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Wirtschaft Ryanair-Piloten wollen streiken - Airline lehnt Gespräche ab
Nachrichten Wirtschaft Ryanair-Piloten wollen streiken - Airline lehnt Gespräche ab
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18:42 12.12.2017
Ein Flugzeug von Ryanair in Dublin: Termine für die angekündigten Streiks gibt es noch nicht. Quelle: Niall Carson/pa Wire/dpa
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Frankfurt/Main

Beim irischen Billigflieger Ryanair könnte es erstmals in der Unternehmensgeschichte zu europaweiten Pilotenstreiks kommen. Die Fluggesellschaft und ihre Passagiere müssen sich unter anderem in Deutschland auf Verspätungen und Flugausfälle einrichten.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kündigte am Dienstag für die zehn deutschen Ryanair-Basen Arbeitskämpfe an, ohne genaue Termine zu nennen. Man wolle der Fluggesellschaft Gegenmaßnahmen erschweren, sagte dazu der VC-Präsident Ilja Schulz in Frankfurt. Die Passagiere würden rechtzeitig informiert und über die Weihnachtstage vom 23. bis 26. Dezember von Streiks verschont.

Zuvor hatten Gewerkschaften in Portugal und Italien zu Arbeitskämpfen aufgerufen. Die Italiener wollen bereits am Freitag für vier Stunden die Arbeit niederlegen. Die irische Pilotenvereinigung IALPA kündigte am Dienstag einen eintägigen Streik Dutzender Ryanair-Piloten für den 20. Dezember an.

Die Gewerkschaften werfen der 1985 gegründeten Ryanair vor, den europaweiten Flugbetrieb mit unsozialen Arbeitsbedingungen nach irischem Recht für die inzwischen rund 4000 Piloten zu organisieren. Es gebe keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine verbindlichen Dienstpläne, keine Altersvorsorge und ein weit verbreitetes System von scheinselbstständigen Piloten, kritisierte VC-Präsident Ilja Schulz.

Gerade Berufseinsteiger werden laut VC nicht direkt bei Ryanair eingestellt, sondern angehalten, eigene Mini-Gesellschaften nach britischem oder irischem Recht zu gründen und dann ihre Arbeitsleistung als Selbstständige anzubieten.

Die Fluggesellschaft, die mit den angeblich niedrigsten Ticketpreisen für sich wirbt, lehnte Verhandlungen mit der VC trotz der Streikandrohung kategorisch ab. „Ryanair hat keine Mitteilung über Arbeitskampfmaßnahmen deutscher Piloten erhalten“, hieß es in einem Statement der Airline. Man gehe daher davon aus, dass es sich um reine Öffentlichkeitsarbeit der Pilotenvereinigung handle.

Wenn es zu Streiks kommen sollte, werde man sich damit „frontal“ auseinandersetzen. In keinem Fall aber werde man mit der VC verhandeln oder die Gewerkschaft anerkennen. Auch angesichts des angekündigten Streiks in Dublin zeigte sich Ryanair unnachgiebig.

Die VC will nach eigenen Angaben Tarifverhandlungen erzwingen, um „marktgerechte Arbeits- und Vergütungsbedingungen“ für die rund 400 in Deutschland stationierten Piloten zu erreichen. Als Maßstab sieht die VC die Tarifverträge der Tuifly an, die wie Ryanair eine Flotte von Boeing-737-Flugzeugen betreibt. Bei Tuifly seien zum einen die Arbeitsbedingungen klar definiert, zum anderen liege die Vergütung etwa 30 Prozent über dem Niveau der Ryanair, erläuterte Schulz.

In Kooperation mit anderen europäischen Pilotengewerkschaften will die VC aktuelle Personalprobleme der Iren ausnutzen, die aus Pilotenmangel bereits rund 20.000 Flüge im Winterflugplan streichen mussten. Laut VC verlassen Piloten in großer Zahl die Ryanair, um bei anderen Gesellschaften zu besseren Bedingungen anzuheuern.

Im laufenden Jahr werde etwa jeder fünfte der rund 4000 Piloten die irische Gesellschaft verlassen, sagte Schulz. Ryanair muss gleichzeitig zusätzliche Crews für das weiterhin geplante Wachstum anheuern. Die Flotte soll im kommenden Sommerflugplan auf rund 430 Maschinen ausgebaut werden. Ryanair bestreitet, dass man Personalprobleme habe.

Die VC koordiniere sich sehr eng mit den anderen Gewerkschaften in Europa, schilderte die Ryanair-Kapitänin und Sprecherin der VC-Tarifkommission, Tina Hausmann. Zusätzlich zu den jeweiligen nationalen Tarifverträgen strebe man ein übergeordnetes, europaweites Bezahlsystem für alle Ryanair-Piloten an. Es gebe bereits in Irland, Portugal, Spanien, Italien, Niederlanden, Schweden und Deutschland öffentlich bekanntgemachte Tarifkommissionen. In Belgien und Großbritannien werde dieser Schritt vorbereitet.

„Wie sollten Ryanair-Piloten systematisches Sozialdumping anders durchbrechen, als mit gewerkschaftlichen Mitteln? Und wenn nicht jetzt, wann sonst gibt es eine realistische Chance, damit erfolgreich zu beginnen?“, fragte der VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher, der für die VC bereits den harten Arbeitskampf mit 14 Streikrunden bei der Lufthansa ausgefochten hat. Die Gewerkschaft droht auch Ryanair mit einem langen Arbeitskampf: „Der Streik dauert so lange, bis in diesem Unternehmen Tarifverträge erreicht sind“, erklärte VC-Chef Schulz.

„Die Piloten haben es satt, sich so behandeln zu lassen. An dem Willkür-System muss sich etwas ändern“, sagte der VC-Chef weiter. Die lokalen Ausschüsse an den Ryanair-Basen seien nicht von den Piloten gewählt worden und besäßen keine Verhandlungsmacht. Tarifverträge könnten nur mit den von den Piloten selbst beauftragten Gewerkschaften abgeschlossen werden: „Wir sind in Deutschland die Ryanair-Gewerkschaft und wir sind stolz drauf.“

Auch die deutsche Kabinengewerkschaft Ufo will mit Ryanair über einen nationalen Tarifvertrag für die in Deutschland stationierten Flugbegleiter verhandeln und wirbt dafür in der Belegschaft um Mitglieder. Eine Kooperation mit den Piloten gibt es aber laut VC bislang nicht.

dpa

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