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„Recht auf mehr“: Frauen-Gehälter steigen nur langsam

Berlin/Frankfurt „Recht auf mehr“: Frauen-Gehälter steigen nur langsam

Gleiche Arbeit, kleineres Gehalt - so sieht auch im 21. Jahrhundert für viele Frauen die Realität aus. Das bringt deutliche Abschläge bei der Rente - angesichts der immer weiter gespreizten Einkommensschere wächst am unteren Rand das Armutsrisiko.

Berlin/Frankfurt. Von Kopf bis Fuß in Rot gekleidet oder zumindest mit roten Taschen wollen am Samstag Tausende Frauen auf einen hartnäckigen Missstand der reichen Bundesrepublik aufmerksam machen: Bei Löhnen, Gehältern und Renten klafft weiter eine riesige Lücke zwischen Frauen und Männern.

Die Farbe Rot soll dabei für die roten Zahlen auf dem Konto vieler Frauen stehen. Zu wenige Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Karrierelücken wegen Kindererziehung und Pflege Angehöriger, zu wenig Geld für „typische“ Frauenberufe und vielfach weiterhin deutliche Bezahlungsunterschiede bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit - die Probleme sind lange erkannt und es gibt politische Gegenmaßnahmen, doch der Weg ist mühsam und noch weit.

„Recht auf mehr“, konstatiert die bundesweite Gleichstellungsaktion von Frauenverbänden und Gewerkschaften am Samstag. Der sogenannte „Equal Pay Day“ am 19. März ist der Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland im statistischen Durchschnitt arbeiten müssen, um dasselbe Geld zu verdienen, das die Männer schon zum Jahresende auf dem Konto hatten.

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen die Kritik: Danach kamen Arbeitnehmerinnen 2015 auf durchschnittlich 16,20 Euro brutto je Stunde, das waren 21 Prozent weniger als Männer (20,59 Euro). Im Jahr zuvor hatte der Abstand noch 22 Prozent betragen. Es geht also ganz langsam voran.

Einer der Gründe dafür, dass sich die Kluft etwas verringerte, könnte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde zum 1. Januar 2015 sein, erklärten die Statistiker. Eine exakte Bewertung sei mit den Daten der vierteljährlichen Verdiensterhebung zwar nicht möglich. Der stärkere Anstieg der Stundenverdienste von Frauen im vergangenen Jahr gehe aber vor allem auf hohe Zuwächse bei den vom Mindestlohn betroffenen ungelernten und angelernten Arbeitnehmerinnen zurück. Besonders groß sind die Verdienstunterschiede in Westdeutschland mit 23 Prozent. In den neuen Ländern waren es nur 8 Prozent.

Bei den Alterseinkünften zeigt sich der Geschlechterunterschied vielfach noch deutlicher. Als gesetzliche Altersrente erhielten einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge Frauen 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1037 Euro. Hinzu kämen Betriebsrenten, bei denen Männer 2011 im Schnitt mit 574 Euro fast dreimal so viel Geld bezogen wie Frauen.

Rechnet man alle Alterseinkünfte einschließlich privater Vorsorge zusammen, bekommen Frauen nach Erkenntnissen der Rentenforscherin Brigitte Loose nur 43 Prozent der Bezüge der Männer. 1992 sei der Unterschied aber noch größer gewesen: Damals lagen die Frauen laut der Mitteilung nur bei 31 Prozent des Männer-Niveaus.

Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern schrumpfe ganz langsam, weil mehr Frauen erwerbstätig seien und Erziehungszeiten besser anerkannt würden, heißt es in der Studie, an der auch das Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt in Berlin war.

Die Ungerechtigkeit kann für viele Frauen auch gefährlich werden, denn der Wohlstand verlagert sich immer mehr nach oben und in den unteren Einkommensschichten wird der Wind rauer.

So erhöhten sich die Einkommen der wohlhabendsten Haushalte zwischen 2000 und 2014 um knapp 40 Prozent, wie aus einer Studie der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht, über die bereits die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete. Am unteren Ende stieg das verfügbare Einkommen hingegen nur um lediglich 6 Prozent und damit langsamer als die Verbraucherpreise. Halte der Trend an, könnte ein Teil der Bevölkerung vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt werden, warnte Studienautor Martin Müller.

Frauen kassieren ihre oft deutlich geringeren Renten wegen der größeren Lebenserwartung im Schnitt fünf Jahre länger als die Männer. Aber schon jetzt sind Frauen häufiger im Rentenalter auf staatliche Hilfe angewiesen als Männer: 2014 bezogen nach der WSI-Studie 314 000 Frauen im Alter Leistungen der Grundsicherung, aber nur gut 200 000 Männer.

dpa

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