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Ryanair landet im Lufthansa-Nest Frankfurt

Streit um Gebührenrabatte Ryanair landet im Lufthansa-Nest Frankfurt

Bislang landen am teuren Frankfurter Flughafen kaum Billigflieger. Der Betreiber Fraport will das gemeinsam mit Ryanair gründlich ändern und verärgert damit den Hauptkunden Lufthansa nachhaltig.

Frankfurt/Main. Die Landung des Billigfliegers Ryanair im Lufthansa-Nest Frankfurt hat heftigen Streit um Neukundenrabatte bei den Flughafengebühren ausgelöst.

Die Nachlässe soll Flughafenbetreiber Fraport der irischen Fluggesellschaft eingeräumt haben - allerdings auf der Grundlage einer Gebührentabelle, die das Land Hessen noch nicht genehmigt hat. Der Fraport-Hauptkunde Lufthansa und andere Fluggesellschaften wandten sich gegen Sonderpreise für die Konkurrenz.

Von Ende März 2017 an will Ryanair zwei Boeing-Mittelstreckenjets in Frankfurt stationieren - und startet damit den Angriff auf die Heimatbasis der Lufthansa. Zunächst sollen Ferienziele in Spanien und Portugal angeflogen werden, ein schnelles Wachstum wird angestrebt.

Ryanair beginnt mit einem Angebot von vier Flügen pro Tag. Die ersten Ziele sind Mallorca, Alicante und Malaga in Spanien sowie das portugiesische Faro. Anfänglich erwarten die Iren in Frankfurt lediglich 400 000 Passagiere pro Jahr. Zum nächsten Winter soll das Flugangebot aber deutlich wachsen.

Fraport hat beim hessischen Verkehrsministerium ein neues System von Gebührenanreizen zur Genehmigung eingereicht. In deren Genuss sollen Airlines kommen, wenn sie Flugverbindungen zu neuen Zielen einführen. Zudem soll es Anreize für Gesellschaften wie Ryanair geben, die gänzlich neu antreten.

Laut Fraport-Chef Stefan Schulte bewegen sich die geplanten Nachlässe im international üblichen Rahmen. Dabei bekämen die Airlines im ersten Jahr typischerweise 40 bis 50 Prozent der gezahlten Passagierentgelte zurückerstattet. Binnen drei Jahren würden diese Rabatte dann zurückgefahren. Mit der Billigung des neuen Anreizsystems rechnet der Manager in den nächsten zwei Wochen. „Wir gehen fest davon aus, dass es genehmigt wird.“

Während Condor-Chef Ralf Teckentrup gegen das beantragte „wettbewerbsverzerrende Subventionierungsmodell“ der Fraport wetterte, freute sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr über die Aussicht auf deutliche Einsparungen. Lufthansa werde in Frankfurt nicht mehr bezahlen als Ryanair, sagte er am Mittwoch. So könne sein Unternehmen 200 bis 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Dafür sei er Ryanair-Chef Michael O'Leary sehr dankbar. „ So sehr können uns die Ryanair-Flugzeuge gar nicht ärgern, wie uns die sinkenden Gebühren helfen werden“, sagte Spohr. Er könne sich nicht vorstellen, dass das Ministerium unterschiedliche Gebühren genehmigen werde. Sonst werde Lufthansa nur die niedrigeren Ryanair-Gebühren überweisen.

Das vom Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir geführte Ministerium hat eine Prüfung bis deutlich vor Jahresende versprochen. Neukunden-Anreize hält man dort grundsätzlich für möglich. Es sei wichtig, dass die Anregungen grundsätzlich allen Neubewerbern offenstünden. Bislang sei nicht zu erkennen, dass Fraport eine „Lex Ryanair“ schaffen wolle. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nannte die Kriterien für die Neukunden-Rabatte „nachvollziehbar“.

Spohr schloss nicht aus, dass die Lufthansa als Reaktion künftig ihre Billigmarke Eurowings auch in Frankfurt an den Start schicken wird. Das werde aber nicht vor 2018 der Fall sein. Eigentlich wollte die Lufthansa ihre Drehkreuze Frankfurt und München den klassischen Netzwerk-Marken Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines vorbehalten. Allerdings soll Eurowings im kommenden Jahr bereits in München antreten, nachdem dort Easyjet und Transavia die Lufthansa mit Billigflügen herausfordern.

Der Preiskampf in der Luftfahrt zwingt die Lufthansa weiter zum Umsteuern. Deutschlands größte Fluggesellschaft hat ihre Wachstumspläne weiter zusammengestrichen. „Dem Preisdruck im Luftverkehr begegnen wir mit konsequenter Kapazitäts- und Kostendisziplin“, sagte Vorstandschef Spohr. Im laufenden Geschäft will er 2016 auf diese Weise ähnlich viel Gewinn einfliegen wie im Vorjahr. Im Sommer bescherte die Betriebsrenten-Einigung mit den Flugbegleitern dem Dax-Konzern einen Sondergewinn.

dpa

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