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Wirtschaft Schlüssel an den Nagel gehängt: Bauern schaffen Kühe ab
Nachrichten Wirtschaft Schlüssel an den Nagel gehängt: Bauern schaffen Kühe ab
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00:00 17.09.2016
Joachim Sydow, Agrargenossenschaft Spoitgendorf, hängt symbolisch den Kuhstallschlüssel an den Nagel. Quelle: Wüstneck

Symbolisch hängt er nach dem Bauerntag den Schlüssel an den Nagel: Joachim Sydow von der Agrargenossenschaft Spoitgendorf (Landkreis Rostock) kam gestern nicht mehr als Milchbauer auf die Agrarmesse Mela nach Mühlengeez bei Güstrow. Im April hat der Betrieb die 270 Kühe abgeschafft. „Weil jede Kuh uns pro Tag zehn Euro kostete, wir aber durch den niedrigen Milchpreis nur sechs Euro pro Kuh zurückbekamen“, berichtet der Landwirt den Messebesuchern. 300000 Euro Verlust wären dieses Jahr aufgelaufen. „Das hätten wir nicht verkraftet.“ Mit stockender Stimme spricht der 58-Jährige. Von den sechs Kollegen, die im Kuhstall arbeiteten, musste die Genossenschaft vier entlassen. Sydow ist aber überzeugt: „Faire Milchpreise sind möglich. In Italien kostet der Liter Milch 1,40 Euro, bei uns nicht einmal 50 Cent.“

Hilfe vom Staat kommt für viele zu spät / Hitzige Debatte auf Mela-Bauerntag bei Güstrow

Die Mela am Wochenende

Sonnabend: 12 Uhr Show der Auszubildenden, Präsentation Rassegeflügel, 14 Uhr Landestierschau, Westernreiten, 16.15 Uhr Pferdeschauprogramm Sonntag: 9 Uhr Pferde in Hobby und Freizeit,

11 Uhr Meisterschaft Schafwollespinnen,

10.45 Uhr Präsentation Rinder, 12 Uhr Vorführen historischer Landmaschinen, 12.15 Uhr Pferdepräsentation, 13.45 Uhr Landestierschau, 14 Uhr Imkerei, 16.30 Uhr Pferdeschauprogramm

Auch Constanze Thomsen aus Düsedau in der Altmark hängt ihren Kuhstall-Schlüssel an den Nagel. Ihr Familienbetrieb baut bis Dezember den Kuhbestand ab. „Wir müssen an die Zukunft unseres Sohnes denken.“ Der könne den Hof nur übernehmen, wenn es ihn noch gibt. Mit dieser Aktion wollte die Rinderallianz – ein Verbund von Züchtern aus MV, Brandenburg und Sachsen-Anhalt – „den Verbrauchern deutlich machen, was die Milchkrise für die Bauern bedeutet“, sagt Rinderallianz-Geschäftsführerin Sabine Krüger. Nur etwa 22 Cent zahlen die Molkereien den Bauern derzeit pro Liter Milch. Allein in MV gaben seit Beginn des Preisverfalls fast 70 Betriebe die Milchproduktion auf.

Deshalb ging es auch auf dem Mela-Bauerntag vorrangig um die Frage, ob der Staat den Bauern aus der Milchkrise helfen kann. In einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Wie viel Staat verträgt der Markt – wie viel Markt verträgt der Staat?“ prallten Meinungen heftig aufeinander. Den Menschen Zugang zu Lebensmitteln zu sichern, sei „Teil der Daseinsvorsorge des Staates“, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Nicht umsonst gingen 40 Prozent des EU-Haushaltes in den Agrarsektor. „Wenn gesunde, marktfähige Betriebe den Bach runtergehen, dann hat der Markt versagt“, meinte Backhaus. Dann müsse der Staat eingreifen.

Der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft Carl-Albrecht Bartmer, bezeichnete Subventionen als „süßes Gift“. Er forderte, dass der Staat nur eingreifen solle, wo die Eigenverantwortung der Bauern versagt. Landesbauernpräsident Detlef Kurreck setzt ebenfalls auf die Selbsthilfe der Bauern, so durch Risikoausgleichs-Rücklagen. Die Milchkrise zeige: „Die staatlichen Hilfspakete kommen zu spät und werden die Krise nicht beenden.“

Streit entbrannte auch um die Düngeverordnung, mit der der Staat den Bauern strengere Auflagen beim Düngereinsatz auferlegen will. Backhaus kündigte an, dass die Europäische Union in der nächsten Woche ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleitet. In vielen Bundesländern sei das Grundwasser stark mit Nitraten aus der Landwirtschaft belastet. In MV ist das Grundwasser an 11 von 53 Messstellen in chemisch schlechtem Zustand.

Traditionell wurden auf der Mela auch Ehrungen vergeben: Den Tierzuchtpreis erhielt der Chef des Gestüts Ganschow, Friedhelm Mencke. Der Pflanzenzuchtpreis ging an Dieter Ewald vom Saatzucht-Verband MV.

Elke Ehlers

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