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Rinder-Überraschung: Mozart für die schönsten Kühe

Karow Rinder-Überraschung: Mozart für die schönsten Kühe

Klassik im Stall: Ein Streichquartett spielt die „Kleine Nachtmusik“ für tierische Models.

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Klassik zwischen Kuhfladen: Ein Streichquartett begleitet das Schaulaufen Mecklenburg-Vorpommerns schönster Kühe.

Quelle: Frank Söllner

Karow. Nervös tänzelt Blackwhite durch den Ring. Das Model blinzelt ins grelle Scheinwerferlicht und spitzt die Ohren. Das Morgenstern-Streichquartett spielt Mozarts „Kleine Nachtmusik“. Die Klassik-Klänge mischen sich mit Pfiffen und Applaus von der Tribüne. Blackwhite bleibt cool. Stolz lässt sich die Milchkuh von André Eggert, Mitarbeiter der ADAP Rinderzucht GmbH Ahrenshagen (Landkreis Vorpommern-Rügen), durch den Ring führen. Jetzt zählt jede Bewegung, jeder Blick. Denn gleich wird sie gekürt, die Miss Karow. Die schönste Kuh Mecklenburg-Vorpommerns.

Das tierische Schaulaufen ist der jährliche Höhepunkt der Rinderzüchter. 130 Kühe aus 45 Betrieben des Landes konkurrieren bei der Verbandsschau „Rind aktuell“ in Karow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) um den Grand-Champions-Titel. In vier Altersklassen gehen die schwarz- und rotbunten Holstein-Rinder ins Rennen um die Preisrichter-Gunst. In der Kategorie der Färsen dominiert Stacey aus Kurzen Trechow (Landkreis Rostock) die Konkurrenz. Züchter Stephan Springborn ist begeistert. „Das hätt‘ ich nicht gedacht“, sagt er. Für die Finalrunde aber rechnet er sich keine großen Chancen aus. „Ich glaub‘, es wird eher eine ältere Kuh, die schon mehr geleistet hat.“ Liebevoll krault er seine Stacey hinterm Ohr und führt sie hinaus in den Ring — vom Kuhstall geht es auf den Laufsteg. Auch die Konkurrenz reiht sich vor dem Publikum auf. Wer wird MVs next Top-Kuh?

Die Kühe haben einen wahren Beauty-Marathon hinter sich. Backstage wird nichts dem Zufall überlassen. Waschen, Föhnen, Scheren — die Models kommen schon morgens um 6 Uhr in die Maske. Eine Handvoll Creme lässt die voluminösen Euter glänzen. Glitzerspray funkelt im schwarzbunten Fell. Die Topline — die Haarlinie auf dem Kuhrücken — wird aufgestylt. Kurz vor dem Auftritt wird nachgelegt. Noch eine Dosis Haarspray. Perfekt. Karow, 14.30 Uhr: Die Frisur sitzt. Doch nicht nur Optik zählt. Auch ansprechend präsentieren müssen sich die tierischen Models. Fünf Tage Laufstegtraining stehen für die Rinderdamen auf dem Programm, bevor sie ihren großen Auftritt haben. „Sie müssen lernen, am Halfter zu laufen. Das zu schaffen, macht den Reiz hier aus“, erklärt Andreas Nimke vom RMV. So manche Kuh lerne es nie, schaffe es gar nicht aus dem Stall, erzählt er. Starallüren zwischen Kuhfladen.

Blackwhite hingegen sonnt sich im Blitzlichtgewitter begeisterter Rinderfans. Mit prallem Euter, perfektem Zahnstand und grazilen Beinen lässt sie die Herzen der Landwirte höherschlagen. Doch kann sie auch bei Manfred Uhrig punkten? Der Preisrichter umkreist die vier Finalisten. Die Spannung steigt. Dann das Sieger-Zeichen: Der Richter gibt Blackwhite einen Klaps aufs Hinterteil. André

Eggert ballt die Siegerfaust. Blackwhite guckt verdutzt in unzählige Kameraobjektive, die nun auf sie gerichtet sind. Ob Wildgirl, Rihanna oder Olivienne — die Konkurrentinnen hatten keine Chance gegen die zehnjährige Rinderdame. 100 000 Liter Milch hat Blackwhite in ihrem Leben bereits gegeben, etliche Kälber geboren und dennoch: Die Diva beweist Topmodel-Qualitäten und stiehlt selbst dem Nachwuchs die Show.

Die Verbandsschau „Rind aktuell“
170 000 Milchkühe leben in den Ställen Mecklenburg-Vorpommerns. Alljährlich konkurrieren die Besten unter ihnen um den mit einem Geldpreis dotierten Titel „Miss Karow“. Bei der Verbandsschau „Rind aktuell“ werden Körperbau, Beine und Euter der Tiere bewertet. Aber auch mit ihrer Ringpräsenz müssen die Kühe überzeugen. Rund 600 Gäste verfolgen die jährliche Milchrind-Schau. Bei der zweitägigen Veranstaltung bieten Züchter aus Deutschland, Kanada, den USA und Italien ihre Tiere zum Kauf an.

Antje Bernstein

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