Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Satire-Streit: EU-Parlamentspräsident attackiert Erdogan
Nachrichten Wirtschaft Satire-Streit: EU-Parlamentspräsident attackiert Erdogan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:34 04.04.2016
Anzeige
Berlin

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf angegriffen. In der „Bild am Sonntag“ verurteilte der SPD-Politiker das Vorgehen Erdogans im Streit um die NDR-Satire-Sendung „extra 3“ als „absolut unhaltbar“.

Schulz verlangte ein klares Signal der Bundesregierung: „Wir müssen Erdogan klarmachen: In unserem Land gibt es Demokratie. Ende.“

Schulz nannte es nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes die Einschränkung demokratischer Rechte in Deutschland verlange, weil er sich karikiert fühle. „Wo kommen wir denn da hin? Das ist absolut unhaltbar, ein starkes Stück!“ Er verteidigte gleichwohl den Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei. „In der Flüchtlingspolitik kooperieren wir mit etlichen Ländern, die nicht das Eldorado der Demokratie sind. Und wir schließen den Pakt nicht mit Herrn Erdogan, sondern mit der türkischen Republik.“

Die Zusammenarbeit dürfe aber nicht dazu führen, dass man zu Grundrechtsverletzungen in der Türkei schweige. „Im Gegenteil: Wir müssen diese Verstöße anprangern und permanent über Meinungsfreiheit und Menschenrechtsfragen mit der Türkei diskutieren. Ein Land, in dem der Staatspräsident Diplomaten öffentlich attackiert, weil sie einen Prozess beobachten, gehört ebenfalls öffentlich angeprangert“, sagte der Präsident des Europäischen Parlaments.

Eine Vermischung des Flüchtlingsdeals mit EU-Beitrittsverhandlungen und möglichen Visa-Erleichterungen lehnt Schulz ab. Dies sei voneinander zu trennen, betonte er. Es werde keinen Rabatt geben.

Hintergrund der Kritik ist ein diplomatischer Eklat, der von einer Satire des Norddeutschen Rundfunks über Erdogan ausgelöst wurde. Das Außenministerium in Ankara bestellte den deutschen Botschafter Martin Erdmann ein, um gegen den knapp zweiminütigen Film zu protestieren.

Die Satire war am 17. März in der Sendung „extra 3“ ausgestrahlt worden. Zur Melodie von Nenas Hit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ wird darin Erdogans Vorgehen gegen Medien, Demonstranten und Kurden auf die Schippe genommen. Im Text des Liedes mit dem abgewandelten Titel „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ heißt es zum Beispiel: „Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast.“

dpa

Mehr zum Thema

Der türkische Protest gegen eine deutsche Erdogan-Satire geht nach hinten los: Das NDR-Magazin „extra 3“ legt nach. In Istanbul soll nun ein Prozess gegen regierungskritische Journalisten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

01.04.2016

Vor einer Rede des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Washington soll es zu Vorfällen zwischen Sicherheitskräften und Journalisten gekommen sein.

31.03.2016

Regierungskritische Journalisten stehen in der Türkei vor Gericht und niemand darf zusehen - auch Abgeordnete der Opposition nicht. Präsident Erdogan wird für seinen Umgang mit den Medien in Deutschland scharf kritisiert. Er fordert seinerseits mehr Fairness.

02.04.2016

Der Reisebus war auf dem Weg in die Kolonialstadt Trinidad im Süden der Karibikinsel, als er mit einem Lastwagen zusammenstieß. Ein deutscher Urlauber und der Busfahren sollen dabei ums Leben gekommen sein. Zwei Dutzend weitere Passagiere wurden verletzt.

03.04.2016

Wird es 2017? Oder 2018? Oder 2019? Zum Eröffnungstermin des Hauptstadtflughafens gehen die Meinungen auseinander.

04.04.2016

Es schien eine klare Sache: Im Streit um gut verzinste Bausparverträge gab ein Gericht nach dem anderen den Geldinstituten recht, die Sparer hatten das Nachsehen. Dann ein Paukenschlag aus Stuttgart - nun gab es wieder eine andere Entscheidung.

04.04.2016
Anzeige