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00:01 30.11.2017

Dämpfer für den Rekordjäger: Die Urlaubsbranche in MV bleibt erstmals seit langem hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Statt neuer Bestmarke verbuchen die Touristiker für die ersten neun Monate des Jahres ein Minus (knapp zwei Prozent) bei den Übernachtungen – im Gegensatz zum Rest der Republik. Beim gestrigen Tourismustag in Linstow haben rund 200 Vertreter der Branche diskutiert, was zu tun ist, damit aus dem kleinen Rückschlag kein langfristiger Trend wird. Das Motto: „Vorn bleiben“. Nur wie?

Ursachen . . .

. . . dafür, dass die Branche schwächelt, gebe es viele, sagt der Tourismusverbandsvorsitzende Wolfgang Waldmüller. Mieses Wetter, mangelhafte Verkehrs- und Internetanbindungen, Defizite bei Qualität und Service, personelle Engpässe – „Da wird aus dem erhofften Plus schnell ein leichtes Minus. Außerdem war unsere Konkurrenz ein Stück flinker als wir, hat mehr ins Marketing investiert.“ Tourismus sei eben kein Selbstläufer.

Lösungsansätze . . .

. . . sieht Tourismusminister Harry Glawe (CDU) in einer Werbeoffensive. „Wir müssen bekannter werden.“ Dafür stockt er den Etat des Tourismusverbandes MV auf: Je 800000 Euro gibt’s in den kommenden drei Jahren extra, macht ein Gesamtbudget von knapp drei Millionen Euro. Davon soll ein Großteil ins Marketing fließen. „Allein, zu wissen, wo ein Ort liegt, reicht aber nicht. Ich muss wissen, warum ich dahin kommen soll“, sagt Tourismusexperte Lars Bengsch vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr. MV habe sich vom „Motor zum Mitläufer“ im Tourismus entwickelt. Sein Rat: Gastgeber sollen zielgruppengenaue Reiseanlässe schaffen, Orte ihr Profil schärfen. „Mit Strand wirbt jeder. Sie brauchen ein Alleinstellungsmerkmal, das Begehrlichkeiten weckt.“ Mit einem solchen hat Fischland-Darß-Zingst Erfolg. Die Halbinsel vermarktet sich als Topdestination für Fotografie-Fans und kann auch in puncto Qualität überzeugen: Die dortigen Betriebe stehen bei Gästebewertungen auf der Online-Plattform trustyou.com besser da als alle anderen Landesteile. Dafür ist die Region gestern mit dem erstmals vergebenen „Qualitätsaward Tourismus“ ausgezeichnet worden. Ein Anreiz für die ganze Branche, hofft Waldmüller.

Defizite . . .

. . . gibt es bei der Umsetzung. Qualität statt Quantität, Zusammenarbeit statt Egotrips: Solche Schlagworte sind nicht neu – und werden doch noch nicht überall gelebt, räumt Glawe ein. „Es gibt Befindlichkeiten, die wir ausräumen müssen.“ Eine Region erreiche als Einheit mehr, als wenn sich lokale Akteure in Konkurrenzkämpfen untereinander aufreiben. „Wir brauchen eine koordinierte Zusammenarbeit. Unternehmen. Organisationen, Verwaltung und Politik müssen an einem Strang ziehen.“ Den Handlungsrahmen dafür soll die neue Landestourismuskonzeption bilden, die im kommenden Frühjahr veröffentlicht wird. Zudem entwickelt der Tourismusverband gerade ein Mess- und Kontrollsystem, an dem sich beispielsweise Zusammenhänge zwischen Qualitätsmerkmalen in Hotels und Gästebewertungen ablesen sowie nötige Maßnahmen ableiten lassen.

Sorge bereitet der Branche die Sperrung der A 20. „Nicht jammern“, appelliert der Präsident des Deutschen Tourismusverbands, Reinhard Meyer. „Das schreckt Gäste ab.“ Er empfiehlt: „Zeigen Sie, wie Sie trotzdem erreichbar sind.“ Glawe fordert indes schnelle Lösungen. Die Behelfsbrücken sollten zum 1. Juni 2018 stehen.

Neuen Schwung . . .

. . . verspricht sich die Branche von der ITB im nächsten Jahr. MV ist Partnerland der Internationalen Tourismusmesse (7.-11. März) und lässt sich das eine Million Euro kosten. Glawe: „Wir wollen die ITB mit Strandkörben überschwemmen und weltweit Schlagzeilen machen.“ Und die lauten dann im besten Fall: MV ist wieder das Top-Urlaubsland.

Antje Bernstein

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