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Scharf auf Bembel - Auktion in Heinz Schenks Wohnzimmer

Wiesbaden Scharf auf Bembel - Auktion in Heinz Schenks Wohnzimmer

Showmaster Heinz Schenk lebte sehr zurückgezogen in Wiesbaden-Naurod. Zur Versteigerung seines Nachlasses war das Haus nun voller Fans und Neugieriger. Viele waren scharf auf einen Bembel.

Wiesbaden. Als der erste Bembel aufgerufen wird, kommt Bewegung in die Schar der Bieter. Für 420 Euro bringt Auktionator Stefan Niederauer den kleinen Apfelweinkrug aus dem Haus von Heinz Schenk schließlich an den Mann.

Als ein großer Jubiläumskrug gar 1800 Euro erzielt, ziehen einige Interessenten lange Gesichter. Doch die Preise steigen. Der teuerste Bembel geht für rund 2100 Euro weg. Und der Auktionator hat am Ende 80 000 Euro in der Kasse.

Für persönliche Erinnerungsstücke Schenks greifen die Bieter am tiefsten in die Tasche - schließlich kommt man an solche Memorabilien sonst schwer heran. Das höchste Gebot kommt herein, als der Auktionator ein bunt zusammengewürfeltes Paket mit Autogrammen, Aufzeichnungen und privaten Fotos des Showmasters aufruft. Der Hammer fällt bei 4000 Euro. Den Zuschlag erhält ein unbekannter Telefonbieter. „Kein Hesse, kein Rheinland-Pfälzer“, verrät Niederauer. Der gebürtige Mainzer Schenk wurde als hessischer Fernsehwirt in der Sendung „Zum Blauen Bock“ berühmt.

Eigentlich wollten Andreas Fürtig und Roman Bekkaoui aus Frankfurt unbedingt einen Krug auf ihren Motorrädern mit heim nehmen. Beide tragen eine gehäkelte Mütze in Bembel-Form auf dem Kopf. Später holen sie sich für kleines Geld ein paar Gerippte (Apfelweingläser) aus dem Partykeller des Showmasters. Die beiden Motorradfans haben im Sommer an einer Rallye rund um die Ostsee teilgenommen - Teamname: „Kommando Heinz Schenk - Erbarme Dich, die Hesse komme“.

Ein paar Meter daneben steht Nikolas Kurzawa im „Keep Calm an Drink Äppelwoi“-Shirt (Bleibe ruhig und trinke Apfelwein). Er kommt aus der Nachbarschaft. Zusammen mit Michael Bauer hat er den Verein „Äppel-Guerilla“ gegründet, die „Gesellschaft zur Bewahrung und Förderung des heimischen Apfels“. Die beiden wollten eigentlich einen Bembel für ihren Clubraum ergattern.

Wo es sich früher Heinz Schenk und seine Frau Gerti auf rehbraunen Leder-Fernsehsesseln vor der Schrankwand aus rustikalem Eichenholz bequem machten, stehen sich am Samstagmorgen bei der Vorbesichtigung an die 600 Neugierige auf den Füßen. „Ein bisschen beklemmend ist das schon, hier in das Private einzudringen“, raunt ein Mann seiner Begleiterin zu.

Zur Versteigerung sind dann nur Besucher zugelassen, die für zehn Euro eine Bieterkarte kaufen. Die angemeldeten Bieter stammen nach den Worten von Verkaufsprofi Niederauer hauptsächlich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz - aber auch aus Japan und Argentinien hatten sich Interessenten gemeldet. Rund 1000 Interessenten machen bei der Versteigerung mit.

Der Andrang ist so groß, dass „es keine Bieterkarten mehr gab“, freut sich der Nachlassverwalter und ehemalige Manager Schenks, Horst Klemmer. Er bilanziert am Sonntag: „Der Erfolg war überragend“. Aus dem engen Freundeskreis der Schenks war auch Kritik an der Auktion im Privathaus gekommen. Dies passe überhaupt nicht zur zurückgezogenen Lebensweise des Künstlers. Im Alter von 89 Jahren war der Showmaster 2014 gestorben, wenige Monate nach seiner Frau Gerti. Schenk moderierte den „Blauen Bock“ von 1966 an mehr als 130 Mal.

„Man erschaudert schon, wenn man hier durch das Wohnzimmer geht. Als wäre er gestern noch da gewesen“, erzählt ein Fan im bunt-karierten Hemd, der extra aus Heidelberg angereist ist. Er ist scharf auf die VHS-Sammlung mit allen Sendungen „Zum Blauen Bock“. Er bekommt sie später für mehr als 500 Euro.

Schenk war ein Sammler und Technikfan. Im Haus finden sich dutzende Geräte - vom Weltempfänger über zahlreiche Kameras bis zum Faxgerät. Daneben kommen Gemälde, Zinnteller und viele Fotos unter den Hammer. Es gibt eine Sauna und ein Schwimmbad. „Schenk hat hier regelmäßig seine Bahnen gezogen“, erzählt Klemmer. Die Sauna bekommt für 50 Euro einen neuen Besitzer. Persönliches geht am besten.

„Alles mit direktem Bezug zu Heinz Schenk ist weg“, sagt Auktionator Niederauer. Bembel und Bambi finden ebenso wie lederne Aktenkoffer neue Besitzer. Wer am Samstag leer ausgegangen ist, hat im Nachhinein Chancen, Erinnerungsstücke zu ergattern: Es sind noch Taschenuhren, Mobiliar, Antiquitäten und Technik da. „In den nächsten Tagen flattern weitere Angebote rein“, glaubt Niederauer. Anfang September will er Kassensturz machen.

Das Wohnhaus ist bereits für rund eine Million Euro verkauft und wird abgerissen. Das Geld fließt zusammen mit dem Erlös aus der Versteigerung an die neue „Heinz-Schenk-Stiftung“. Sie will junge Unterhaltungskünstler fördern. „So hat es Schenk gewollt“, betont Klemmer. Angehörige gebe es nicht.

Viele Bembel gehen schließlich an einen Gastronomen aus Bad Homburg - er will in seinem Lokal eine Heinz-Schenk-Gedächtnis-Vitrine einrichten. Aus den Bembeln soll auch ausgeschenkt werden.

dpa

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