit sei die Versorgungssicherheit in Deutschland in „höchster Gefahr“. Die Bundesregierung müsse handeln.

Der Ökostrom-Boom hat die im Großhandel erzielbaren Strompreise dramatisch gedrückt. Die großen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke verdienen kaum noch Geld. Die Energiekonzerne verlangen von der Politik eine Entschädigung dafür, dass sie die großen konventionellen Kraftwerke als Puffer gegen die Schwankungen von Wind- und Sonnenstrom bereithalten. Bislang lehnt die Bundesregierung solche Hilfen ab. Aktionärsvertreter warnten den Konzern daher davor, dass die Hoffnung auf Hilfen der Politik eine Sackgasse sein könnte.

Angesichts der hohen Schulden und der unsicheren Aussichten stellt sich der Konzern bereits auf eine Abstufung seiner Kreditwürdigkeit ein. „Die Ratings europäischer Energieversorger stehen aktuell unter massiver Beobachtung der Agenturen“, sagte Terium. „Das gilt insbesondere auch für RWE, eine Herabstufung des Ratings ist wahrscheinlich.“ Darin spiegelten sich die Unsicherheiten über die Kosten für den Atomausstieg wider. „Wir stehen hier vor einem erheblichen finanziellen Risiko, und das in einem ohnehin schon katastrophalen Marktumfeld.“

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr eine Kommission eingerichtet, die mit den vier Atomkonzernen nach Lösungen zur Finanzierung des Atomerbes suchen soll. Ursprünglich sollte sie schon Ende Februar ihre Vorschläge veröffentlichen, wie die Rückstellungen der Konzerne für Abriss und Endlagerung des Atommülls in Höhe von rund 40 Milliarden Euro langfristig gesichert werden können. Doch die Verhandlungen ziehen sich noch hin.

Angesichts der Krise warb Terium um Verständnis für den praktisch kompletten Ausfall der Dividende: „Der Dividendenverzicht ist unumgänglich, wenn wir unsere RWE wieder auf Kurs bringen wollen.“ Trotz Kritik wegen des Ausfalls der Dividende für 2015 wurde der Vorstand entlastet. Der entsprechende Antrag bekam eine Mehrheit von 97,44 Prozent. Kommunale Aktionäre hatten zuvor eine Nichtentlastung diskutiert. Am Ende hätten aber nur einige Kommunen gegen den Kurs von Terium gestimmt, hieß es. Der frühere SAP-Finanzchef Werner Brandt soll Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Der RWE-Chef gliedert die Zukunftsbereiche des Unternehmens wie Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze in eine neue Gesellschaft aus, diese will er an die Börse bringen und so an frisches Geld für Investitionen kommen. „Wir wollen dieses Unternehmen zum Energiewende-Unternehmen Nummer eins in Deutschland machen“, sagte der Manager.

In der Muttergesellschaft bleibt noch das angeschlagene Geschäft mit den Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken sowie der Energiehandel. Dennoch sei die RWE AG Hauptprofiteurin der neuen Gesellschaft. Der Konzern solle langfristig größter Eigentümer bleiben und so von den Dividenden der Tochter profitieren. Zudem könne der Konzern jederzeit weitere Anteile verkaufen, um sich frisches Geld zu beschaffen. „Die Tochter sorgt für Stabilität und Perspektive ihrer Mutter“, versicherte Terium.

Der Manager selbst wird künftig an der Spitze der neuen Gesellschaft stehen, in der künftig zwei Drittel der derzeit rund 60 000 RWE-Beschäftigten arbeiten wird.

Zu Beginn der Hauptversammlung gab es Tumult. Umweltschützer störten mehrfach Teriums Rede und stürmten zwischenzeitlich sogar auf die Bühne der Essener Grugahalle. „Eure Zeit ist abgelaufen“, skandierten sie. Es dauerte mehrere Minuten, bis die Sicherheitskräfte die Lage im Griff hatten.

dpa

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