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Wirtschaft Schöner Schein trügt: Landwirte verdienen mit Raps weniger
Nachrichten Wirtschaft Schöner Schein trügt: Landwirte verdienen mit Raps weniger
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00:39 08.05.2018
Auch rund um Wolgast (Landkreis Vorpommern-Greifswald) blüht derzeit der Raps. Quelle: Foto: Hannes Ewert

Leuchtendes Gelb, betörender Duft: Mecklenburg-Vorpommerns Rapsfelder breiten im Mai jetzt wieder ihren Blütenteppich aus. „Ohne Raps wäre Mecklenburg-Vorpommern um vieles ärmer“, meint Agrarminister Till Backhaus (SPD). Das bis zu 1,50 Meter hohe Kreuzblütengewächs bringt nicht nur viel Farbe in die Landschaft, sondern nach der Ernte auch gutes Geld in die Kassen der Bauern. Auch privat hat Backhaus ein besonderes Verhältnis zum Raps. Schließlich lernte der Minister beim Rapsblütenfest einst seine Frau Ivonne kennen, eine Blütenkönigin.

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Der Landesbauernverband in Neubrandenburg rühmt ebenfalls die Vorzüge der öligen Frucht. „Raps gehört zu den wirtschaftlichsten Kulturen“, sagt Pflanzenbau-Referent Frank Schiffner. In diesem Jahr stünden die Chancen dafür jedoch nicht so gut. Viele Schlägen hätten „große Lücken und mickrige Bestände“. Fachleute sprechen von „Kümmerwuchs“: Viele Pflanzen hätten sich nicht genug verzweigt. Wo im Frühjahr noch Wasser auf dem Acker stand, sei zudem ein Großteil der Pflanzen verfault. Schiffner: „Wenn es eine durchschnittliche Ernte wird, können wir zufrieden sein.“

Der Agrarexperte der Umweltorganisation BUND, Burkhard Roloff, meint: „Der schöne Schein trügt sowieso.“ Er hält den gelben Blütenteppich „aus ökologischer Sicht für problematisch“. Raps werde mit viel Insektengift gespritzt und großen Mengen Stickstoff gedüngt, Reste davon würden immer wieder in Gräben und Flüsse gespült. Mancherorts werde außerdem zu viel Raps angebaut. Roloff: „Über 20 Prozent Raps gehören nicht in eine gute Fruchtfolge, in einigen Regionen sind es aber bis zu 30 Prozent.“ Dadurch würden sich Schädlinge stärker ausbreiten.

Laut Schweriner Agrarministerium wächst die Ölfrucht auf rund 204500 Hektar. In „Spitzenzeiten“ waren es schon fast 250 000 Hektar. „Bei der Aussaat im vorigen Sommer lief es nicht optimal“, sagt dazu Bauernverbandsvertreter Schiffner. In MV werden bei Raps fast ausschließlich Wintersorten angebaut, die bereits im August gedrillt werden. Durch den vielen Regen im Sommer 2017 seien die Böden so nass gewesen, dass die Bauern den Acker zu den agrotechnisch günstigsten Terminen nicht befahren konnten. Auf 20000 Hektar fiel die Rapsbestellung sogar ganz aus. Schon 2017 war kein gutes Rapsjahr. Die Erträge lagen bei 30,2 Dezitonnen je Hektar – fast 20 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch die Preise, die die Landwirte erzielten, blieben mit 34 Euro je Dezitonne unter den Erwartungen. Immerhin: Trotz der Ausfälle wurden 681400 Tonnen Raps geerntet – 16 Prozent der Gesamterntemenge in Deutschland. Damit ist MV bundesweit das Rapsland Nummer eins.

Mit einem Marktanteil von 41 Prozent gilt Rapsöl als wichtigstes einheimisches Speiseöl. Auch bei der Produktion von Farben, Schmierfetten und in der Kosmetikindustrie wird Rapsöl verwendet. Der beim Ölpressen entstehende Rapsschrot diene als Tierfutter und ersetze Import-Soja, betont Verbandsvertreter Schiffner. Der größte Teil der Rapsernte – etwa 60 Prozent – geht aber in die Herstellung von Biodiesel. „In diesem Segment ist die Nachfrage jedoch rückläufig.“ Für die Beimischung zu Mineralöldiesel werden verstärkt aufbereitete Altfette eingesetzt.

Elke Ehlers

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