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00:05 18.05.2017

Mehr als 14000 Samen-Muster von 131 Pflanzenarten befinden sich im großen Lager der Genbank in Malchow auf der Insel Poel. „Wir bewahren hier einen Schatz auf“, sagt Leiterin Evelin Willner. „Das Besondere ist: Wir geben ihn bei Bedarf ab, so dass ihn alle nutzen können. Und der Schatz bleibt erhalten und wird regeneriert.“

Am Sonnabend öffnen sie und ihre neun Mitarbeiter die „Schatzkammer“ und gewähren Besuchern einen Blick hinter die Kulissen der Genbank. „Viele Menschen wissen immer noch nicht genau, was wir hier machen“, meint die Agraringenieurin und erklärt: „Wir sorgen dafür, dass die Vielfalt an Erbgut erhalten bleibt.“

Sammlung seit über 40 Jahren

Die Genbank gehört als Außenstelle zum Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben (Sachsen-Anhalt). Sie ist vor 25 Jahren aus dem traditionsreichen Institut für Öl- und Futterpflanzenzüchtung hervorgegangen. „Seit mehr als vier Jahrzehnten, verstärkt ab den achtziger Jahren, wird in Malchow systematisch Material von Öl- und Futterpflanzen in der ehemaligen DDR, in Ost- und Westeuropa gesammelt“, berichtet Evelin Willner. Dadurch sei ein umfangreiches Sortiment zusammengetragen worden. Sie selbst arbeitet seit 1988 in Malchow, 1992 übernahm sie die Leitung der Genbank. Deren Ziel ist es, Kulturpflanzen und Wildarten für die aktuelle oder spätere Nutzung zu erhalten. „Wir wissen ja nicht, was in zwanzig Jahren gebraucht wird.“

Abgabe von Saatgut

Nutzer der Genbank sind Pflanzenzüchter, Wissenschaftler und Privatpersonen. Die Arbeitsgruppe in Malchow hat sich auf Öl- und Futterpflanzen spezialisiert. Die Teilsammlung umfasst mehr als 10

000 Muster von Gräsern, rund 2500 Muster von kohlartigen Futter- und Ölpflanzen sowie etwa 1300 Muster von Rotklee und Luzerne. „Zu unseren Aufgaben gehört neben der Erhaltung auch die Beschreibung der Pflanzenmuster sowie die Abgabe“, berichtet die Leiterin der Teilsammlung. In Datenbanken können sich Nutzer über Merkmale der Pflanzen informieren, zum Beispiel ob das Saatgut den Rasen stockig macht und nicht so schnell wachsen lässt. Im Schnitt 1600 Saatgutproben jährlich gibt die Malchower Arbeitsgruppe ab. Ein Großauftrag mit 1098 Proben von Ölpflanzen ging 2016 nach China. Bestellungen sind im Internet möglich unter http://gbis.ipk-gatersleben.de.

Am Sonnabend werden Besucher in Führungen über das Betriebsgelände erfahren, woher die Pflanzen stammen und welche Arbeitsschritte notwendig sind, um sie über viele Jahre erhalten zu können. Dabei dürfen sie auch einen Blick in einen großen begehbaren Kühlschrank werfen, das Aktivlager. Hier werden bei minus fünf Grad mehr als 10000 Pflanzenmuster in Plastiktüten und Gläsern aufbewahrt. Im Basislager bei minus 18 Grad liegen Alufolietüten mit Saatgut, luftdicht verschweißt. Die sogenannten Sicherheitsmuster werden im „ewigen Eis“ auf Spitzbergen eingelagert. Trotz Kälte halten die Muster nicht ewig. „Wir testen das Saatgut auf seine Keimfähigkeit und bringen es in den Vermehrungsanbau, damit die Erbinformation optimal erhalten bleibt“, erläutert Evelin Willner. 500 bis 700 Muster kommen jährlich in die Erde: im Gewächshaus, in Isolationszelten, in Beeten und auf Feldern. Vor Kaltenhof befindet sich ein 15,5 Hektar großes Versuchsfeld mit rund 100 Parzellen. Jedes Karree ist für eine Art bestimmt, damit die Arten sich nicht untereinander bestäuben.

Haike Werfel

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