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Schlecker-Prozess: Zeuge beschreibt Situation vor Pleite

Geld wurde immer knapper Schlecker-Prozess: Zeuge beschreibt Situation vor Pleite

Seit der Jahrtausendwende ging es bergab mit der Drogeriemarktkette. Die Verluste häuften sich, das Geld wurde knapp. Hätte Anton Schlecker das früher erkennen müssen? Ja – sagt ein Zeuge im Bankrottprozess.

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Nach der Insolvenz verloren Zehntausende Schlecker-Mitarbeiter ihren Job.

Quelle: Stefan Puchner

Stuttgart. Ein ehemaliger Verwaltungsdirektor hat im Bankrottprozess gegen Anton Schlecker ein düsteres Bild über die letzten Jahre der Drogeriemarktkette gezeichnet.

„Das Ergebnis ist in der Summe von Jahr zu Jahr schlechter geworden, weil halt die Gesamtumsätze pro Filiale schlechter geworden sind“, sagte der ehemalige Leiter der Verwaltung, der bis 2010 Mitglied der Geschäftsleitung war, bei seiner sechseinhalbstündigen Vernehmung am Montag vor dem Stuttgarter Landgericht.

Von 2002 bis 2010 sei der Umsatz wegen der wachsenden Konkurrenz anderer Drogeriemärkte, aber auch von Discountern und Supermärkten, um ein Drittel gesunken. Sparmaßnahmen wie Filialschließungen hätten keine Wirkungen mehr gezeigt. 

2008 habe Schlecker erstmals einen Verlust ausweisen müssen, weil das operative Minus nicht mehr mit anderen Mitteln ausgeglichen werden konnte. Er sei damals zu dem Schluss gekommen, dass Sparmaßnahmen keine Wirkung mehr zeigen würden.

„Ab dem Zeitpunkt habe ich auch gegenüber der Familie meine Einschätzung immer wieder preisgegeben.“ 2009 habe er auf die Frage Schleckers, ob er glaube, dass die Firma zum Jahresende pleite sei, mit „ja“ geantwortet. Auch in den Folgejahren habe er immer wieder auf eine mögliche Zahlungsunfähigkeit hingewiesen, obwohl die Finanzen nicht mehr in seiner Verantwortung lagen.

Der Zeuge räumte allerdings ein, dass Schlecker Ende 2010, Anfang 2011 noch nicht überschuldet gewesen sei. „Die Situation hat sich dann eigentlich im Jahr 2011 dramatisch verschärft.“ Beim Insolvenzantrag Anfang 2012 sei definitiv kein Geld mehr vorhanden gewesen.

Wann Schlecker wirklich Zahlungsprobleme hatte, ist eine entscheidende Frage in dem Prozess. Denn die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Drogeriemarktkette schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte. Anton Schlecker meldete erst 2012 Insolvenz an. In dem Prozess wirft die Anklage ihm unter anderem vor, zuvor Vermögenswerte in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro dem Zugriff der Gläubiger entzogen zu haben.

Der Zeuge, der selbst bis 2008 für Finanzen und Controlling zuständig war, sah offenbar früh finanzielle Probleme auf Schlecker zukommen. Bis 2008 habe Schlecker noch weitreichende Kreditlinien von zahlreichen Banken gehabt - Kredite also, die bei Bedarf gezogen werden können. Im Zuge der Finanzkrise seien diese aber gekündigt worden. „Wenn sie 200 Millionen Euro auf dem Konto haben, können sie ausrechnen, dass das noch gut zwei Jahre reicht.“ 2010 habe das operative Minus bei 120 Millionen Euro, 2011 bei mehr als 200 Millionen gelegen. „Ich bin ein Zahlenmensch“, sagte er. Deshalb sei er möglicherweise pessimistischer als Schlecker selbst. „Für ihn war völlig unvorstellbar, dass das irgendwann zu Ende geht.“

Nach der Insolvenz verloren Zehntausende Schlecker-Mitarbeiter ihren Job. Wegen Beihilfe sitzen auch Schleckers Frau Christa sowie die beiden Kinder Meike und Lars auf der Anklagebank. Den Kindern wird auch Insolvenzverschleppung des Logistikers LDG vorgeworfen, der für den Schlecker-Konzern arbeitete. 

dpa

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