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Schallschutz, Flüsterbremsen – Bahn will leiser werden

Berlin Schallschutz, Flüsterbremsen – Bahn will leiser werden

600 Millionen Euro will die Bahn AG bis zum Jahr 2020 in ganz Deutschland investieren – vordringlich in die Streckensanierung

Berlin. Die Bahn wird leiser: In diesem und in den kommenden drei Jahren werden der Bund und die Deutsche Bahn insgesamt mehr als 600 Millionen Euro in den Lärmschutz investieren – vordringlich in die Streckensanierung und in Lärmschutzwände sowie in die Umrüstung der Wagen. Zusätzliche Mittel aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes werden für Maßnahmen an den Brennpunkten oberes Elbtal (Sachsen), Mittelrheintal und Inntal bereitgestellt, sagte Andreas Gehlhaar, Leiter des Umweltbereiches bei der Deutschen Bahn. „Wir lösen Schritt für Schritt das Versprechen ein, bis 2020 den Schienenlärm zu halbieren“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Der 45-Jährige, der im Februar zusätzlich zu seinen Aufgaben als Leiter Umwelt den Job des Lärmschutzbeauftragten im Bahnkonzern übernommen hat, will heute anlässlich des Tages gegen Lärm erstmals einen entsprechenden Bericht vorlegen.

 

OZ-Bild

Reisende auf dem Hauptbahnhof in Rostock. Die Bahn will in den Schallschutz investieren.

Quelle: Foto: Frank Söllner

Die Bahn macht Druck, weil der Bundestag ein Gesetz verabschiedet hat, das Anwohner an Bahnstrecken besser vor Schienenlärm schützen soll. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 soll es in Kraft treten. Es sieht vor, dass laute Güterzüge künftig weitgehend verboten werden. Die Bahn begrüße das Gesetz, da es klare Regeln und Rahmenbedingungen für die Branche schaffe, sagte Gehlhaar. Im Konzernprogramm „Zukunft Bahn“ sei Lärmschutz eine feste Größe. „Denn nur, wenn es uns gelingt leiser zu werden, schaffen wir die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung für den umweltfreundlichen Schienengüterverkehr“, sagte der Bahnmanager, der bis Mitte 2016 Büroleiter im Kanzleramt war. Zwischen 1999 und 2016 seien bundesweit rund 1600 Kilometer lärmbelastete Strecke saniert worden – insbesondere durch den Aufbau von Schallschutzwänden und den Einbau von Schutzfenstern. Für dieses Jahr sei die Sanierung von weiteren rund 100 Kilometer lärmbelasteter Strecke vorgesehen. Bis 2020 sollen 2000 Streckenkilometer fertig sein. Dafür will die Bahn jährlich deutlich mehr als 100 Millionen Euro Bundesmittel verbauen. Im vergangenen Jahr habe man für diesen Zweck nur etwa 80 Millionen Euro abgerufen. „Damit sind wir nicht zufrieden, denn wir hatten uns mehr vorgenommen“, räumte Gehlhaar selbstkritisch ein. Fehlendes Baurecht und Klagen hätten das verhindert. Von den 33000 Kilometern Streckennetz der Deutschen Bahn gelten 3700 Kilometer als stark lärmbelastet.

Die Umrüstung der Fahrzeugflotte bei der Güterverkehrstochter DB Cargo Deutschland komme hingegen wie geplant voran. Aktuell seien bereits bei rund 35000 Güterwagen die lauten Grauguss-Bremsen gegen sogenannte Flüsterbremsen aus Verbundstoff ausgetauscht worden. „Bis Jahresende soll die Zahl auf knapp 40000 anwachsen, was etwa 60 Prozent unserer CargoFlotte entspricht“, sagte Gehlhaar.

Bis 2020 soll die komplette Flotte (rund 64000 Wagen) leiser unterwegs sein. „Für DB Cargo ist das ein Kraftakt und wird das Ergebnis der Güterverkehrstochter mit rund 230 Millionen Euro bis 2020 belasten.“ Diese Mittel fielen für höhere Kosten bei der Instandhaltung der umgerüsteten Wagen an.

Knapp 57000 Wohnungen erhielten Schallschutzfenster

Neben der Umrüstung der Wagen will die Bahn das Streckennetz sanieren. Das 1999 auf den Weg gebrachte Lärmschutzprogramm des Bundes sieht vor, dass bis 2020 rund 2000 Kilometer des stark lärmbelasteten Streckennetzes saniert sein sollen. Auf rund 1600 Kilometer Schienenstrecke ist das bereits geschehen. Das heißt, über 650 Kilometer Schallschutzwände wurden errichtet und 56750 Wohnungen mit Schallschutzfenstern ausgestattet. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Bahnstrecke zwischen Berlin und Barcelona. Bis heute investierten Bund und Bahn über 1,2 Milliarden Euro in die Lärmsanierung von bestehenden Strecken.

Andreas Dunte

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