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Rostock: Windstrom-Firmen droht massive Flaute

Rostock Rostock: Windstrom-Firmen droht massive Flaute

Neue Gesetze sollen die Errichtung neuer Anlagen ab diesem Jahr erheblich drosseln / Ex-UN-Umweltbeauftragter Klaus Töpfer kommt zur Branchenkonferenz an die Ostsee

Rostock. Die deutsche Windkraft-Branche trifft sich heute und morgen zur „Zukunftskonferenz Wind und Maritim“ in Rostock. Klaus Töpfer (CDU), Ex-Bundesumweltminister und früherer Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, wird die Eröffnungsrede halten. Anschließend diskutieren 350 Unternehmer, Fachleute, Lobbyisten, die zum Teil aus dem europäischen Ausland anreisen, über Themen wie Technik, neue Märkte bis hin zum „Auf- und Abbau von Windenergieanlagen“.

Eigentlich könnte man Jubelstimmung in den Fluren und Konferenzräumen der Rostocker Hansemesse erwarten: Die Windstrom-Branche blickt zurück auf ein Rekordjahr. Laut Bundesverband Windenergie gingen 2015 knapp bundesweit 1700 neue Anlagen ans Netz, ein Drittel davon auf See („offshore“). Ihre Gesamtleistung beträgt 5800 Megawatt.

Doch die goldenen Zeiten sind vorbei, die Aussichten eher düster. Der zunehmende Ökostrom-Anteil lässt den Strompreis immer weiter steigen. Das will die Bundesregierung in diesem Sommer mit einer Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) beenden. Und das verheißt nichts Gutes für die Windstrom-Branche, die in MV laut Energieminister Christian Pegel (SPD) 14000 Menschen beschäftigt.

In den kommenden Jahren soll eine abgesenkte Obergrenze dafür sorgen, dass die Zahl der neu aufgestellten Anlagen abnimmt. Nur noch 2500 Megawatt jährlich beträgt das bislang geplante Kontingent pro Jahr. Zusätzlich sollen die neuen Windparks in Zukunft ausgeschrieben werden. Bisher gilt noch das „Windhundprinzip“ — wer zuerst da ist, darf seine Windräder aufstellen. „Wir haben überhaupt nichts gegen Ausschreibungen“, sagt Andree Iffländer, Vorsitzender des Windenergy-Networks, Veranstalter der Zukunftswerkstatt. Das Problem sei, dass die neuen Bedingungen, zusammen mit der Ausbau-Obergrenze, große Konzerne bevorzugen. Die vor allem in MV eher mittelständisch geprägte Branche werde das zu spüren bekommen. „Die kleinen Ingenieur-Büros und Dienstleister sind in Gefahr“, warnt Iffländer. Vor allem der Ausbau auf See droht ins Stocken zu geraten. Hier sollen laut Iffländer zwei Drittel der bislang angeschobenen Projekte wegfallen — eine Nebenwirkung der neuen Obergrenzen. „Hier werden kleine Unternehmen faktisch enteignet“, kritisiert der Experte. Betriebe, die jahrelang ein Windpark-Projekt bis zur Genehmigung brachten, stünden vor dem Nichts, wenn sie bei der Ausschreibung leer ausgehen. In der Summe führe das alles dazu, dass Deutschland die Klimaschutzziele von Paris verfehlen werde. „Es geht in die völlig falsche Richtung“, sagt Iffländer.

In MV gebe es für die Firmen weitere Erschwernisse, meint Andreas Jesse, Landesvorsitzender des Windenergieverbandes. Dazu zählten das neue Bürgerbeteiligungsgesetz sowie technische Auflagen, die es nur im Nordosten gebe. Beides schade den kleinen Firmen ungleich mehr als den großen.

Auch Energieminister Pegel (SPD) geht für die nächsten Jahren von einem „geringen Tempo“ beim „Zubau von Anlagen“ aus. „Ich bin dennoch guter Dinge, dass die Windbranche auch weiter gute Arbeitsplätze in unserem Land schaffen wird“, sagt er.

Von Gerald Kleine Wördemann

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