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Wirtschaft Scheitern – na und? Ost-Unternehmer geben deshalb nicht auf
Nachrichten Wirtschaft Scheitern – na und? Ost-Unternehmer geben deshalb nicht auf
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00:05 19.04.2017

Scheitern – und offen darüber berichten: „Fuckup Nights“ heißen diese Abende, die es in immer mehr deutschen Städten gibt.

Ole Zierau (21).

FOTO: OVE ARSCHOLL

Firmen-Insolvenzen: MV steht bundesweit gut da

54 pro 10000 Unternehmen betrug 2016 die Insolvenzquote in Mecklenburg-Vorpommern. Sie sank gegenüber 2015 (58). Damit liegt MV im bundesweiten Vergleich im oberen Mittelfeld. Der Bundesschnitt beträgt 67 Insolvenzen. Die wenigsten gab es 2016 in Baden-Württemberg mit 38 pro 10000 Firmen, die meisten im Saarland und Nordrhein-Westfalen (100).

Unternehmer sprechen dabei ein paar Minuten vor Publikum über ihre Pleite-Firmen. Die mutigen Redner wollen erreichen, dass Scheitern nicht mehr als Makel empfunden wi rd.

Neben der „Fuckup Night“ gibt es – vor allem in Ostdeutschland – auch andere Formate, um über die eigene Firma zu reden. In Rostock und Greifswald lädt die OSTSEE- ZEITUNG zum Ideenlabor „Pitchlab“ ein. In der von dem Rostocker Netzwerker Maik Herfurth ins Leben gerufenen Reihe werden junge Unternehmer und spannende Geschäftsideen vorgestellt und Gründer zusammengebracht. Wer sich schon immer selbstständig machen wollte, der kann bei „Pitchlab“ Tipps für die eigene Firma bekommen. Und wie man trotz Scheiterns nicht den Mut verliert, sein nächstes Vorhaben anzugehen. So wie der 21-jährige Ole Zierau. Der Jung-Unternehmer studiert Wirtschaftswissenschaften an der Universität Rostock – und ist mit einem Startup gescheitert. „Die Firma hieß Sterlix, ein Freund und ich wollten Kundenbindungsprogramme für Klubs entwickeln“, erzählt Zierau. Die enge Freundschaft jedoch habe die Firma letztlich zum Scheitern gebracht. Diese andere Seite der Selbstständigkeit sollte nicht verschwiegen werden, meint Zierau. Leider sei das Thema Misserfolg in Deutschland noch zu negativ bewertet. Oft heiße es: „Du bist gescheitert, du bist ein Versager!“ In den USA werde Scheitern weitaus mehr als Grundlage für den Erfolg verstanden, da man im besten Fall aus den Fehlern lernt, wieder aufsteht und es besser macht. „Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, kann mir keiner nehmen“, erklärt Ole Zierau. Er arbeite bereits an seiner nächsten Geschäftsidee: „Es geht dabei um Stornierung und Neuverkauf von Hotelbuchungen“, sagt er.

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer zu Rostock (IHK) ist Scheitern in der Wirtschaft hierzulande stark stigmatisiert. „Zu Unrecht, denn eine Selbstständigkeit bringt es mit sich, dass nicht immer alles perfekt ist, man manchmal scheitern kann, vielleicht gar muss“, sagt IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen. Wer sich dazu austauschen möchte: In Rostock existiert auch ein „Ideenhafen“. Das Prinzip der Gesprächsrunde: Freiberufler, Startups oder Studierende berichten von ihren Geschäftsideen und bekommen von anderen Feedback.

Und im Süden Sachsen-Anhalts versucht die IHK Halle-Dessau, den Gründungswillen bereits bei Kindern und Jugendlichen zu fördern. Firmeninhaber stellen Schülern ihre Geschäftsideen und ihren Werdegang zum Unternehmer vor.

Der Bundesverband Deutsche Startups fordert mehr gesellschaftliche Akzeptanz für Firmenpleiten: „Wir brauchen eine Kultur des Scheiterns in Deutschland oder wenn man es optimistischer formulieren möchte – eine Kultur der zweiten Chance“, heißt es. In Ostdeutschland sind entsprechende Treffen immer häufiger zu finden. Beispielsweise in Cottbus , Dresden, Magdeburg und Erfurt. Demnächst soll es eine in Jena geben. In Leipzig lief vor Kurzem eine „Fuckup Night“ speziell zur Buchmesse. In Städten wie Berlin sind sie längst etabliert. Dort steht laut Organisatoren bald das 20. Treffen an. Selbst im Ausland zieht das Konzept. In Moskau etwa gab es die erste „Fuckup Night“ im Sommer 2016.

Anna Ringle und Bernhard Schmidtbauer

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