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Sanddorn, Holunder, Asimina

Gülzow Sanddorn, Holunder, Asimina

Die Versuchsstation der Landesforschungsanstalt in Gülzow ist auf seltene Obstarten spezialisiert. Getestet werden aber auch traditionelle Kulturen wie Äpfel, Kirschen und Pflaumen.

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Erläuterte die Versuche auf der Plantage: Dr. Friedrich Höhne (64). International gilt der Gülzower Obstbau-Chef als Sanddornspezialist.

Gülzow. Es war wie bei einem Familientreffen gestern in der Versuchsplantage der Landesforschungsanstalt in Gülzow (Landkreis Rostock): Rund 70 Obstbauexperten aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen waren gekommen, um die letzte Frühjahrsführung von Dr. Friedrich Höhne (64) zu erleben. Der international anerkannte Wissenschaftler geht zum Jahresende in den Ruhestand. Für dieses Jahr prognostiziert er generell eine gute Obsternte. „Die meisten Bäume haben reichlich Früchte angesetzt“, sagt der Fachmann.

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Die Versuchsstation der Landesforschungsanstalt in Gülzow ist auf seltene Obstarten spezialisiert. Getestet werden aber auch traditionelle Kulturen wie Äpfel, Kirschen und Pflaumen.

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Handel will nur wenige Einheitssorten

Viele kleine Früchte tragen auch bereits die Gülzower Apfelbäume. Äpfeln wird in der Versuchsstation der meiste Platz eingeräumt, denn in den professionellen Obstbaubetrieben spielen sie die größte Rolle. Rund 100 Apfelsorten – 30 neuere und 70 Traditionssorten – werden in der Plantage getestet. Die Obstbauern bedauern, dass der Handel an vielen guten Sorten kein Interesse zeigt. Die Ketten orientieren auf einige, wenige Einheitssorten. Zu den Traditionssorten, die im Küstenklima gut gedeihen, gehören Roter Boskoop und die zu DDR-Zeiten gezüchtete Sorte Carola.

Früchte für Allergiker – Topaz und Santana

Johannes Eggert (72), der mit seinem Sohn Sylvio das Obstgut Stralsund betreibt, empfiehlt aber auch die Sorten Topaz und Santana. „Die bekommen selten Schorf und sind für Allergiker geeignet, die sonst keine Äpfel vertragen“, weiß der Seniorchef, der mehr als 50 Jahre Obstbau-Erfahrung besitzt. Der Betrieb habe das mit 100 Probanden getestet.

Lokale Spezialität: Vitaminbombe Sanddorn

In der norddeutschen Gartenbau-Kooperation ist Mecklenburg-Vorpommern neben Gemüse auch für Spezialkulturen im Obstbau zuständig. Lokales Spezifikum sind die an Vitamin C besonders reichen Sanddornbeeren. Gerald Fischer baut die „Zitrone des Nordens“ seit acht Jahren auf 15 Hektar in Behrenshagen bei Ribnitz-Damgarten an, vor allem für Marmelade und Likör. „Sanddornprodukte sind gerade bei Urlaubern sehr gefragt“, weiß der Mann, der mehrere Supermärkte betreibt. Fischer sucht Sorten mit viel Aroma und gutem Ertrag.

Exotische Indianerbanane

gilt als Trendsetter

Martin Schütz vom Rostocker Gartenfachmarkt „Grönfingers“ interessiert sich für einen Exoten, die Indianerbanane (Asimina triloba). „Die Indianerbanane ist bei Kunden zunehmend gefragt“, berichtet der in seiner Firma für Obstgehölze zuständige Spezialist. Auch Obstforscher Höhne schwärmt für den Neuling: „Cremiges Fruchtfleisch und ein Geschmack nach Melone und Ananas.“

Auffallend schön sind auch die lila Blüten. Das Problem: Damit der Exot Früchte trägt, sollte in der Nähe eine zweite Pflanze stehen.

Rotblättriger Holunder ist im Garten eine Zierde

In Mode gekommen ist auch der Holunder. Seine hellen, aromatischen Blüten sind für Saft, Gelee und Prosecco vielseitig verwendbar. Die schwarzen Beeren gelten als altes Hausmittel bei Erkältungskrankheiten. Überraschung: Holunder gibt es auch mit rosa Blüten und kräftig-roten Blättern. „Eine Zierde für jeden Garten“, urteilt die Expertenrunde.

Ministerium sucht

kompetenten Nachfolger

Das Gartenbau-Kompetenzzentrum in Gülzow beschäftigt im Obstbau vier Mitarbeiter, im Bereich Freilandgemüse sind es neun. Die Obstbauern im Land machen sich Sorgen um die Zukunft der Obstforschung, wenn Friedrich Höhne Ende 2016 ausscheidet. Der 64-Jährige konzipierte vor zehn Jahren die Versuchsstation in Gülzow und hatte zuvor die Obstversuche am Standort Rostock-Biestow geleitet. Der Chef der Landesforschungsanstalt, Dr. Kai-Uwe Katroschan, sagte gestern zu, dass die Obstforschung fortgesetzt wird. „Die Stelle wird mit einem kompetenten Wissenschaftler besetzt. Die Ausschreibung ist in Vorbereitung.“

Tipp vom Experten: die Maulbeere

200 Obstsorten werden in der Versuchsstation der Landesforschung in Gülzow bei Güstrow geprüft. Es soll herausgefunden werden, welche Sorten unter hiesigen Klima- und Bodenbedingungen besonders gut gedeihen. In der norddeutschen Kooperation ist MV auf Spezialkulturen wie Sanddorn, Holunder und seltene Beeren spezialisiert. Getestet werden auch Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen und Pflaumen. In Versuchen werden Wachstum, Ertrag und Gesundheit der Pflanzen verglichen. Spezieller Tipp: die Maulbeere. Die schon bei den Römern bekannten schwarzen Früchte ähneln Brombeeren, sind aber süßer und wachsen an Bäumen, nicht an Sträuchern.

Elke Ehlers

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