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Nachrichten Wirtschaft Piloten und Flugbegleiter bestreiken Ryanair
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12:12 12.09.2018
Beim Billigflieger Ryanair wollen erneut die Piloten streiken. Quelle: Virginie Lefour/belga
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Frankfurt/Dublin

Wegen des ersten gemeinsamen Streiks von Piloten und Flugbegleitern bei Ryanair sind am Mittwoch etliche Flüge ausgefallen.

Die irische Fluggesellschaft hatte bereits im Vorfeld 150 der geplanten 400 Verbindungen von und nach Deutschland abgesagt, wollte aber das übrige Programm erfüllen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zeigte sich hingegen optimistisch, dass am Ende des Tages wesentlich mehr Flüge, nämlich zwischen 60 und 70 Prozent ausfallen. Bei dem Ausstand geht es um erstmalig abzuschließende Tarifverträge für höhere Gehälter sowie bessere Arbeitsbedingungen.

Das Unternehmen teilte per Twitter mit, dass die verbliebenen 30 Morgenflüge aus Deutschland planmäßig gestartet seien. Der gemeinsame 24-Stunden-Streik von Piloten und Flugbegleitern hatte am Mittwochmorgen begonnen und sollte noch bis Donnerstag um 2.59 Uhr dauern. Bis dahin müssen Ryanair-Passagiere in Deutschland mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Die Piloten und Flugbegleiter wollen am Donnerstag ihren Dienst wieder antreten.

Die Gewerkschaften Verdi und VC reagierten empört auf Drohungen des Managements, bei fortgesetzten Streiks in Deutschland Jobs zu streichen. Dies könne vor allem kleinere Basen mit ein bis vier dort stationierten Flugzeugen treffen, die im Winter Verluste machten, hatte Ryanair-Organisationschef Peter Bellew am Dienstag gesagt.

„Es ist ein absoluter Skandal, wenn hier Mitarbeiter bedroht werden, die ihren Grundrechten nachgehen“, sagte VC-Vize Markus Wahl am Mittwoch in Frankfurt. Das zeige erneut, dass Ryanair versuche, die Beschäftigten mit der Angst um den Arbeitsplatz unter Druck zu setzen. Allerdings belege die hohe Streikbeteiligung, dass diese Mittel nicht mehr wirkten.

„Die Zeit der absoluten Einschüchterung ist vorbei“, sagte die Verdi-Luftverkehrsekretärin Katharina Wesenick nach einer Protestaktion mit rund 70 Flugbegleitern am Frankfurter Flughafen. Für das deutsche Kabinenpersonal ist es der erste Streik bei dem Billigflieger, während die Piloten bereits im August eine erste Streikwelle organisiert hatten. Beide Gewerkschaften berichteten von einer sehr hohen Beteiligung an ihren aktuellen Aktionen.

Da es immer noch Befürchtungen über berufliche Nachteile gebe, hatten die Teilnehmer der Aktion am Frankfurter Flughafen Masken mit dem Konterfei von Airline-Chef Michael O'Leary aufgesetzt. Auf Plakaten wurde gefordert „Ryanair stop squeezing out your crew“ (Hör auf, deine Besatzung auszupressen). Dazu wurden Zitronen verteilt.

Insgesamt steuert Ryanair 19 deutsche Flughäfen an. Passagiere konnten dem Unternehmen zufolge kostenfrei umbuchen oder den Ticketpreis zurückerhalten. Darüber hinausgehenden Schadenersatz lehnt die Gesellschaft unter Verweis auf EU-Recht ab und lässt es in dieser Frage auf einen Prozess mit dem Flugrechte-Portal AirHelp ankommen.

An den Berliner Airports Schönefeld und Tegel seien mehr als die Hälfte der Flüge annulliert worden, sagte ein Verdi-Sprecher am Morgen. Dutzende Flugbegleiter hätten sich mit Transparenten in Schönefeld versammelt.

In Nordrhein-Westfalen strich Ryanair in Köln/Bonn nach Angaben eines Flughafensprechers zunächst 20 seiner geplanten 56 Starts und Landungen. In Weeze sollten nach den Worten eines Sprechers 12 der 28 Ryanair-Flüge ausfallen.

In Hamburg gab es dagegen bisher kaum Auswirkungen auf den Flugverkehr, nur bei 2 der dort 14 vorgesehenen Flüge erwartete der Airport Ausfälle. In Bayern waren München und Memmingen nicht vom Streik betroffen, während in Nürnberg 6 der 20 Ryanair-Verbindungen ausfallen sollten. Am größten deutschen Ryanair-Standort Frankfurt waren am Mittag 28 von 44 Starts und Landungen abgesagt.

„Wir glauben, dass wir erfolgreich sein können und dass Ryanair an den Verhandlungstisch zurückkehrt“, sagte VC-Mann Wahl. Etwas Besonderes sei diesmal die gemeinsame Koordination der Aktion mit den Kollegen des Kabinenpersonals. „Man sieht dadurch, wie prekär die Situation bei Ryanair offensichtlich ist“, meinte der Gewerkschafter.

Das Unternehmen schirmt sich zunehmend gegenüber der Öffentlichkeit ab. Für die am 20. September geplante Hauptversammlung wurden die Medien ausgeladen, auch eine Pressekonferenz soll es hinterher nicht geben, wie Ryanair in London bestätigte. Man wolle den Anteilseignern die Möglichkeit einer offenen Diskussion geben, hieß es zur Begründung. Laut „Handelsblatt“ scheint es unter den lange Zeit erfolgsverwöhnten Anlegern zu rumoren, weil die Ryanair-Aktie seit Beginn der Streiks deutlich an Wert verloren hat.

dpa

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