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Wirtschaft Ruinöse Rabatte: Jetzt ist Praktiker pleite
Nachrichten Wirtschaft Ruinöse Rabatte: Jetzt ist Praktiker pleite
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04:22 12.07.2013
Schluss mit Dauer-Rabatten bei Praktiker. Quelle: dpa

Nie wieder „20 Prozent auf alles“. Nie mehr Rabatt-Angebote, die dem Hobby- Handwerker Freudentränen in die Augen treiben: Die Baumarktkette Praktiker hat gestern wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren beantragt. Der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hamburg sei für die Praktiker- sowie für die Extra-Bau+Hobby-Märkte gestellt worden, teilt das Unternehmen mit. Alle diese Märkte würden uneingeschränkt fortgeführt. Die Firmentochter Max Bahr mit 132 Märkten und das Auslandsgeschäft sollen von der Pleite jedoch nicht betroffen sein.

Die Insolvenz sei eine menschliche und existenzielle Tragödie für die Mitarbeiter, erklärt die Gewerkschaft Verdi.

Die Baumarktkette hat zurzeit etwa 20 000 Mitarbeiter, davon 12 000 in 315 Baumarkt-Filialen in Deutschland. Je die Hälfte sei bei den beiden Konzern-Marken Praktiker sowie Max Bahr beschäftigt, teilt ein Sprecher mit. 2012 lag der Umsatz bei fast drei Milliarden, die Schuldenlast bei 500 Millionen Euro. Die Kette wird von mehreren Anteilseignern beherrscht. Sie will jetzt eine „Regelinsolvenz mit dem Ziel, einen Sanierungsplan zu erstellen“, einleiten.

In den Baumärkten fürchten viele Mitarbeiter jetzt, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. „In Mecklenburg-Vorpommern betreiben wir zurzeit noch drei Praktiker-Märkte, in denen insgesamt 154 Mitarbeiter tätig sind“, sagt Jessica Horn, Referentin der Pressestelle der Praktiker AG in Hamburg: in Sievershagen bei Rostock, in Langendorf bei Stralsund und in Neubrandenburg. Über die Schließung von Märkten oder Entlassungen von Mitarbeitern in MV könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts gesagt werden, erklärt Jessica Horn. Weitere drei vormalige Praktiker-Märkte in MV seien im Herbst 2012 auf die Tochtermarke Max Bahr umgestellt worden: in Bentwisch bei Rostock, in Gägelow bei Wismar und in Greifswald.

Die finanziellen Probleme der Kette sind nicht neu: Sie schreibt seit Jahren rote Zahlen, ein Hauptgrund dafür — die fehlgeschlagene Rabattstrategie „20 Prozent auf alles“. Vorgestern erst waren Verhandlungen über weitere Finanzierungen endgültig gescheitert. Einzelne Gläubigergruppen hätten nicht zugestimmt, hieß nes.

Die Mitarbeiter der Praktiker- und der Extra-Bau+Hobby-Märkte wollten zur Firmen-Rettung für drei Jahre auf je fünf Prozent des Jahresgehalts verzichten, heißt es bei Verdi. Ein Tarifvertrag war im Oktober 2012 abgeschlossen worden. „Umso bitterer ist es, dass nun infolge der Insolvenz viele der Menschen ihren Arbeitsplatz und damit ihre berufliche Existenz verlieren könnten“, erklärt Stefanie Nutzenberger, Verdi-Vorstand für den Handel.

Bernhard Schmidtbauer

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