Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Sanierer Piepenburg soll Solarworld retten
Nachrichten Wirtschaft Sanierer Piepenburg soll Solarworld retten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:42 12.05.2017
Der Jurist Horst Piepenburg ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Quelle: Achim Scheidemann
Bonn

Nach dem Insolvenzantrag des Solarherstellers Solarworld tritt der erfahrene Sanierungsexperte Horst Piepenburg an, um das Unternehmen mit insgesamt 3300 Beschäftigten zu retten.

Das Amtsgericht Bonn bestellte den Düsseldorfer Anwalt zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der 63-Jährige hat sich mit zahlreichen erfolgreichen Einsätzen bundesweit einen Namen gemacht. So schaffte er es 2002 beim insolventen Oberhausener Babcock-Konzern, trotz der Pleite die Mehrzahl der rund 21 000 Jobs zu retten. „Ich übernehme keine aussichtslosen Mandate“, wird Piepenburg zitiert.

Die Produktion bei Solarworld laufe am Freitag vorerst weiter, sagte ein Unternehmenssprecher. Künftig muss aber Piepenburg entscheiden, ob etwa neues Material nachgekauft werden darf. Kurzfristig drängt außerdem die Frage, ob nach dem Insolvenzantrag für die Solarworld-Mutter auch für die Konzerntöchter in Thüringen und Sachsen Insolvenzanträge nötig sind. Das Wichtigste dürfte daneben aber die Suche nach einem Investor sein.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sicherte am Freitag bei einem Besuch des erst vor einigen Jahren eröffneten Werkes in Arnstadt die Unterstützung des Landes zu. In der thüringischen Stadt beschäftigt Solarworld derzeit noch 814 Mitarbeiter. Das Werk sichert laut Tiefensee außerdem Hunderte Arbeitsplätze bei Zulieferern. Die Produktion müsse möglichst weiter laufen, sagte Tiefensee. Es sei mit Blick auf eine Zukunftslösung und die Investorensuche wichtig, einen produzierenden Standort zu haben.

Solarworld hatte am Donnerstag offiziell Insolvenz für die Konzernmutter Solarworld AG angemeldet. Das Unternehmen macht für sein Scheitern vor allem Dumping-Angebote aus China verantwortlich, die den Marktpreis weltweit in den Keller gedrückt hätten. Deutschlandweit beschäftigte Solarworld rund 2600 Menschen in der Bonner Zentrale, in Arnstadt und in Freiberg (Sachsen). Hinzu kommt ein großer Standort in den USA.

Der für viele Anleger und Mitarbeiter überraschende Insolvenzantrag beschäftigt unterdessen die Finanzaufsicht Bafin. Es werde geprüft, ob die Anleger rechtzeitig über drohende Risiken informiert worden seien, bestätigte eine Bafin-Sprecherin eine entsprechende Meldung der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitag).

Laut FAZ geht es darum, ob der bisherige Firmenchef Frank Asbeck das Überschuldungsrisiko in der Bilanzpressekonferenz nur wenige Wochen vor dem Insolvenzantrag heruntergespielt habe. Asbeck verteidigte seine Informationspolitik. Er sei selbst von der Zuspitzung der Krise überrascht worden, sagte er dem Wirtschaftsmagazin „Capital“.

Zu Wort meldeten sich auch Vertreter von Anlegern. Aktionäre und Anleihegläubiger sollten ihre jeweiligen Interessen bündeln, riet der Frankfurter Anwalt Klaus Nieding. Die Anleger müssten von Anfang an in die kommenden Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

dpa

Mehr zum Thema

Nach dem Rekordverlust 2016 macht dem Energiekonzern Eon zum Start ins neue Jahr ein Gewinnrückgang zu schaffen.

09.05.2017

In guten Zeiten galt Frank Asbeck als der „Sonnenkönig“. Doch schon seit Jahren geht es mit seinem Imperium bergab. Nun zieht Solarworld die Reißleine.

10.05.2017

Deutschlands größter Solarhersteller Solarworld ist insolvent. Das Unternehmen macht vor allem Dumping-Angebote aus China verantwortlich für das Scheitern. Die Beschäftigten traf die Nachricht überraschend.

11.05.2017

Deutschland ist wieder das Zugpferd der Konjunktur im Euroraum. Europas größte Volkswirtschaft erhöht trotz politischer Unsicherheiten die Drehzahl. Selbst das Wetter spielt mit.

12.05.2017

Zu undurchsichtig und zu hoch - die Gehälter der Manager von ProSiebenSat.1 kommen nach dem Willen der Aktionäre auf den Prüfstand.

12.05.2017

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen Untreueverdachts gegen vier aktuelle und ehemalige hochrangige Manager des VW-Konzerns. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit Aufwandsentschädigungen für VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.

12.05.2017