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Royales Casting - Suche nach einer Weinprinzessin

Iphofen Royales Casting - Suche nach einer Weinprinzessin

„Jung, fesch, ledig, intelligent“ - und noch einiges mehr: Weil geeignete Kandidatinnen fehlen, suchen Iphofens Winzer ihre neue Weinprinzessin mit einer großen Anzeige im Gemeindeblatt. Bayernweit sind die Jobs als königliche Hoheit für die Landwirtschaft aber noch immer beliebt.

Iphofen. „Nein, kein Interesse“: Die junge Frau lacht und blickt von ihrem Eisbecher auf. Auch die beiden Studentinnen am Nachbartisch schütteln den Kopf.

„Ich liebe Wein“, sagt eine. Aber ihn und die örtlichen Winzer repräsentieren? Nein, dafür fehle neben Ausbildung und Studium die Zeit, dafür wüssten sie auch zu wenig über den edlen Tropfen, sagen die Frauen vor dem Café in der Iphöfer Altstadt. Die Suche nach einer neuen Weinprinzessin für die unterfränkische Weinstadt geht weiter.

Christina Lutz trägt die Krone als oberste Repräsentantin der Iphöfer Winzer bereits seit zwei Jahren - da wird es langsam Zeit für eine Nachfolgerin. Doch dem Weinbauverein fehlt eine Kandidatin. Verzweifelt sei man noch nicht, sagt Präsident Johannes Ruck. Aber schwierig sei die Suche nach einer geeigneten Weinprinzessin in diesem Jahr schon etwas.

Die Winzer werben nun mit einer Anzeige im Gemeindeblatt um Bewerberinnen. Motto: „Plötzlich Prinzessin?“. Großformatig und prominent platziert wird in den „Iphöfer Nachrichten“ eine hübsche, ledige und intelligente junge Frau, „weltoffen, gut informiert und mit viel Wissen vom Fach“. Wichtiger als die vielen Eigenschaften sei dem Verein aber, dass die künftige Prinzessin gut mit Menschen umgehen könne, betont Ruck. 

Im Gegenzug stellt der Weinbauverein einen Zuschuss zur hoheitlichen Kleidung bereit und verspricht via Anzeige „Anerkennung und „Likes““. Die junge Frau wird schließlich ein Aushängeschild der Stadt. Wie in den meisten Weinorten Frankens repräsentiert die Weinprinzessin sie bei Tourismus-Messen, besucht Winzerfeste, Weingüter und Veranstaltungen im Umland.

Vor allem im Sommer gibt es laut Ruck kaum ein Wochenende ohne Termine. Doch während Sportvereine, Musikkapellen oder Rettungskräfte über sinkende Zahlen junger Ehrenamtlicher klagen, gibt es bei der Suche nach Weinprinzessinen und königlichen Vertretern anderer Branchen bislang wenig grundsätzliche Probleme. 

„Ich bin eher immer überrascht, wie viele junge Frauen sich für den Wein engagieren“, sagt der Geschäftsführer des fränkischen Weinbauverbands, Hermann Schmitt. Mehr als 80 junge Frauen repräsentieren zurzeit ihre fränkischen Heimatorte, auch für die Wahl zur Fränkischen Weinkönigin fand sich in den vergangenen Jahren stets mindestens eine Kandidatin. 

Fällt die Suche doch mal schwer, liegt das Schmitt zufolge häufig an schwachen Geburtenjahrgängen. Kreative Ideen gibt es dann immer wieder: Im Iphöfer Ortsteil Possenhofen gibt es zum Beispiel seit zwei Jahren einen Weinprinzen.

Beim Bayerischen Brauerbund gibt es keine Probleme: Seit 2009 kürt er eine Bierkönigin, Herkunft egal - und der Posten erfreut sich unter jungen Frauen größter Beliebtheit. 116 Thronanwärterinnen haben sich nach Angaben eines Sprechers in diesem Jahr beworben, der Auswahlprozess ist mit einer Internet-Abstimmung und einem Festabend auf größtmögliche Publikumsresonanz ausgelegt.

Die hat der Weinbauverein in Iphofen inzwischen auch erreicht, die Anzeige ist Stadtgespräch. Angesichts von mehr als 20 Winzerfamilien und der langen Tradition der Weinstadt dürfte der Kandidatenmangel ohnehin nur vorübergehend sein. Und Johannes Ruck ist auch für die kommenden Monate und Winzerfeste zuversichtlich: Ein paar junge Frauen hätten bereits auf die Anzeige reagiert und Interesse bekundet, erzählt er.

dpa

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